Ein 360-Grad-Video zeigt die gesamte Umgebung einer Aufnahme gleichzeitig, nicht bloss einen Bildausschnitt. Wer während der Wiedergabe den Blickwinkel wechselt, sieht, was links, rechts, oben oder hinter der Kamera passiert. Die Technik stammt ursprünglich aus Forschung und Vermessung; heute nutzen sie auch Reiseportale, Immobilienplattformen und Bildungseinrichtungen für virtuelle Rundgänge. Für Fotografinnen und Fotografen, die bereits mit klassischen Kameras arbeiten, ist der Umstieg auf 360-Grad-Technik meist unkompliziert, da sich viele Grundprinzipien der Bildkomposition übertragen lassen.
Ein 360-Grad-Video ist eine Rundumaufnahme, die mit mehreren Kameraobjektiven oder einer speziellen Rundum-Kamera gleichzeitig in alle Richtungen gefilmt wird. Die einzelnen Bildausschnitte fügt eine Software anschliessend zu einer durchgehenden Kugelprojektion zusammen, sodass Betrachterinnen und Betrachter den Blickwinkel während der Wiedergabe frei wählen und das Geschehen aus jeder Perspektive verfolgen können.
Wie hat sich die Technik hinter 360-Grad-Videos entwickelt?
Bei frühen 360-Grad-Kameras waren die Nahtstellen zwischen den einzelnen Bildsegmenten oft sichtbar, und für scharfe Standbilder aus einer Aufnahme reichte die Auflösung kaum aus. Neuere Modelle bieten eine deutlich höhere Auflösung, dazu elektronische Bildstabilisierung und ein Stitching der Bildsegmente in Echtzeit. Möglich wird das auch durch leistungsfähigere Prozessoren direkt in der Kamera, die das Stitching nicht mehr der Nachbearbeitung am Computer überlassen.
Drei Entwicklungen prägen die aktuelle Gerätegeneration:
- Höhere Auflösung: schärfere Bilder und mehr Bildinformation für nachträgliches Zuschneiden einzelner Blickwinkel.
- Bessere Bildstabilisierung: spürbar weniger Verwacklung bei Aufnahmen aus der Hand, vom Fahrrad oder aus einer Drohne.
- 360-Grad-Livestreams: Zuschauer wählen den Blickwinkel bereits während der laufenden Übertragung selbst.
In welchen Branchen kommen 360-Grad-Videos zum Einsatz?
Vier Branchen nutzen die Technik inzwischen regelmässig: Tourismus, Immobilien, Bildung und Unterhaltung. Wie das konkret aussieht, zeigen die folgenden Beispiele.
Tourismus
Reiseveranstalter zeigen Hotelzimmer, Resorts und Sehenswürdigkeiten als virtuelle Tour. Interessierte sehen sich Zimmer oder Strand an, bevor sie buchen, ohne selbst anzureisen.
Immobilien
Makler ersetzen den ersten Besichtigungstermin zunehmend durch eine 360-Grad-Aufnahme der Räume. Das spart beiden Seiten Zeit, besonders wenn Interessierte aus einer anderen Stadt oder einem anderen Land anreisen müssten.
Bildung
Schulen und Museen setzen 360-Grad-Videos ein, um historische Orte oder schwer zugängliche Umgebungen erlebbar zu machen, etwa ein Vulkaninneres oder eine archäologische Ausgrabungsstätte. Schülerinnen und Schüler bewegen sich im Video selbstständig durch die Szene, statt nur zuzusehen.
Unterhaltung
Konzertveranstalter und Museen übertragen Auftritte und Ausstellungen in 360 Grad. Zuschauer entscheiden dabei selbst, ob sie die Bühne, das Publikum oder die Seitenbühne im Blick behalten. Solche Formate sorgen für ein Gefühl von Nähe, das klassische Kameraeinstellungen nicht bieten.
Wie ergänzen Virtual Reality und Augmented Reality das Format?
Virtual Reality (VR) bezeichnet eine computergenerierte oder gefilmte Umgebung, die über eine VR-Brille dargestellt wird und den Kopfbewegungen der Nutzerin oder des Nutzers folgt. Augmented Reality (AR) blendet dagegen digitale Elemente in die reale Umgebung ein, meist über ein Smartphone oder Tablet. Kombiniert mit 360-Grad-Videos entsteht ein Format, in dem Betrachter sich frei umsehen und zugleich zusätzliche Informationen einblenden lassen können.
In der Immobilienbranche laufen VR-Besichtigungen inzwischen über Kopfhörer und Brille, in Schulungen ersetzen sie das Rollenspiel vor Ort. Für Verlage und Reiseportale bedeutet das einen zusätzlichen Produktionsschritt, der sich aber bei hochwertigem Ausgangsmaterial lohnt. Auch die 3D-Fotografie arbeitet mit ähnlichen Aufnahmeprinzipien, um Räume und Objekte räumlich erfassbar zu machen. Wer grössere Mengen an 360-Grad-Material dreht, sollte zudem frühzeitig eine Backup-Strategie für die Rohdateien einplanen, denn unkomprimiertes Rundummaterial belegt schnell mehrere Gigabyte pro Aufnahmeminute.
Was braucht es für eigene 360-Grad-Aufnahmen?
Für den Einstieg reicht bereits eine kompakte Rundum-Kamera mit zwei gegenüberliegenden Objektiven, die das komplette Blickfeld in einer Aufnahme abdeckt. Wer zusätzlich Luftaufnahmen plant, findet passende Einstiegsmodelle im Drohnen-Ratgeber, allerdings eignen sich dafür nur wenige spezialisierte Rundum-Drohnen.
Auf der Software-Seite übernimmt meist die mitgelieferte Herstelleranwendung das Stitching der Bildsegmente sowie den Export in gängige Videoformate. Für die Nachbearbeitung, etwa Farbkorrektur, Ausschnittwahl oder die Stabilisierung einzelner Sequenzen, greifen viele Nutzerinnen und Nutzer zusätzlich auf dedizierte Schnittprogramme zurück. Da unbearbeitetes 360-Grad-Material deutlich mehr Speicherplatz beansprucht als klassisches Videomaterial, lohnt sich eine externe Festplatte oder ein Cloud-Backup von Anfang an.
Häufig gestellte Fragen
- Was sind 360-Grad-Videos?
360-Grad-Videos sind Aufnahmen, bei denen die Kamera gleichzeitig in alle Richtungen filmt. Beim Abspielen kann sich der Betrachter frei umsehen, statt nur einen festgelegten Bildausschnitt zu sehen.
- Wie werden 360-Grad-Videos erstellt?
Spezielle Kameras mit mehreren Objektiven nehmen gleichzeitig aus verschiedenen Winkeln auf. Eine Software fügt die einzelnen Aufnahmen anschliessend zu einem durchgehenden Kugelbild zusammen, dem sogenannten Stitching.
- In welchen Branchen finden 360-Grad-Videos Anwendung?
360-Grad-Videos kommen heute vor allem in Tourismus, Immobilien, Bildung und Unterhaltung zum Einsatz. Passend dazu: Die Zukunft von 360-Grad-Fotografie, Die Technik der Zukunft und Virtual Reality in der Fotografie.

