Tertiärfarben

Kurze Antwort

Tertiärfarben entstehen, wenn du eine Primärfarbe mit der benachbarten Sekundärfarbe mischst – im additiven RGB-System sind das z. B. Gelb-Grün, Blau-Grün oder Rot-Magenta. Sie erweitern den Farbkreis zwischen den sechs Haupt-Tönen und ermöglichen feine Farbharmonien, die in der fotografischen Bildgestaltung und im Farb-Grading entscheidend sind.

Tertiärfarben auf einen Blick
Definition Mischung aus Primär- und angrenzender Sekundärfarbe
Im RYB-Kreis Rot-Orange, Gelb-Orange, Gelb-Grün, Blau-Grün, Blau-Violett, Rot-Violett
Im RGB-Kreis Gelb (R+G), Cyan (G+B), Magenta (R+B) + Zwischentöne
Bedeutung feinere Farbabstufung, subtilere Harmonien als Primär-/Sekundärfarben
Im Foto-Grading HSL-Regler, Farbmixer (Lightroom/Capture One)
Emotion Blau-Grün: ruhig; Rot-Orange: energetisch; Blau-Violett: kreativ

Wer Bildkomposition und Farb-Grading ernst nimmt, kommt an Tertiärfarben nicht vorbei. Während Primärfarben Dominanz und Energie ausstrahlen und Sekundärfarben klare Charaktere haben, bringen Tertiärfarben Nuance und Übergang. In der Landschaftsfotografie taucht Blau-Grün als Farbe von Wasser und Eis auf; Gelb-Grün dominiert Sommerwiesen; Rot-Orange erscheint im goldenen Abendlicht. Das Grading nutzt diese Töne gezielt, um eine bestimmte Stimmung zu vertiefen.

Die zwei Farbmodelle und ihre Tertiärfarben

RYB – das Malermodell

Das traditionelle Malermodell (Rot, Gelb, Blau als Primärfarben) beschreibt sechs Tertiärfarben: Rot-Orange, Gelb-Orange, Gelb-Grün, Blau-Grün, Blau-Violett, Rot-Violett. Es ist das Modell, das viele Fotografen aus dem Kunstunterricht kennen und das im physischen Farbkreis (z. B. Itten) verwendet wird.

RGB – das digitale Modell

In der digitalen Fotografie dominiert RGB (Rot, Grün, Blau). Hier entstehen Sekundärfarben durch additive Mischung (Gelb = R+G, Cyan = G+B, Magenta = R+B), und die Tertiärfarben füllen die Lücken dazwischen. Lightrooms HSL-Panel und der Farbmixer in Capture One nutzen dieses Modell direkt: Du steuerst Hue, Saturation und Luminance für jeden Farbbereich einzeln – Tertiärfarben eingeschlossen.

Tertiärfarben in RYB und RGB im Vergleich
Bereich RYB-Name Typischer Hex-Bereich (RGB) Stimmung
Rot → Orange Rot-Orange #e83000–#ff6000 Energie, Wärme
Gelb → Orange Gelb-Orange #ff8c00–#ffbe00 Fröhlichkeit, Dynamik
Gelb → Grün Gelb-Grün #80cc00–#b8e000 Frische, Frühling
Blau → Grün Blau-Grün / Teal #008080–#00c8b0 Ruhe, Klarheit
Blau → Violett Blau-Violett #4040cc–#7040e0 Kreativität, Tiefe
Rot → Violett Rot-Violett #c00060–#e0009a Leidenschaft, Dramatik

Tertiärfarben in der Komposition

Tertiärfarben funktionieren in drei klassischen Harmonie-Strategien besonders gut:

  • Analoge Harmonie: Zwei bis drei benachbarte Tertiärfarben (z. B. Gelb-Grün + Gelb-Orange) erzeugen ein warmes, harmonisches Bild – klassisch für Herbstlandschaften.
  • Komplementärkontrast: Eine Tertiärfarbe mit ihrer Komplementärfarbe gegenüber im Farbkreis (z. B. Blau-Grün + Rot-Orange) erzeugt starke Spannung – typisch im «Teal & Orange»-Look der Filmwelt.
  • Split-Komplementär: Statt der direkten Komplementärfarbe nimmst du die zwei benachbarten – subtiler, aber immer noch kontrastreich.
RotRot-OrangeOrangeGelb-GrünGrünBlau-GrünBlauBlau-ViolettRot-ViolettFarbkreis
Tertiärfarben (kleinere Kreise) liegen zwischen den Primär- und Sekundärfarben im Farbkreis und ermöglichen feinere Harmonie-Kombinationen.

