Der Cropfaktor gibt an, wie viel kleiner ein Kamerasensor im Vergleich zum Kleinbild-Vollformat (36 × 24 mm) ist – und bestimmt damit, wie eine gegebene Brennweite den Bildausschnitt verändert. Ein APS-C-Sensor mit Cropfaktor 1,5× lässt ein 50-mm-Objektiv wie ein 75-mm-Tele wirken, ohne die physikalische Brennweite zu verändern.
| Definition | Verhältnis Vollformat-Diagonale (43,3 mm) zu Sensor-Diagonale |
|---|---|
| Vollformat | Cropfaktor 1,0 – Referenz (36 × 24 mm) |
| APS-C Canon | Cropfaktor 1,6 (ca. 22,3 × 14,9 mm) |
| APS-C Sony/Nikon | Cropfaktor 1,5 (ca. 23,5 × 15,6 mm) |
| Micro Four Thirds | Cropfaktor 2,0 (17,3 × 13 mm) |
| Kleinbildäquivalente BW | Reale Brennweite × Cropfaktor |
Der Cropfaktor ist keine Eigenschaft des Objektivs, sondern des Sensors: Er definiert, welcher Ausschnitt aus dem Objektivbildkreis auf den Sensor fällt. Ein Vollformat-Sensor nutzt den gesamten Bildkreis; ein APS-C-Sensor nutzt nur den inneren Teil davon – wie ein Bild innerhalb eines Bildes. Der Crop- & Bildwinkel-Rechner unten zeigt dir sofort, wie sich deine Brennweite auf verschiedenen Sensorformaten verhält.
Crop- & Bildwinkel-Rechner
Wähle Sensor und Brennweite – der Rechner zeigt die Kleinbild-äquivalente Brennweite und den Bildwinkel.
Was der Cropfaktor verändert – und was nicht
Was er verändert
Der Cropfaktor verkleinert den Bildwinkel: Ein 50-mm-Objektiv auf APS-C (1,5×) zeigt denselben Ausschnitt wie ein 75-mm-Objektiv auf Vollformat. Das kommt Wildtier- und Sportfotografen zugute – sie bekommen eine «verlängerte» Reichweite ohne ein teures Teleobjektiv.
Was er nicht verändert
Die physikalische Brennweite bleibt identisch. Die Schärfentiefe hängt von Blende, Abstand und Brennweite ab – der Cropfaktor allein verändert sie nicht direkt. Jedoch brauchst du auf APS-C eine kürzere Brennweite für denselben Bildwinkel, was zu mehr Schärfentiefe führt. Das ist kein Vorteil des Sensors, sondern eine Konsequenz des anderen Objektivs.
Cropfaktor in der Praxis
Vorteile kleinerer Sensoren
- Reichweite: 300 mm auf APS-C wirkt wie 450 mm – Vorteil für Wildlife und Sport.
- Kosten: APS-C-Kameras und -Objektive sind günstiger als Vollformat-Pendants.
- Gewicht: Kleinere Sensoren ermöglichen kompaktere Gehäuse und Objektive.
Nachteile kleinerer Sensoren
- Weitwinkel-Verlust: Ein 20-mm-Weitwinkel auf APS-C entspricht 30 mm – Weitwinkelwirkung geht verloren. Du brauchst teurere APS-C-Weitwinkel (10–12 mm).
- Low-Light: Kleinere Sensorfläche nimmt weniger Licht auf, was zu mehr Rauschen bei hohen ISO-Werten führt.
- Schärfentiefe: Für maximale Freistellung im Porträt sind auf APS-C offenere Blenden oder längere Brennweiten nötig.
Sensorformat-Übersicht
| Format | Grösse (mm) | Cropfaktor | KB-Äquivalent 50 mm |
|---|---|---|---|
| Vollformat | 36 × 24 | 1,0× | 50 mm |
| APS-C (Nikon/Sony) | 23,5 × 15,6 | 1,5× | 75 mm |
| APS-C (Canon) | 22,3 × 14,9 | 1,6× | 80 mm |
| Micro Four Thirds | 17,3 × 13 | 2,0× | 100 mm |
| 1-Zoll-Sensor | 13,2 × 8,8 | 2,7× | 135 mm |
Häufige Fragen
Verändert der Cropfaktor die Lichtstärke des Objektivs?
Nein. f/2.8 bleibt f/2.8, unabhängig vom Sensor. Allerdings ist für denselben Bildwinkel auf APS-C eine kürzere (und damit tendenziell dunklere) Brennweite nötig als auf Vollformat – daher der scheinbare Lichtstärkenachteil kleiner Sensoren.
Kann ich Vollformat-Objektive an APS-C-Kameras verwenden?
Gilt der Cropfaktor auch beim Video?
Ja, oft sogar doppelt: Viele Kameras aktivieren im Videomodus einen zusätzlichen Crop gegenüber dem Foto-Modus (z. B. Canon EOS R5 bei 8K). Den aktuellen Videocrop der eigenen Kamera immer im Handbuch prüfen.
Beeinflusst der Cropfaktor die Schärfentiefe?
Direkt nein – aber indirekt ja: Für denselben Bildwinkel verwendest du auf APS-C eine kürzere Brennweite, was mehr Schärfentiefe ergibt. Für gleiche Schärfentiefe bei gleichem Bildwinkel musst du auf APS-C weiter aufblenden.
Was bedeutet «KB-äquivalente Brennweite»?
Die Kleinbild-äquivalente Brennweite (KB-Äquivalent) beschreibt, welches Vollformat-Objektiv denselben Bildwinkel liefern würde. Ein 35-mm-Objektiv an APS-C (1,5×) hat ein KB-Äquivalent von 52,5 mm – fast identisch mit dem klassischen «Normalobjektiv».
Fazit
Der Cropfaktor ist kein Qualitätsmerkmal, sondern ein Geometrie-Faktor. Er entscheidet, welchen Bildausschnitt du mit einer gegebenen Brennweite erzielst, und beeinflusst indirekt Schärfentiefe, Weitwinkelwirkung und Low-Light-Leistung. Der Rechner oben hilft dir, für jedes Sensorformat die äquivalente Brennweite und den Bildwinkel sofort abzulesen.
Quellen
- Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics, 3. Aufl. – Sensorformate und Bildwinkel.
- CIPA DC-009 – Standard für digitale Kameras: Sensorspezifikationen und Formatdefinitionen.
- B. Jähne: Digitale Bildverarbeitung, 8. Aufl. – Optische Grundlagen der Abbildung.
Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026. Angaben ohne Gewähr – Rechnerwerte sind Richtwerte.
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