Clean HDMI ist ein HDMI-Ausgang, der das reine Kamerabild ohne Statusanzeigen, Menüs oder Fokus-Overlays an einen externen Monitor oder Recorder überträgt. Videofilmer und Livestreamer nutzen Clean HDMI, um unkomprimiertes oder weniger komprimiertes Videomaterial aufzuzeichnen und dabei auf dem Kameramonitor schon sauberes Bild zu sehen.
| Auch genannt | Clean HDMI Out, uncluttered output, bare signal |
|---|---|
| Überträgt | Rohbild ohne OSD (On-Screen-Display), Fokuspeaking, Histogramm |
| Gegenstück | Standard HDMI: Bild inklusive aller Kamerainfos |
| Typische Auflösungen | Full HD (1080p), 4K – je nach Kameramodell |
| Empfänger | Externer Recorder (z. B. Atomos), Capture Card, Field Monitor |
| Vorteil | höhere Aufzeichnungsqualität, kein Overlay im finalen Material |
Viele Kameras zeichnen intern in stark komprimierten Codecs auf (z. B. H.264 All-I oder XAVC S). Der HDMI-Ausgang liefert dasselbe Bild, aber ungekomprimiert oder in einem weniger komprimierten Format wie ProRes oder DNxHR, wenn ein externer Recorder angeschlossen ist. Das ergibt mehr Spielraum für Farbkorrekturen in der Post und verhindert störende Informationen im fertigen Video.
Wozu Clean HDMI in der Praxis?
Externer Recorder
Ein Recorder wie der Atomos Ninja V empfängt das Clean-HDMI-Signal und zeichnet in ProRes HQ auf. Das überbrückt die Codec-Schwäche vieler Kameras und liefert mehr Farbinformation für die Grading-Arbeit. Gleichzeitig dient der Recorder als Feldmonitor mit Pegelskalen, Zebra und Waveform – Overlays, die du auf dem Recorder siehst, aber nicht im aufgenommenen Signal.
Livestreaming
Eine Kamera mit Clean HDMI und Capture Card (z. B. Elgato Cam Link, Blackmagic ATEM Mini) liefert dem Streaming-PC ein professionelleres Bild als eine Webcam. Kein Akkustandsymbol oder Fokusrahmen stören im Livestream. Die Bildqualität übertrifft USB-Webcams erheblich.
Field Monitor
Regisseure und Kameraassistenten nutzen externe Monitore für bessere Sichtbarkeit im Freien und für Fokus-Checks. Über Clean HDMI sehen sie das Bild ohne Ablenkung durch Kameramenüs.
Unterschied: Clean HDMI vs. Standard HDMI
| Eigenschaft | Clean HDMI | Standard HDMI |
|---|---|---|
| Kamera-OSD | nicht vorhanden | sichtbar (Batterie, ISO, etc.) |
| Fokuspeaking | nicht ausgegeben | teilweise ausgegeben |
| Qualität | bestmöglich für die Kamera | identisch, aber mit Overlay |
| Eignung Recorder | ideal | bedingt nutzbar |
Aktivierung und Einschränkungen
Die Aktivierung von Clean HDMI findet sich im Kameramenü meistens unter Ausgabe oder HDMI. Typische Einstellung: «Informationsanzeige» auf «Aus» oder «Info-Anzeige: HDMI» deaktivieren. Nicht alle Kameras können 4K Clean HDMI ausgeben; manche liefern nur 1080p an den Ausgang, auch wenn sie intern 4K aufzeichnen. Prüfe das Datenblatt oder das Kamerahandbuch.
- Überhitzung: Viele Kameras ohne integrierten Lüfter können bei 4K Clean HDMI schneller überhitzen. Plane Pausen ein oder nutze externe Kühlung.
- Kabelqualität: Hochwertige HDMI-Kabel (mind. HDMI 2.0 für 4K/60p) verhindern Signalaussetzer. Verriegelbare HDMI-Kabel sind für laufende Produktionen wichtig.
- Latenz: Clean HDMI hat geringe Latenz; Field Monitore haben oft unter 1 Frame Verzögerung. Beachte dies bei Live-Talks.
Häufige Fragen
Unterstützt meine Kamera Clean HDMI?
Die meisten modernen Systemkameras (Sony Alpha, Canon EOS R, Nikon Z, Fujifilm X/GFX) unterstützen Clean HDMI. Ältere oder einfachere Kameramodelle oft nicht. Im Handbuch steht es unter HDMI-Ausgangsoptionen oder «Info-Overlay deaktivieren».
Was ist der Unterschied zwischen HDMI 1.4, 2.0 und 2.1?
HDMI 1.4 schafft 4K bei 30 fps. HDMI 2.0 überträgt 4K bei 60 fps. HDMI 2.1 ermöglicht 8K und 4K mit 120 fps. Für Clean HDMI reicht HDMI 2.0 für die meisten Filmaufgaben; wer 8K oder hohe Bildwiederholraten benötigt, braucht 2.1.
Kann ich Clean HDMI für Livestreaming nutzen?
Ja. Kamera mit Clean HDMI → Capture Card → Streaming-Software (OBS, Streamlabs) ist ein bewährtes Setup. Die Bildqualität übertrifft Webcams erheblich, weil du die Optik deiner Kamera nutzt und das Signal weniger komprimiert übertragen wird.
Brauche ich zwingend einen externen Recorder?
Nein. Auch ohne Recorder ist Clean HDMI nützlich: Ein Field Monitor mit Clean HDMI zeigt dir das Bild ohne Ablenkung. Für professionelle Aufzeichnung in ProRes oder RAW brauchst du allerdings einen Recorder.
Verliert die interne Aufzeichnung Qualität, wenn ich Clean HDMI nutze?
Nein. Interne und externe Aufzeichnung laufen parallel. Viele Workflows nehmen intern als Backup und extern in besserer Qualität als Hauptmaterial auf.
Fazit
Clean HDMI ist ein einfaches, aber wirkungsvolles Feature: Es liefert das reine Kamerabild nach aussen – ohne Ablenkungen, mit besserer Aufzeichnungsqualität. Für professionelle Videoproduktion, Livestreaming und seriöses Monitoring ist Clean HDMI kein Luxus, sondern Standard. Prüfe, ob deine Kamera diese Funktion unterstützt, und aktiviere sie im Menü – der Unterschied im Material ist sofort spürbar.
Quellen
- HDMI Licensing Administrator: HDMI Specification Version 2.1 – Technische Parameter und Bandbreiten.
- Atomos: Ninja V User Manual – Signalempfang, Codec-Spezifikationen und Recorder-Setup.
- Blackmagic Design: ATEM Mini Manual – Einsatz von Clean HDMI im Livestreaming-Workflow.
Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.
