Kelvin (K) ist die Masseinheit für Farbtemperatur und beschreibt, ob Licht warm-gelblich oder kalt-bläulich erscheint. Kerzen leuchten bei etwa 1800 K orangerot; Tageslicht liegt je nach Tageszeit zwischen 5500 K und 6500 K; bewölkter Himmel und Schatten gehen bis 8000 K. In der Kamera stellt man den Weissabgleich in Kelvin ein, um Farbstiche zu vermeiden.
| Einheit | Kelvin (K), benannt nach Lord Kelvin (1848–1907) |
|---|---|
| Skala | niedrige K = warm/gelblich; hohe K = kalt/bläulich |
| Kerze | ca. 1 800 K |
| Glühbirne | 2 700–3 200 K |
| Tageslicht mittags | 5 500–6 000 K |
| Schatten / Wolkendecke | 7 000–8 000 K |
Jede Lichtquelle hat eine Farbtemperatur, die das Weiss im Bild verschiebt – in Richtung Orange oder in Richtung Blau. Die Kamera versucht das mit dem automatischen Weissabgleich (AWB) zu korrigieren, aber AWB kann irren. Wer die Kelvin-Skala versteht, stellt den Weissabgleich manuell ein und weiss genau, was er bekommt – neutrale Farben oder bewusst wärmere beziehungsweise kühlere Stimmung.
Die Kelvin-Skala verstehen
Die Bezeichnung «Farbtemperatur» ist physikalisch: Sie beschreibt, welche Farbe ein idealer schwarzer Körper bei einer bestimmten Temperatur ausstrahlt. Das klingt paradox – aber tatsächlich strahlt ein auf 3000 K erhitzter Körper orangerotes Licht aus, während er bei 6000 K weisslich-blaues Licht abgibt. Für die Fotografie heisst das: Je höher der Kelvin-Wert deiner Lichtquelle, desto kühler erscheint das Licht.
Mischlichtsituationen
Problematisch wird es, wenn unterschiedliche Lichtquellen im Bild mischen – zum Beispiel Fenstertageslicht (5500 K) und Bürodeckenlampen (4000 K). AWB findet dann oft einen Kompromiss, der weder das eine noch das andere korrekt wiedergibt. Manueller Weissabgleich oder RAW-Korrektur in der Nachbearbeitung helfen.
Kelvin in der Kamerapraxis
Automatischer Weissabgleich (AWB)
AWB analysiert das Bild und versucht, Weiss als Weiss darzustellen. Bei einfarbigem Licht klappt das gut. Bei wechselndem Licht oder wenn du bewusst Wärme willst, greifst du manuell ein.
Manueller Kelvin-Weissabgleich
Du tippst direkt einen Wert ein – z. B. 5200 K für neutrales Tageslicht, 3200 K für Glühlampenambiente, 6500 K für bedeckten Himmel. Dieser Wert bleibt konstant, egal wie das Licht wechselt – ideal für reproduzierbare Studio-Ergebnisse.
Kelvin in RAW-Dateien anpassen
Wenn du in RAW fotografierst, ist der gespeicherte Kelvin-Wert nur ein Vorschlag. In Lightroom, Capture One oder ähnlichen Tools passt du ihn verlustfrei an. JPEG-Shooter müssen den Weissabgleich vor der Aufnahme richtig einstellen.
Kreativ mit Kelvin arbeiten
- Goldene Stunde imitieren: Stell den Weissabgleich auf 6000–7000 K, auch wenn du bei neutralem Licht fotografierst – das Bild bekommt Wärme.
- Kühle Stimmung: Weissabgleich auf 4000–4500 K bei Tageslicht erzeugt einen kühlen, sachlichen Ton.
- Gel-Filter am Blitz: Orange-Gels erwärmen das Blitzlicht auf Glühbirnen-Niveau und mischen es harmonisch mit Kunstlicht.
Häufige Fragen
Was passiert, wenn der Kelvin-Wert falsch eingestellt ist?
Zu niedriger Wert bei Tageslicht (z. B. 3200 K) ergibt einen Blaustich. Zu hoher Wert bei Kunstlicht (z. B. 8000 K) ergibt einen Orangestich. Beide Fehler lassen sich in RAW korrigieren, in JPEG nur begrenzt.
Ist AWB immer zuverlässig?
Für Alltagsfotos ja. Bei schwierigen Bedingungen – z. B. starker Kunstlichtatmosphäre, gemischtem Licht oder wenn du konsistente Farben über viele Aufnahmen brauchst – setzt manueller Kelvin-Weissabgleich das bessere Ergebnis.
Wie unterscheiden sich Kelvin und Farbtemperatur?
Kelvin ist die Einheit, Farbtemperatur der Begriff. «Farbtemperatur 5500 K» bedeutet das Gleiche wie «Kelvin-Wert 5500». Man benutzt beide Begriffe synonym.
Kann ich Kelvin beim Fotografieren unter Kunstlicht immer auf 3200 K belassen?
Nur bei reinem Glühlampenlicht. LED- und Leuchtstoffröhren haben oft eine Farbtemperatur um 4000 K, manchmal mit Grünstich. Messe die Situation mit einer Graukarte oder passe manuell an.
Warum unterscheidet sich der Kelvin-Wert morgens und mittags bei Tageslicht?
Morgens und abends ist die Sonnenstrahlung atmosphärisch stärker gebrochen – das Licht erscheint wärmer (3000–4500 K). Mittags dominiert direktes Sonnenlicht mit 5500–6000 K. Bei bedecktem Himmel und im Schatten steigt der Wert bis 8000 K.
Fazit
Kelvin ist ein einfaches, aber mächtiges Werkzeug. Wer die Skala versteht, entscheidet bewusst, ob ein Bild warm, neutral oder kalt wirkt. Fotografiere für wichtige Jobs in RAW und nutze den manuellen Kelvin-Weissabgleich für konsistente Ergebnisse. AWB ist ein guter Startpunkt – aber nicht das letzte Wort.
Quellen
- ISO 7589 – Photographisches Tageslicht, Normen zur Farbtemperaturmessung.
- Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics, 3. Aufl. – Farbtemperatur und Weissabgleich.
Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.
