Ein Ringlicht ist eine kreisförmige Dauerlichtquelle, die die Kameralinse konzentrisch umschliesst und dadurch das Motiv gleichmässig und nahezu schattenfrei aus der Aufnahmeachse heraus beleuchtet. Das charakteristische Merkmal ist der ringförmige Catchlight in den Augen des Motivs. Einsatzgebiete reichen von Beauty- und Porträtfotografie über Makroaufnahmen bis zu Video-Content und Live-Streams.
| Typische Grösse | 10 cm (Smartphone-Clip) bis 60 cm (Studio-Ringlicht) |
|---|---|
| Lichtquelle | LED (heute Standard), früher Fluoreszenz oder Halogen |
| Farbtemperatur | Einstellbar ca. 3 200–5 600 K bei BI-Color-Modellen |
| Catchlight | Kreisförmig im Auge – Erkennungsmerkmal der Technik |
| Schatten | Minimal und symmetrisch um das Motiv herum |
| Typische CRI | ≥ 95 bei professionellen Studiomodellen |
Das Ringlicht gehört zur Klasse des Dauerlichts: Du siehst das Licht live, stellst Kamera und Motiv ein und bist sofort schussbereit. Im Vergleich zu Softboxen oder Octas ist das Ringlicht schnell aufgebaut und besonders für Nahaufnahmen von Gesichtern oder kleinen Objekten gut geeignet.
Wie ein Ringlicht funktioniert
Die LEDs sitzen auf einem Ring, der die Kamera oder das Objektiv umfasst. Das Licht trifft das Motiv aus derselben Richtung wie die optische Achse. Schatten entstehen deshalb nur im schmalen Streifen direkt hinter dem Motiv – vom Objektiv aus gesehen vollständig verborgen. Das Gesicht oder das Objekt wirkt «flach belichtet» mit weichen, gleichmässigen Tönen. Augen reflektieren das Ringlicht als charakteristischen Ringreflex (Catchlight).
Anwendungen in der Praxis
Beauty- und Porträtfotografie
Der ringförmige Catchlight in den Augen gibt Porträts einen lebendigen, «Model-Look». Die frontale Beleuchtung schmeichelt der Haut, weil flache Schatten kleine Unebenheiten minimieren. Für dramatischere Porträts kombiniere Ringlicht als Hauptlicht mit einer Hintergrundleuchte oder einem Reflektor seitlich.
Makrofotografie
In der Makrofotografie ist das Ringlicht unersetzlich: Es beleuchtet Miniaturmotive (Insekten, Schmuck, Elektronik) gleichmässig, ohne den Vordergrund zu beschatten. Professionelle Makro-Ringlichter haben einen kleinen Innendurchmesser, der das Objektiv eng umschliesst – teils mit steuerbaren Segmenten für seitliche Lichtakzente.
Video und Livestream
Content-Creator schätzen das Ringlicht für seine Einfachheit: aufstellen, einschalten, fertig. Für Video-Calls, YouTube-Tutorials und Livestreams bietet es professionelle Ausleuchtung ohne Studiokenntnisse. Achte auf Flicker-Free-LEDs (PWM-Frequenz > 1 000 Hz), damit bei Kameraverschlusszeiten unter 1/500 s kein Lichtflimmern im Video entsteht.
Auswahl des richtigen Ringlichts
- Grösse: 18–25 cm für Tisch und Nahaufnahmen; 40–60 cm für Halbfigurporträts und Video.
- Farbtemperatur: BI-Color (einstellbar zwischen 3 200 und 5 600 K) ist flexibler als Mono-Color-Modelle.
- CRI: Mindestens CRI 90 für Porträts – CRI 95 aufwärts für Make-up-genaue Farben.
- Helligkeit: Für helle Umgebungen oder grossen Abstand: mindestens 3 000–5 000 Lumen; kleine 10-cm-Clip-Modelle für Smartphone sind für ernsthafte Fotografie nicht ausreichend.
Häufige Fragen
Muss das Ringlicht immer frontales Licht liefern?
Nein. Du kannst es seitlich aufstellen, um Schatten zu erzeugen. Das Ergebnis ist dann weniger «Ringlicht-Look» und eher klassisches Seitenlicht – aber der ringförmige Catchlight verrät die Quelle trotzdem.
Wie weit soll das Motiv vom Ringlicht entfernt sein?
Kann ich ein Ringlicht mit einem Softbox-Set kombinieren?
Ja. Das Ringlicht als Hautaufheller und Catchlight-Quelle, die Softbox als Haupt- oder Hintergrundlicht – das gibt volle Kontrolle über Schatten und Tiefe.
Flimmert das Ringlicht im Video?
Billige Modelle können bei niedrigen PWM-Frequenzen unter 500 Hz flimmern. Kaufe Modelle mit «Flicker-Free»-Zertifizierung oder miss nach dem Kauf mit der Kamera-App «Flicker Detect».
Brauche ich ein Ringlicht mit Smartphone-Halterung?
Wenn du mit dem Smartphone fotografierst oder filmst, ist die Smartphone-Halterung praktisch. Für Systemkameras befestigst du die Kamera auf einem separaten Stativ und richtest das Ringlicht dahinter aus.
Fazit
Das Ringlicht ist die schnellste Lösung für schmeichelhafte, gleichmässige Ausleuchtung – besonders bei Porträts, Beauty und Video. Der kreisförmige Catchlight ist sein Markenzeichen. Für ernsthafte Fotografie wähle ein CRI-95-Modell mit BI-Color-Option und Flicker-Free-LEDs; für kreativere Resultate kombiniere das Ringlicht mit anderen Lichtquellen, statt es alleine zu nutzen.
Quellen
- CIE 13.3-1995 – Farbwiedergabemessung (CRI) für künstliche Lichtquellen.
- CIPA DC-009 – Sicherheitsstandards für LED-Fotobeleuchtung.
- B. Peterson: Understanding Exposure, 4. Aufl. – Lichtgestaltung in der Porträtfotografie.
Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.
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