Chromatische Aberration

Kurze Antwort

Chromatische Aberration ist ein optischer Fehler, bei dem verschiedene Lichtfarben unterschiedlich stark gebrochen werden und dadurch farbige Ränder an Kontrastkanten entstehen. Der Grund liegt in der Dispersion: Glas bricht blaues Licht stärker als rotes. Das Ergebnis sind Farbsäume – oft magenta und grün – besonders an Bildrändern oder bei starken Kontrasten.

Chromatische Aberration auf einen Blick
Englisch Chromatic aberration (CA), colour fringing
Ursache Dispersion: unterschiedlicher Brechungsindex je Wellenlänge
Typ 1 Longitudinale CA – entlang der optischen Achse (Fokuslage je Farbe)
Typ 2 Laterale CA – seitlich (Farbsäume an Bildrändern)
Mindern durch ED-/LD-Gläser, Apochromat-Design, Abblenden
Korrektur in Software Lightroom «Objektivkorrekturen», Capture One «CA-Entfernung»

Jedes Linsenmaterial hat einen eigenen Brechungsindex, der mit der Wellenlänge variiert – dieses Phänomen nennt sich Dispersion. Ein einfaches Objektiv aus einer einzigen Glassorte kann deshalb blaues, grünes und rotes Licht nicht auf exakt denselben Brennpunkt fokussieren. Hochwertige Objektive verwenden ED-Gläser (Extra-Low-Dispersion) oder apochromatische Designs, um diesen Fehler zu minimieren. Trotzdem tritt CA bei Zoomobjektiven und an Bildrändern häufig auf.

Die zwei Typen der chromatischen Aberration

Longitudinale chromatische Aberration (LoCA)

Hier fokussieren verschiedene Farben auf unterschiedliche Abstände entlang der optischen Achse. Das Ergebnis: Vor dem Fokuspunkt ist ein Objekt violett gerändert, dahinter grün. LoCA ist am stärksten bei offener Blende sichtbar und lässt sich durch Abblenden deutlich reduzieren – oft reicht f/5.6, um sie fast vollständig zu eliminieren.

Laterale chromatische Aberration (LaCA)

LaCA entsteht, weil die Vergrösserung eines Objektivs für jede Farbe leicht verschieden ist. Deshalb sind Farbsäume vor allem an den Bildrändern sichtbar, im Zentrum dagegen kaum. Abblenden hilft hier weniger; LaCA lässt sich jedoch in der Nachbearbeitung präzise korrigieren, weil die Verschiebung bekannt und messbar ist.

Longitudinal (LoCA)RotGrünBlauLateral (LaCA)Farbsäume am Rand
Links: LoCA – drei Farben treffen die optische Achse an verschiedenen Tiefenpunkten. Rechts: LaCA – jede Farbe bildet das Objekt leicht versetzt ab, was am Bildrand Farbsäume ergibt.

Ursachen und Einfluss des Objektivdesigns

ED- und LD-Gläser

Extra-Low-Dispersion-Glas (Canon, Nikon) und Super-ED-Glas (Sony) haben eine aussergewöhnlich flache Dispersionskurve. Ein apochromatisches Objektiv («Apo») bringt drei Wellenlängen auf denselben Fokuspunkt und minimiert LoCA fast vollständig. Der Preis: diese Objektive sind teurer und schwerer.

Zoom vs. Festbrennweite

Zoom-Objektive zeigen mehr CA als Festbrennweiten, besonders an den Extremen des Zoombereichs. Bei Weitwinkel-Zooms ist LaCA an den Ecken oft sichtbar, bei Telezoom-Objektiven dominiert LoCA bei offener Blende.

CA erkennen und korrigieren

  • Im Bild erkennen: 100 %-Ansicht, Kanten zwischen hell und dunkel – typisch violett/magenta vor dem Fokus, grün dahinter.
  • Abblenden (LoCA): f/5.6 bis f/8 reduzieren LoCA erheblich.
  • Lightroom/ACR: Reiter «Objektivkorrekturen» → «Chromatische Aberration entfernen» (automatisch) oder manuelle Schieberegler Lila/Grün.
  • Capture One: Farbwerkzeuge → CA-Entfernung mit Farb-Picker direkt auf den Saum klicken.

Häufige Fragen

Sieht man chromatische Aberration immer im Bild?

Nicht immer. Bei kontrastarmen Motiven oder kleinen Druckformaten bleibt sie unsichtbar. Problematisch wird CA bei hochkontrastigen Kanten (schwarzer Baum vor hellem Himmel) und grossen Ausdrucken oder 100-%-Pixelpeeping.

Hilft eine Streulichtblende gegen CA?

Nein. Streulichtblenden reduzieren Streulicht und Blendenflecken, aber nicht chromatische Aberration. Die CA entsteht innerhalb der Optik, nicht durch Strahlen, die von aussen in die Linse fallen.

Ist CA bei Smartphone-Kameras ein Thema?

Weniger – Smartphones korrigieren CA automatisch per Software (Computational Photography). Die rohen Sensordaten zeigen aber durchaus CA; sie wird vor der JPEG-Erstellung digital entfernt.

Schafft mehr Megapixel mehr CA?

Mehr Pixel vergrössern das Bild stärker in der Nachbearbeitung, was CA sichtbarer macht. Die Aberration selbst ist eine Eigenschaft des Objektivs, nicht des Sensors – aber ein hochauflösender Sensor deckt Objektivmängel konsequenter auf.

Warum sind Weitwinkelobjektive anfälliger für laterale CA?

Weitwinkelobjektive müssen Lichtstrahlen stark umlenken. Der Einfallswinkel der Randstrahlen ist sehr gross, was zu unterschiedlichen Vergrösserungen je Farbe führt – typisches LaCA-Symptom.

Fazit

Chromatische Aberration ist ein physikalisches Grundproblem jeder refraktiven Optik. Hochwertige ED-Gläser minimieren sie optisch; moderne RAW-Software korrigiert den Rest in Sekunden. Wer seine Bilder scharf und farbsäumfrei haben will, schaut im Kamerasystem auf Objektive mit Apo-Korrektur – und nutzt die CA-Korrektur in der Nachbearbeitung als letzte Instanz.

Quellen

  1. Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics, 3. Aufl. – Dispersion, Apo-Korrekturen und Objektivdesign.
  2. ISO 10110-17 – Angaben für optische Elemente und Systeme: Wellenfrontaberration.
  3. Rudolf Kingslake: Lens Design Fundamentals – chromatische Korrekturen in der geometrischen Optik.

Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.

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