Der TLCI (Television Lighting Consistency Index) ist eine Kennzahl von 0–100, die bewertet, wie genau eine Lichtquelle Farben in der Film- und Videopostproduktion wiedergeben kann. Anders als der allgemeine CRI berücksichtigt der TLCI Kamerasensoren und Farbkorrektions-Workflows – damit ist er der genauere Massstab für Set, Studio und Eventbeleuchtung.
| Vollform | Television Lighting Consistency Index |
|---|---|
| Skala | 0–100 (100 = perfekte Farbwiedergabe) |
| Praxiswert gut | ≥ 90 – empfohlen für Broadcast & Kino |
| Unterschied zu CRI | TLCI simuliert Kamerasensor + Colorgrading; CRI nur visuell |
| Gemessen von | Spektralphotometer + TLCI-Algorithmus (EBU Tech 3355) |
| Häufige LED-Werte | 70–98, je nach Qualität und Binning |
| Relevanz 2026 | Basis für LED-Kaufentscheid im Profibereich |
Für Videografen und Filmcrews ist ein schwacher TLCI-Wert ein echtes Problem: Selbst wenn ein Bild auf dem Kameramonitor «gut» aussieht, kann die Farbkorrektur im Schnitt aufwändiger werden oder Hauttöne wirken unnatürlich. Wer LED-Panels oder Bi-Color-Lichter kauft, sollte den TLCI genauso prüfen wie die Wattzahl – er sagt mehr über die Praxistauglichkeit aus als jeder Marketingtext.
TLCI vs. CRI – wo liegt der Unterschied?
Der CRI (Color Rendering Index) misst, wie gut ein Licht acht Referenzfarbtafeln (R1–R8) für das menschliche Auge wiedergibt. Der Test ist auf Sehempfinden ausgerichtet, nicht auf Kamerasensoren. Ein Licht kann CRI 90 erreichen und trotzdem auf einer CMOS-Kamera auffällige Farbverschiebungen erzeugen – besonders bei Hauttönen und Grüntönen.
Der TLCI hingegen bildet den gesamten Broadcast-Workflow nach: Das Spektrum einer Lichtquelle wird mit einem Spektralphotometer erfasst, durch ein Kameramodell (nach EBU-Norm) gerechnet und mit dem Ergebnis einer Referenzlichtquelle verglichen. So entsteht ein Wert, der tatsächlich vorhersagt, wie das Bild aus dem Schnitt kommt.
| Kriterium | TLCI | CRI |
|---|---|---|
| Referenzsystem | Kamerasensor + Colorgrading | Menschliches Auge (8 Farbfelder) |
| Norm | EBU Tech 3355 | CIE 13.3 |
| Hauptanwendung | Video, Broadcast, Film | Architektur, Innenbeleuchtung |
| Aussagekraft für Video | Sehr hoch | Begrenzt |
Was bedeuten die TLCI-Werte in der Praxis?
90–100: Broadcast-geeignet
Lichter in diesem Bereich sind für Nachrichtenstudios, Werbeproduktionen und Kinosets geeignet. Die Farbkorrektur im Schnitt ist minimal. Hochwertige LEDs von Arri, Aputure oder Nanlite S-Serie erreichen diese Werte.
75–89: Bedingt geeignet
In diesem Bereich erzeugt die Kamera noch akzeptable Ergebnisse, aber die Farbkorrektur kostet Zeit. Für YouTube-Content oder Event-Streaming oft ausreichend, für anspruchsvollen Broadcast nicht ideal.
Unter 75: Problematisch
Hauttöne, Grün- und Blautöne können stark verschoben sein. Solche Lichter eignen sich nur für einfache Zwecke ohne Farbkorrektur-Anforderungen.
TLCI in verschiedenen Genres messen und nutzen
- Studiofotografie & Video: TLCI ≥ 90 als Mindestwert einplanen. Vor dem Kauf Datenblatt oder unabhängige Messungen prüfen.
- Eventfotografie: Location-Licht mit dem Smartphone-Spektrometer (z. B. Sekonic C-800) messen, um White-Balance-Probleme vorauszusehen.
- Produktfotografie: Hohes TLCI schützt vor Farbverfälschungen – besonders relevant bei Mode, Schmuck und Lebensmitteln.
- Broadcast-News: EBU-Richtlinien empfehlen TLCI ≥ 90; viele Sender verlangen TLCI ≥ 85 für mobile Sets.
Häufige Fragen
Was ist ein guter TLCI-Wert für Video?
Für Broadcast und Filmproduktion gilt TLCI ≥ 90 als Standard. Für YouTube und einfache Webproduktionen reichen Werte ab etwa 80, solange du bereit bist, etwas mehr Zeit in die Farbkorrektur zu investieren.
Ist TLCI wichtiger als CRI?
Für Videoarbeit ja. Der CRI ist auf das Auge ausgelegt, der TLCI auf Kamerasensoren. Beide ergänzen sich, aber wer primär für die Kamera beleuchtet, sollte TLCI priorisieren.
Wie messe ich den TLCI meines Lichts?
Du brauchst ein Spektralphotometer, das TLCI berechnet – z. B. das Sekonic C-800 oder Asensetek Lighting Passport. Viele LED-Hersteller veröffentlichen TLCI-Werte in ihren Datenblättern; diese solltest du immer mit unabhängigen Tests vergleichen.
Warum haben manche LEDs einen hohen CRI, aber niedrigen TLCI?
Weil der CRI nur acht Referenzfarben prüft. Eine LED kann in diesen acht Farben gut abschneiden und dennoch bei Hauttönen (R13–R15) oder Saturationsfarben problematisch sein. Der TLCI erfasst das breitere Spektrum durch die Kamerasimulation.
Gilt TLCI auch für Fotografie?
TLCI wurde primär für Video entwickelt. Für Fotografie ist CRI Ra + R9 (Rot-Sättigung) die gebräuchlichere Kennzahl. Wer jedoch auch Video dreht, profitiert von Lichtern mit gutem TLCI in beiden Disziplinen.
Gibt es neuere Standards als TLCI?
Ja: Der TLMF (Television Lighting Matching Factor) ist eine Erweiterung, die auch die Übereinstimmung zweier Lichtquellen miteinander bewertet – wichtig, wenn man gemischte Lichtsetups verwendet. Ausserdem gewinnt der SSI (Spectral Similarity Index) in der Kinowelt an Bedeutung.
Fazit
Der TLCI ist der massgebliche Qualitätsmassstab, wenn Licht vor einer Kamera eingesetzt wird. Ein Wert von 90+ schützt vor Farbproblemen im Schnitt und spart Postproduktionszeit. Beim nächsten LED-Kauf lohnt es sich, TLCI-Datenblätter zu vergleichen – und im Zweifelsfall unabhängige Messungen zu suchen, statt dem Hersteller blind zu vertrauen.
Quellen
- EBU Tech 3355: Method for the Assessment of the Colorimetric Properties of Luminaires – offizielle Norm für den TLCI-Algorithmus.
- Sekonic Corporation: Sekonic C-800 SpectroMaster Manual – Praxisinformation zu TLCI-Messgeräten.
- S. Nascimento et al.: Colour Rendering of Light Sources in Perceptual Studies of Colour Rendering – Grundlagen zu Farbwiedergabeindizes im Vergleich.
Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.
