TfP (Time for Pictures) ist eine Vereinbarung zwischen Fotografen und Modellen, bei der keine Gage gezahlt wird – stattdessen erhalten alle Beteiligten die fertigen Bilder für ihr Portfolio. Das Konzept funktioniert als kreative Tauschbörse: Arbeitszeit gegen Bildrechte. Es eignet sich ideal zum Aufbau eines Portfolios, zum Erproben neuer Stile und zum Knüpfen von Branchenkontakten.
| Ausgeschrieben | Time for Pictures (auch TfCD: Time for CD) |
|---|---|
| Prinzip | Keine Gage – alle Parteien erhalten die Bilder |
| Beteiligte | Fotograf, Model, ggf. Visagistin, Stylistin |
| Zweck | Portfolioaufbau, Stilerprobung, Netzwerk |
| Rechtlich | Schriftliche Vereinbarung über Nutzungsrechte empfohlen |
| Verbreitung | Weltweit; Plattformen: Model Mayhem, Instagram, Purpz |
TfP ist kein Almosen und keine Selbstausbeutung – sondern ein klassisches Tauschgeschäft, das in der Fotografiebranche seit Jahrzehnten praktiziert wird. Wenn ein Nachwuchsfotograf ein aufstrebendes Model kennenlernt und beide noch kein starkes Portfolio haben, schaffen sie gemeinsam Bilder, die keiner von beiden alleine produzieren könnte. Wichtig: TfP funktioniert nur dann fair, wenn der Aufwand beider Seiten vergleichbar ist und alle Erwartungen vor dem Shooting schriftlich geregelt sind.
Wer profitiert wann von TfP?
Fotograf
Neue Stile, unbekannte Genres oder anspruchsvollere Setups lassen sich mit TfP risikoarm erproben. Wer bisher nur Reportage fotografiert hat und ins Modesegment wechseln will, braucht Referenzbilder – TfP ist der direkteste Weg dazu. Allerdings solltest du TfP nicht als Dauerlösung betrachten: Sobald dein Portfolio gut aufgestellt ist, solltest du für deine Arbeit bezahlt werden.
Model
Für Models ohne Modelkartei oder mit wenigen Polaroids ist TfP oft der erste Schritt ins Business. Unterschiedliche Fotografen bedeuten unterschiedliche Bildsprachen – das ergibt ein vielseitigeres Portfolio als immer wieder mit derselben Person zu arbeiten. Models sollten bei TfP-Anfragen prüfen, ob der Fotograf ein nachweisbares Portfolio hat und ob das Shooting-Konzept zum eigenen Stil passt.
Kreativ-Team
Visagistinnen, Stylistinnen und Hair-Artists nehmen an TfP-Shootings teil, um ihre eigenen Books zu füllen. Auch für sie gilt: klare Absprache vorab, welche Bilder sie für ihre Zwecke nutzen dürfen.
Ablauf eines TfP-Shootings
- Konzept entwickeln: Mood-Board, Location, Styling, Licht – alle Beteiligten stimmen das Thema ab.
- Vereinbarung schliessen: Wer bekommt welche Bilder? In welchen Kanälen dürfen sie veröffentlicht werden? Credits pflichtmässig?
- Shooting durchführen: Professioneller Umgang gilt für beide Seiten – Pünktlichkeit, Vorbereitung, Respekt.
- Bilder liefern: Ein realistischer Zeitrahmen (typisch 2–4 Wochen) wird vorab festgelegt.
Rechtliche Grundlagen
Ohne schriftliche Vereinbarung entstehen rasch Missverständnisse. Kläre mindestens:
- Darf der Fotograf die Bilder kommerziell nutzen?
- Darf das Model die Bilder auf der eigenen Website zeigen?
- Muss ein Credit gegeben werden?
- Wie läuft die Bildlieferung ab (Anzahl, Format, Bearbeitung)?
Ein einfaches, einseitiges TfP-Agreement reicht in den meisten Fällen aus. Muster sind über Berufsverbände wie den Deutschen Fotografenverband oder den Schweizer Berufsfotografenverband erhältlich.
TfP und soziale Medien
Instagram und Pinterest haben TfP demokratisiert: Fotografen finden Models über Hashtags wie #tfpmodel, Models präsentieren ihre Arbeiten direkt. Plattformen wie Model Mayhem oder Purpz (DACH-Raum) bieten strukturierte TfP-Vermittlung mit Bewertungssystemen. Prüfe dort immer das Portfolio und die Bewertungen, bevor du eine Zusage gibst.
Häufige Fragen
Muss ich als Model immer TfP-Anfragen annehmen?
Nein. Du entscheidest, mit wem du zusammenarbeitest. Prüfe das Portfolio des Fotografen und das Shooting-Konzept. Wenn das Thema nicht zu deinem Brand passt oder der Fotograf kein nachweisbares Referenzwerk hat, darfst du ablehnen.
Was tun, wenn der Fotograf die Bilder nicht liefert?
Eine schriftliche Vereinbarung mit Lieferfrist schützt dich. Fehlt sie, hast du rechtlich kaum Handhabe. Hast du eine Vereinbarung, kannst du nach Fristablauf eine einmalige schriftliche Erinnerung schicken; danach ist ein Eintrag in den Plattform-Bewertungen das wirksamste Mittel.
Darf ein Fotograf TfP-Bilder verkaufen?
Nur wenn das in der Vereinbarung geregelt ist. Ohne explizite Zustimmung des Models – und bei Persönlichkeitsrechten des Models in Deutschland, Österreich und der Schweiz zwingend mit Einwilligung – darf der Fotograf keine TfP-Bilder kommerziell verwerten.
Wie finde ich gute TfP-Partner?
Nutze Model Mayhem, Purpz oder Instagramsuchen mit #tfp + Stadtname. Zeige selbst ein klares Portfolio und schreib im ersten Kontakt direkt, was du vorhast, welchen Stil du anstrebst und was die andere Seite bekommt.
Ist TfP auch für kommerzielle Fotografen sinnvoll?
Gelegentlich ja – für Konzept-Tests, Bewerbungsbilder für Ausschreibungen oder Shooting-Ideen, für die kein Budget besteht. Regelmässig sollte ein profi Fotograf aber für seine Arbeit bezahlt werden.
Fazit
TfP ist kein Notbehelf, sondern ein bewährtes Instrument zum Portfolioaufbau und zur Netzwerkpflege. Es funktioniert dann, wenn beide Seiten professionell vorbereitet sind, das Konzept vorab klar ist und die Nutzungsrechte schriftlich geregelt werden. Wer TfP sorgfältig plant, gewinnt nicht nur Bilder, sondern auch wertvolle Kontakte und Erfahrungen.
Quellen
- Deutscher Fotografenverband: Musterverträge für Fotografen, aktuelle Auflage – TfP-Vereinbarungen und Nutzungsrechte.
- H. Schwenke: Das Recht am eigenen Bild, 2. Aufl. – Persönlichkeitsrechte in der Fotografie (DE/AT/CH).
- Model Mayhem Industry Guide – Community-Standards für TfP-Shootings, online 2024.
Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.
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