Tertiärfarben im Farb-Grading

«Teal & Orange» – der beliebteste Blockbuster-Look – kombiniert Blau-Grün (Teal) in den Schatten mit Rot-Orange in den Hauttönen. Beide sind Tertiärfarben, und ihr Kontrast erzeugt die charakteristische Filmstimmung. Du kannst diesen Look in Lightroom über den HSL-Mischer steuern: Hue der Blautöne leicht in Richtung Grün schieben, Orangetöne in den Lichtern betonen. In Capture One bietet der Farbbalance-Regler dieselbe Kontrolle, nur mit drei Ebenen (Schatten, Mitteltöne, Lichter).

Häufige Fragen

Wie viele Tertiärfarben gibt es?

Im traditionellen RYB-Modell sechs; im RGB-Farbkreis ebenfalls sechs Haupttertiärfarben, dazwischen aber theoretisch unendlich viele Zwischentöne. In der Praxis arbeiten Fotografen mit den benannten sechs als Orientierung.

Was ist der Unterschied zwischen Tertiärfarben und Nuancen?

Tertiärfarben sind definierte Mischpunkte im Farbkreis (Primär + Sekundär). Nuancen entstehen durch Zugabe von Weiss (Tönung) oder Schwarz (Schattierung) zu jeder beliebigen Farbe – das ist eine andere Dimension der Farbveränderung.

Warum spielt Teal in der Filmfotografie eine so grosse Rolle?

Teal (Blau-Grün) ist die komplementäre Tertiärfarbe zu Hauttönen (Rot-Orange). Der Kontrast zwischen Hauttönen und Teal-Hintergründen ist maximal angenehm für das Auge – und gleichzeitig cineastisch genug, um aus einem Alltagsfoto einen Filmstill zu machen.

Wie erkenne ich Tertiärfarben im Bild?

Öffne das Bild in Lightroom und schau auf den HSL-Farbmixer. Wenn eine Farbe zwischen zwei Hauptfarben liegt – z. B. ein Grünton mit deutlichem Gelbstich – handelt es sich um Gelb-Grün, eine Tertiärfarbe.

Kann ich Tertiärfarben durch Licht steuern?

Ja. Farbige Lichtquellen (z. B. goldenes Abendlicht) schieben alle Farben im Bild in Richtung Gelb-Orange. Das ändert selbst neutrale Weissttöne zu Tertiärfarben. Weissabgleich und Farbfilter sind die direktesten Werkzeuge dafür beim Shooting; HSL-Grading in der Nachbearbeitung.

Fazit

Tertiärfarben sind die feinen Zwischentöne, die Bilder von schön zu unverwechselbar machen. Wer versteht, welche Tertiärfarben im Farbkreis wo liegen und wie sie miteinander harmonieren, hat im Grading und in der Komposition einen entscheidenden Vorteil. Beginne mit dem «Teal & Orange»-Look, um ein Gefühl für Tertiärfarb-Kontraste zu entwickeln – und erweitere das Prinzip dann auf eigene Farbgeschichten.

Quellen

  1. Johannes Itten: Kunst der Farbe, Ravensburger Verlag – klassische Farbkreislehre mit Tertiärfarben.
  2. Harald Küppers: Farbe – Ursprung, Systematik, Anwendung, Callwey Verlag – RGB- und RYB-Farbsysteme im Vergleich.
  3. ISO 12647 – Prozessstandard für Farbreproduktion in der Druckindustrie.

Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.

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