Blendenflecken (Lens Flare) entstehen, wenn Licht ausserhalb des eigentlichen Bildwinkels in das Objektiv fällt und an den Linsenoberflächen reflektiert oder gestreut wird. Sie erscheinen als farbige Kreise, Streifen oder diffuse Schleier im Bild – störend oder bewusst als Gestaltungsmittel eingesetzt.
| Auch genannt | Lens Flare, Gegenlichtflecken, Streulichthöfe |
|---|---|
| Ursache | Lichtquelle (Sonne, Scheinwerfer) trifft auf Linsenoberflächen |
| Formen | Geisterbilder (Ghosts), Halos, Schleier (Veiling Flare), Sternmuster |
| Verstärkt durch | fehlende Streulichtblende, schmutzige Linsen, viele Linsenelemente |
| Reduziert durch | Streulichtblende, Vergütung (Multi-Coating), Kamerawinkel |
| Kreativnutzung | Cinematic Look, Bokeh-Anamorphot, Vintage-Stil |
Licht, das direkt auf das vordere Linsenelement einer Kamera trifft, wird an jeder Grenzfläche im Objektiv teilweise reflektiert. Moderne Objektive haben 10–20 Linsenelemente mit bis zu 40 Grenzflächen – und an jeder davon entsteht potenzielle Streuung. Je schlechter die Vergütung, desto mehr Blendenflecken. Je direkter die Lichtquelle im oder nahe am Bildfeld, desto stärker der Effekt.
Blenden- & Belichtungsrechner
Wähle eine Ausgangsbelichtung und eine neue Blende – der Rechner zeigt, welche Verschlusszeit die Helligkeit gleich hält.
Formen von Blendenflecken
Geisterbilder (Ghosts)
Kreisförmige oder eckige Lichtflecken, die entlang der Linie vom Bildmittelpunkt zur Lichtquelle angeordnet sind. Ihre Form entspricht der Blendenöffnung: bei f/11 entstehen eckige Sternmuster, bei offener Blende runde Scheiben. Geisterbilder haben oft die Komplementärfarbe zur Lichtquelle – ein oranger Sonnenuntergang erzeugt bläuliche Ghosts.
Veiling Flare
Diffuser Lichtschleier über das gesamte Bild oder grosse Bildteile. Er reduziert den Kontrast und macht Schatten grauer. Besonders häufig bei alten Objektiven ohne Vergütung oder sehr billigen Linsen. Bei Gegenlichtaufnahmen ist ein leichter Schleier oft akzeptiert – zu viel davon ruiniert die Tiefe des Bildes.
Sternmuster und Sonnenstrahlen
Entstehen bei kleiner Blende (f/11–f/22) durch Beugung an den Blendenlamellen. Mehr Lamellen erzeugen mehr, dünnere Strahlen. Sonnenstrahlen am Morgen oder Abend bei kleiner Blende sind ein beliebtes kreatives Stilmittel – setze dich bewusst damit auseinander statt zufällig Flares zu produzieren.
Blendenflecken vermeiden
- Streulichtblende (Gegenlichtblende): das effektivste Mittel – hält seitliches Licht vom Objektiv fern.
- Kamerawinkel ändern: minimale Verschiebung reicht oft aus, um die Lichtquelle aus dem Streuwinkel zu nehmen.
- Hand als Flagge: zwischen Lichtquelle und Linse halten – sichtbar im Sucher, nicht im Bild.
- Saubere Linsen: Fingerabdrücke und Staub auf dem Frontglas multiplizieren Blendenflecken.
- Hochwertige Vergütung: moderne Nano-Coating-Objektive (Nikons Nano Crystal Coat, Canons ASC) reduzieren Reflexionen drastisch.
Blendenflecken bewusst einsetzen
In der Lifestyle-, Portrait- und Hochzeitsfotografie ist ein hauchzarter Sonnenstern oder ein weicher Flare oft erwünscht – er signalisiert Wärme, Sommer und emotionale Stimmung. Nutze alte Vintageobjektive (z. B. Super Takumar, Helios) bewusst für mehr Charakter. Anamorphotische Objektive erzeugen horizontale blaue Lichtstrahlen – das cineastische Flare der Kinoästhetik.
Häufige Fragen
Entstehen Blendenflecken bei allen Objektiven?
Grundsätzlich ja – die Intensität variiert stark. Hochwertige moderne Objektive mit Nano-Coating produzieren kaum sichtbare Flares unter normalen Bedingungen; alte Objektive ohne Vergütung erzeugen auch bei indirekter Lichtquelle starke Flares.
Macht die Blendenöffnung einen Unterschied?
Kann ich Blendenflecken in der Nachbearbeitung entfernen?
Hilft ein UV-Filter gegen Blendenflecken?
Warum sehen Filmflares anders aus als Kameraflares?
Anamorphotische Kinooptiken erzeugen typische horizontale blaue Strahlen durch ihre längliche Linsengeometrie. Normale sphärische Objektive erzeugen runde Ghosts. Viele Fotografen und Filmer kaufen anamorphotische Vorsatzlinsen oder fügen den Flare in der Nachbearbeitung ein, um den Kino-Look zu erzielen.
Fazit
Blendenflecken sind optische Realität – kein Kamerafehler. Du entscheidest, ob du sie als Störer eliminierst oder als Stilmittel nutzt. Für störungsfreie Aufnahmen: Streulichtblende montiert halten, Linsen sauber, Winkel anpassen. Für kreativen Einsatz: Quelle direkt ins Bild nehmen, Blende auf f/11 für Sonnensterne, oder Vintageobjektiv für weichen Charakter.
Quellen
- Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics – Linsenreflexionen und Streulicht.
- ISO 9022-7 – Prüfverfahren für optische Vergütungen (Anti-Reflex-Beschichtungen).
- Nikon Corporation: Nano Crystal Coat – Technische Erläuterung, 2019.
Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.
