FTM steht für Full Time Manual und bezeichnet den vollständig manuellen Betriebsmodus einer Kamera, bei dem der Fotograf Blende, Verschlusszeit und ISO selbst einstellt. Im Gegensatz zu Halb- oder Vollautomatiken übernimmt die Kamera hier keine Belichtungsentscheidungen. FTM ist besonders nützlich bei gleichbleibenden Lichtverhältnissen, in der Studio- und Langzeitfotografie sowie wenn Automatiken irren.
| Bedeutung | Vollmanueller Kameramodus – Blende, Zeit und ISO manuell |
|---|---|
| Kürzel am Modus-Wahl | M (bei Canon, Nikon, Sony u. a.) |
| Stärke | 100 % Kontrolle über Belichtung und Tiefenschärfe |
| Gegenstück | P (Programmautomatik), Av/A (Blendenautomatik), Tv/S (Zeitautomatik) |
| Typische Anwendung | Studio, Langzeit, Bühne, reproduzierbare Serien |
| Hilfsmittel | Histogramm, Zebra-Funktion, Belichtungsmesser |
Im manuellen Modus entscheidest du allein: Wie viel Licht? Wie viel Bewegungsschärfe? Wie viel Tiefenschärfe? Automatiken wählen immer einen Kompromiss – FTM erlaubt dir, abseits dieses Kompromisses zu arbeiten. Das kostet mehr Vorbereitung, gibt aber vollständige Kontrolle über das endgültige Bild.
Wann lohnt sich der manuelle Modus?
Gleichbleibendes Licht
Im Studio oder bei Kunstlicht ändert sich das Licht nicht. Hier ist FTM ideal: Du misst einmal, stellst ein – und alle Aufnahmen einer Serie sind identisch belichtet. Automatiken würden bei jedem Motivwechsel (helles Hemd, dunkler Hintergrund) reagieren und Schwankungen erzeugen.
Langzeitbelichtung
Bei Nachtaufnahmen, Lichtmalerei oder Sternenfotos brauchst du Zeiten von mehreren Sekunden bis Stunden. Automatiken begrenzen die Zeit, FTM erlaubt Bulb-Modus und beliebig lange Belichtungen.
Bühne und Events
Wenn das Licht konstant ist (z. B. ein fester Scheinwerfer-Setup), lässt sich mit FTM die Belichtung vorab festlegen. Automatiken «jagen» sonst hellen Hintergründen nach und unterbelichten den Künstler.
Das Belichtungsdreieck manuell steuern
| Parameter | Steuert | Nebeneffekt |
|---|---|---|
| Blende (f-Zahl) | Lichtmenge + Tiefenschärfe | kleines f = wenig Tiefe; grosses f = viel Tiefe |
| Verschlusszeit | Lichtmenge + Bewegungsdarstellung | kurze Zeit friert Bewegung; lange Zeit zeigt Wisch |
| ISO | Sensorempfindlichkeit | hohe ISO = mehr Rauschen |
Im manuellen Modus änderst du alle drei Werte frei. Das Kamera-Display zeigt dir in Echtzeit, ob die Belichtung korrekt ist – meist als Balken oder numerischer EV-Wert. Das Histogramm nach der Aufnahme zeigt, ob Lichter ausbrennen oder Schatten absaufen.
FTM effizient einsetzen
- Graukarte nutzen: Belichtungsmessung an einer 18 %-Graukarte liefert die Ausgangswerte für das manuelle Setup.
- Histogramm lesen: Nicht dem LCD-Bild vertrauen, sondern dem Histogramm – der Monitor täuscht je nach Umgebungshelligkeit.
- Zebra-Funktion: Bei Video-fähigen Kameras zeigt das Zebra-Muster ausbrennende Bereiche in Echtzeit.
- ISO zuletzt anpassen: Erst Blende und Zeit nach deiner kreativen Vision wählen, dann ISO so einstellen, dass die Belichtung stimmt.
Häufige Fragen
Ist FTM für Anfänger geeignet?
Ja, wenn du bereit bist, das Belichtungsdreieck zu verstehen. Übe FTM zuerst unter gleichbleibendem Licht, z. B. tagsüber drinnen. Mit der Zeit wirst du intuitiv wissen, welche Werte zusammenpassen.
Wann ist Zeitautomatik (Tv/S) besser als FTM?
Wenn das Licht schnell wechselt – z. B. Sport unter wechselndem Wolkenhimmel. Dort lässt du lieber die Kamera die Blende nachziehen, während du die Verschlusszeit (für Bewegungsschärfe) festlegst.
Kann ich in FTM die Belichtungskorrektur nutzen?
Im echten M-Modus hat die Belichtungskorrektur keinen Effekt, weil nichts automatisch geregelt wird. Du korrigierst manuell, indem du Blende, Zeit oder ISO anpasst.
Wann nutze ich Bulb (B) statt FTM?
Bulb ist FTM mit unbegrenzter Belichtungszeit. Du hältst den Auslöser gedrückt oder nutzt einen Fernauslöser. Ideal für Aufnahmen über mehrere Sekunden: Sterne, Feuerwerk, Lichtmalerei.
Muss ich jedes Mal neu messen, wenn ich FTM nutze?
Nur wenn sich das Licht ändert. Bei konstantem Studio- oder Kunstlicht misst du einmal und arbeitest dann ohne Neueinstellung durch die ganze Session.
Fazit
FTM gibt dir die volle Kontrolle über dein Bild. Du weisst genau, wie viel Licht auf den Sensor fällt, wie scharf die Tiefe ist und ob Bewegung eingefroren oder als Wisch dargestellt wird. Der Einstieg kostet etwas Übung, aber wer FTM beherrscht, ist in keiner Lichtsituation mehr abhängig von Automatiken.
Quellen
- ISO 2720 – Allgemeine Belichtungsregeln für fotografische Systeme.
- Bryan Peterson: Understanding Exposure, 4. Aufl. – manueller Kamerabetrieb und Belichtungsdreieck.
Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.
