Multigrade (Fotopapier)

Kurze Antwort

Multigrade-Fotopapier (auch variokontrastpapier) ist ein Schwarzweiss-Fotopapier mit einer Emulsion, die auf zwei verschiedene Lichtfarben unterschiedlich reagiert – blauviolett erhöht den Kontrast, gelb-grün senkt ihn. Durch Vorsetzen von Filtern (Grade 0–5) steuerst du den Kontrast des Abzugs stufenlos aus einem einzigen Papier, statt verschiedene Fixgrade-Papiere vorrätig halten zu müssen.

Multigrade-Fotopapier auf einen Blick
Auch genannt Variokontrastpapier, Ilford Multigrade, Kodak Polycontrast
Kontraststeuerung Farbfilter 0 (weich) bis 5 (sehr hart) unter dem Vergrösserungsobjektiv
Emulsionsprinzip zwei Silberhalogenid-Schichten mit unterschiedlicher Farbempfindlichkeit
Vorteil ein Papier ersetzt 7+ Fixgrade-Papiere; stufenlose Kontrolle möglich
Oberflächen glänzend, pearl/satin, halbmatt, matt – je nach Marke und Serie
Träger RC (Resin-Coated, schnell) oder Baryt (Bariumsulfat, Archiv)
Typische Marken Ilford Multigrade Classic/RC, Kodak Polymax, Foma Fomaspeed

Vor der Erfindung des Multigrade-Papiers musste jeder Dunkelkammerarbeiter für jeden Kontrasteindruck ein separates Fixgrade-Papier bestellen und lagern: Grad 0 für extreme Weichheit, Grad 5 für extremen Kontrast, und alles dazwischen. Multigrade (Ilford brachte die heutige Form 1980 auf den Markt) löste dieses Problem vollständig: ein Papier, alle Kontraste. Heute dominiert Multigrade die professionelle und amateur-analoge Dunkelkammer.

Wie die Emulsion funktioniert

Das Papier enthält zwei überlagerte lichtempfindliche Schichten:

  • Blauviolett-sensitive Schicht (hoher Kontrast): reagiert nur auf kurzwelliges blaues Licht
  • Gelb-grün-sensitive Schicht (niedriger Kontrast): reagiert auf mittleres grünes Licht

Ein grüner Filter (Grade 0–2) aktiviert hauptsächlich die Weich-Schicht – das Ergebnis ist wenig Kontrast. Ein Magenta-Filter (Grade 3–5) aktiviert hauptsächlich die Kontrast-Schicht – hartes, kontrastreiches Bild. Halbe Stufen sind durch gemischte Filter möglich.

Filtermethoden im Vergleich

Methode Vorteil Nachteil
Filter unterhalb des Objektivs günstig, für alle Vergrösserungsgeräte Schärfebeeinträchtigung möglich
Filter oberhalb der Linse (Einschubfach) kein Schärfeverlust, einfache Handhabung erfordert Einschubfach am Vergrösserungsgerät
Farb-Kopflampe (VCCE-Kopf) stufenlose Einstellung, präzise teurere Erstinvestition
LED-Farblicht (Exposify, RH Designs) sehr präzise, reproduzierbar neu, noch wenig verbreitet
Multigrade-Kontrastskala☁Grade 0sehr weichgrüner FilterGrade 1–2weich–normalGrade 3StandardgemischtGrade 4hartMagenta-FilterGrade 5sehr hartSplitgradeGrade 0 + Grade 5separat belichtenfür Kontrolle
Multigrade-Kontrastskala: Grüne Filter erzeugen weiche Tonwerte, Magenta-Filter erhöhen den Kontrast. Split-Grade-Technik kombiniert beide Extreme für maximale Kontrolle.

Split-Grade-Technik

Die Split-Grade-Methode nutzt das Zweischicht-Prinzip gezielt aus: Du belichtest zuerst mit Grade 0 (maximale Schattenzeichnung), dann mit Grade 5 (Kontrast und Lichterzeichnung). Durch das Verhältnis beider Belichtungszeiten steuerst du Kontrast und Tonqualität unabhängig voneinander. Viele Dunkelkammerarbeiter schwören auf Split-Grade für präzise Fine-Art-Prints.

RC vs. Barytpapier

Multigrade gibt es auf zwei Trägermaterialien:

  • RC-Papier (Resin-Coated): Plastikbeschichteter Träger, entwickelt schnell (60–90 s), trocknet flach. Ideal für Proofing und Workflow. Weniger langzeitstabil als Baryt.
  • Barytpapier: Echtes Papier mit Bariumsulfat-Schicht, entwickelt langsamer (2–3 Min.), muss flach trocknen oder gepresst werden. Tiefes Schwarz, hoher D-max, archivtauglich – der Standard für Fine-Art und Ausstellungsabzüge.

Häufige Fragen

Welche Filtergrades sind für Porträts empfehlenswert?

Grade 2–3 gelten als «normal» – ähnlich dem mittleren Kontrast einer gut belichteten Szene. Für schmeichelhafte Porträts wähle Grade 1–2 (weicher Schattenverlauf). Für dramatische Charakterporträts probiere Grade 4 oder Splitgrade mit Grade 5-Anteil.

Muss ich Multigrade-Papier im Dunkeln lagern?

Ja – Multigrade-Papier ist lichtempfindlich und muss in der Originalverpackung, kühl und trocken gelagert werden. Rotlicht im Labor ist unproblematisch; normales Licht oder UV-Licht belichtet das Papier unkontrolliert vor.

Kann ich Multigrade-Papier ohne Filter verwenden?

Ja – ohne Filter verhält sich das Papier bei normalem Vergrössererlicht ungefähr wie Grade 2–3. Du verlierst die präzise Kontrolle, aber für einfache Probeabzüge ist das zulässig. Unter Weisslicht (Hauptlicht) belichtetes Papier ist natürlich völlig verschleiert.

Was ist der Unterschied zwischen Multigrade und Graded Paper?

Graded Paper (Fixgrade-Papier) hat eine Emulsion mit nur einer Kontrastsensitivität, fest auf Grade 0, 2, 3 oder 4 gedruckt. Multigrade enthält zwei Schichten und ist stufenlos filtersteuerbar. Graded Paper gibt es noch für spezielle Zwecke; Multigrade dominiert den allgemeinen Markt.

Wie lange ist Multigrade-Papier haltbar?

Ungeöffnet bei 13–18 °C und unter 60 % Luftfeuchtigkeit: 2–5 Jahre (je nach Hersteller-Angabe). Geöffnete Pakete sollten lichtdicht verpackt und innerhalb von 6–12 Monaten verbraucht werden. Alte Papiere zeigen Schleier und reduzierten D-max.

Fazit

Multigrade-Fotopapier ist die grösste Vereinfachung in der analogen Dunkelkammer seit der Einführung des RC-Trägers. Ein einziges Papier, Filter von 0 bis 5, und du hast die Kontrolle über den gesamten Kontrastraum des Schwarzweissabzugs. Kombiniere es mit der Split-Grade-Technik für maximale Kontrolle – und mit Barytpapier für Abzüge, die Generationen überdauern.

Quellen

  1. Ilford Photo: Multigrade Classic RC Deluxe Technical Sheet – Filterempfehlungen, Entwicklungszeiten und Lagerung (ilfordphoto.com).
  2. Steve Anchell & Bill Troop: The Film Developing Cookbook – Multigrade-Emulsionen, Split-Grade und Archivdrucke.
  3. Tim Rudman: The Darkroom Handbook – Praxis der Multigrade-Technik, Filter und Tonwertsteuerung.

Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.

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