Zeitautomatik

Kurze Antwort

Zeitautomatik (Tv oder S-Modus) ist ein Kameramodus, bei dem du die Verschlusszeit manuell wählst und die Kamera die Blende automatisch für korrekte Belichtung berechnet. Sie eignet sich überall dort, wo die Bewegungsdarstellung entscheidend ist: Sport, Wasser, Strassenszenen – du gibst das Tempo vor, die Kamera übernimmt die Helligkeit.

Zeitautomatik auf einen Blick
Kürzel Tv (Time value, Canon) / S (Shutter priority, Nikon/Sony)
Du stellst ein Verschlusszeit + ISO (oder ISO-Auto)
Kamera stellt ein Blende – automatisch für korrekte Belichtung
Stärke Bewegungsdarstellung gezielt kontrollieren
Risiko Blende läuft ans Limit → Unter- oder Überbelichtung
Belichtungskorrektur wirkt; Kamera justiert Blende entsprechend
Praxis-Tipp ISO-Auto mit maximalem ISO und Mindest-Verschlusszeit kombinieren

Die Zeitautomatik ist das Gegenstück zur Blendenautomatik (Av/A): Dort wählst du die Blende, hier wählst du die Zeit. Wer weiss, wie schnell oder langsam eine Szene wirken soll, greift zur Zeitautomatik – und überlässt der Kamera den Rest. Das spart wertvolle Sekunden in dynamischen Situationen, ohne auf kreative Kontrolle verzichten zu müssen.

Wie die Zeitautomatik funktioniert

Du drehst an der Zeitskala und wählst – zum Beispiel – 1/500 s für ein gesprungenes Pferd oder 1/8 s für einen seidigen Wasserfall. Die Kamera liest das Umgebungslicht über ihren Belichtungsmesser und öffnet oder schliesst die Blende so weit, dass die Gesamtbelichtung stimmt. Das geht bei jeder Änderung des Lichts erneut – Zeitautomatik reagiert in Echtzeit auf wechselndes Tageslicht.

Wo die Grenze liegt

Jedes Objektiv hat eine maximale Öffnung (z. B. f/1.8) und eine minimale Öffnung (z. B. f/22). Wählst du eine zu kurze Zeit bei wenig Licht, kann die Kamera die Blende nicht weiter öffnen als das Objektiv erlaubt – das Bild wird unterbelichtet. Wählst du eine zu lange Zeit bei sehr hellem Licht, kann sie nicht weiter schliessen – das Bild brenst aus. Die Kamera warnt dich in beiden Fällen durch Blinken der Blendenzahl im Sucher.

Fotografwählt Verschlusszeitz. B. 1/500 sKameramisst Licht → rechnetBlendeErgebniskorrekteBelichtung
In der Zeitautomatik entscheidest du über die Verschlusszeit; die Kamera errechnet daraus automatisch die passende Blende.

Wann du zur Zeitautomatik greifst

Sport und Action

Ab 1/500 s frierst du die meisten Sportbewegungen ein. Bei Motorradsport oder Vögeln im Flug brauchst du 1/1000 s oder kürzer. Die Zeitautomatik hält diese Grenze zuverlässig ein, egal wie das Licht wechselt.

Landschaft und fliessende Gewässer

Lange Zeiten (1/4 s bis mehrere Sekunden) machen aus Wasserfällen seidige Schleier. Mit Zeitautomatik und Stativ wählst du einfach die Wunschzeit und kontrollierst den Effekt direkt am Vorschaubild.

Verfolgungsfahrten (Panning)

Für Panning – Kamera mitbewegen, Motiv scharf, Hintergrund verwischt – brauchst du eine definierte mittlere Zeit (1/30 s bis 1/80 s). Zeitautomatik hält diesen Wert stabil, während du dich ganz auf die Kamerabewegung konzentrierst.

Reportage und Events

In wechselndem Licht willst du sicherstellen, dass deine Zeit nie unter 1/100 s (Verwacklungsgrenze) fällt. ISO-Auto kombiniert mit Zeitautomatik und gesetzter Mindestzeit löst das elegant.

Zeitautomatik richtig einrichten

  • Verschlusszeit: Faustregel – 1/Brennweite (in mm) als Verwacklungsgrenze. Bei 85 mm: mindestens 1/85 s, besser 1/125 s.
  • ISO-Auto aktivieren: Gibt der Kamera zusätzlichen Spielraum, wenn das Licht nachlässt und die Blende schon offen steht.
  • Belichtungskorrektur nutzen: Helles Motiv vor dunklem Hintergrund? +1 EV einstellen, damit das Hauptmotiv nicht unterbelichtet wird.
  • Blende beobachten: Blinkt sie im Sucher, ist die Kamera am Limit – entweder ISO anheben oder Zeit anpassen.

Zeitautomatik vs. Vollautomatik vs. manuell

Modus Du wählst Kamera wählt Stärke
Vollautomatik nichts alles schnelle Schnappschüsse
Zeitautomatik (Tv/S) Zeit + ISO Blende Bewegungskontrolle
Blendenautomatik (Av/A) Blende + ISO Zeit Schärfentiefe
Manuell (M) alles nichts maximale Kontrolle

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Tv und S?

Nur die Bezeichnung: Canon nennt den Modus Tv (Time value), Nikon und Sony nennen ihn S (Shutter priority). Die Funktion ist identisch – du wählst die Verschlusszeit, die Kamera die Blende.

Was passiert, wenn die Kamera keine passende Blende findet?

Sie wählt die extremste verfügbare Blende und zeigt die Blendenzahl blinkend an. Das Bild wird dann unter- oder überbelichtet. Lösung: ISO anpassen oder Verschlusszeit korrigieren.

Kann ich in der Zeitautomatik die Schärfentiefe beeinflussen?

Nur indirekt. Die Kamera wählt die Blende; du kannst die Lichtbedingungen oder den ISO-Wert ändern, um die Kamera zu einer bestimmten Blende zu bringen. Für direkte Schärfentiefen-Kontrolle nutze die Blendenautomatik.

Wie kurz muss die Verschlusszeit sein, um Bewegungen einzufrieren?

Das hängt von der Bewegungsgeschwindigkeit ab: Gehen 1/125 s, Sport 1/500–1/1000 s, Wildtiere im Flug 1/2000 s oder kürzer. Je weiter das Motiv entfernt und je langsamer es sich bewegt, desto weniger Zeit brauchst du.

Funktioniert Zeitautomatik mit Blitz?

Ja, aber beachte die Blitzsynchronzeit deiner Kamera (typisch 1/200–1/250 s). Überschreitest du diese Zeit, erscheint ein dunkler Streifen im Bild – ausser du nutzt Hochgeschwindigkeits-Synchronisation (HSS).

Fazit

Die Zeitautomatik ist dein direktester Hebel, um Bewegung im Bild zu kontrollieren – von der eingefrorenen Welle bis zum seidigen Wasserfall. Kombiniere sie mit ISO-Auto und Belichtungskorrektur, und du hast einen Modus, der in 90 % der dynamischen Situationen zuverlässig liefert. Überwache die Blende im Sucher, damit du sofort merkst, wenn die Kamera an ihre Grenzen stösst.

Quellen

  1. Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics, 3. Aufl. – Verschlusszeit, Bewegungsdarstellung und Belichtungsautomatik.
  2. ISO 517 – Genormte Blendenreihe und Belichtungswerte (EV-System).
  3. CIPA DC-004 – Standard für Kamera-Belichtungssysteme und Messgenauigkeit.

Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.

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