Bulb

Kurze Antwort

Der Bulb-Modus (B) ist ein Kamera-Belichtungsmodus, bei dem der Verschluss so lange offenbleibt, wie der Auslöser gedrückt wird – ohne feste Zeitgrenze. Er löst das Problem, dass Kameras selten Zeiten über 30 Sekunden als feste Stufe anbieten. Für Langzeitbelichtungen von Minuten oder Stunden – Sternspuren, Lichtmalerei, Feuerwerke, glättendes Wasser – ist Bulb die einzige Option.

Bulb-Modus auf einen Blick
Kürzel B (auf dem Moduswahlrad oder im M-Bereich nach 30 s)
Funktion Verschluss offen so lange wie Auslöser gedrückt bleibt
Mindest-Equipment Stativ + Fernauslöser (Kabelauslöser oder Fernbedienung)
ISO-Empfehlung niedrig (100–400) – Rauschen steigt mit Belichtungszeit
Blende je nach Motiv; f/8–f/11 für maximale Schärfentiefe
Herausforderung Belichtungszeit manuell stoppen – Uhr oder Intervalometer
Sonderfunktion Time-Modus (T): Auslöser einmal drücken öffnet, einmal schliessen

Der Name «Bulb» stammt aus der Frühzeit der Fotografie: Frühe Verschlüsse wurden durch einen Gummiball (engl. bulb) pneumatisch betätigt. Heute ist B ein digitaler Modus, aber das Prinzip ist dasselbe – der Fotograf entscheidet, wann die Belichtung endet. Diese Freiheit ist gleichzeitig die Herausforderung: Zu lang und das Bild überbelichtet; zu kurz und Sternspuren bleiben kurze Striche statt Bögen.

Bulb im Einsatz – worauf du achten musst

Stativ und Erschütterungsfreiheit

Bei Belichtungen über 1 Sekunde ist jede Kamerabewegung sichtbar. Ein stabiles Stativ ist Voraussetzung. Zusätzlich solltest du einen Kabelauslöser oder eine Fernbedienung nutzen – das Drücken des eingebauten Auslösers überträgt Vibrationen. Viele Kabelauslöser haben eine Arretierungsfunktion (Lock), die den Finger entlastet.

Belichtungszeit berechnen

Ohne automatische Zeitbegrenzung musst du die richtige Zeit selbst ermitteln. Methode: Belichte zunächst mit hoher ISO (z. B. ISO 3200) und kurzer Zeit, um die richtige Belichtung zu testen. Rechne dann auf die gewünschte Zeit und niedrige ISO um. Beispiel: Korrekte Belichtung bei ISO 3200 / 8 s bedeutet bei ISO 100 und gleichem Motiv 256 Sekunden (≈ 4 Minuten). Apps wie «Photopills» oder «Long Exposure Calculator» helfen beim Umrechnen.

Bulb – Verschluss offen für unbegrenzte ZeitAuslöser drückenAuslöser loslassenVerschluss offen (z. B. 4 Minuten)
Im Bulb-Modus bleibt der Verschluss offen, solange der Auslöser gehalten wird – ideal für Sternspuren, die über Minuten sichtbar werden.

Kreative Techniken mit dem Bulb-Modus

Sternspuren

Die Erdrotation lässt Sterne Bögen über den Sensor ziehen. Eine Belichtung von 20–30 Minuten ergibt kurze Spuren; eine Stunde oder mehr zeigt lange Kreisbögen um den Polarstern. ISO 400–800, f/5.6, Nacht ohne Mond – das sind typische Startwerte. Alternativ stapelst du viele kürzere Aufnahmen (Single-Shot-Stacking), um Rauschen zu reduzieren.

Lichtmalerei

Du öffnest den Verschluss in totaler Dunkelheit, malst mit einer Taschenlampe, Wunderkerze oder LED ins Bild und schliesst dann. Belichtungen von 20–60 Sekunden geben dir genug Zeit, Formen oder Schriften zu «malen». Die Quelle selbst ist im Bild sichtbar, du (als Malender) nicht – sofern du dich schnell bewegst und keine helle Kleidung trägst.

Langzeitbelichtung von Wasser

Fliessendes Wasser über 2–10 Sekunden erzeugt eine seidenglatte Fläche. Wasserfälle, Bäche, Meereswellen – der Effekt ist in 5–8 Sekunden bei f/11 und ISO 100 gut erreichbar. Ein ND-Filter (ND-64 oder ND-1000) ermöglicht solche Zeiten auch am hellen Tag.

Feuerwerk

Öffne den Verschluss kurz vor dem Start einer Feuerwerksrakete und schliesse ihn nach dem Zerplatzen. 2–4 Sekunden reichen meist. Mehrere Raketen durch Mehrfachbelichtung oder durch eine einzelne lange Bulb-Aufnahme – das Ergebnis zeigen mehrere Explosionen auf einem Bild.

Häufige Fragen

Warum brauche ich im Bulb-Modus einen Fernauslöser?

Das direkte Drücken des Kameraauslösers überträgt Vibrationen, die bei langen Belichtungen als Unschärfe sichtbar werden. Ein Kabelauslöser entkoppelt die Betätigung von der Kamera. Zusätzlich erlaubt die Arretierungsfunktion (Lock), den Verschluss offen zu halten, ohne den Finger permanent gedrückt zu halten.

Was ist der Unterschied zwischen Bulb- und Time-Modus?

Im Bulb-Modus muss der Auslöser gedrückt bleiben – loslassen schliesst den Verschluss. Im Time-Modus (T, nicht alle Kameras) öffnet der erste Druck den Verschluss, der zweite schliesst ihn. Der Time-Modus ist komfortabler bei sehr langen Belichtungen.

Warum rauschen Bulb-Aufnahmen so stark?

Langer Verschluss bedeutet langer Sensorenergiefluss – der Sensor erwärmt sich und produziert thermisches Rauschen. Abhilfe: niedrige ISO, Rauschunterdrückung durch Dunkelbildabzug (viele Kameras bieten «Langzeitbelichtungs-Rauschreduzierung» in den Menüs) oder Stacking vieler kürzerer Aufnahmen.

Wie ermittle ich die richtige Belichtungszeit?

Belichte einen Testshot bei hoher ISO mit kurzer Zeit. Dann herunterrechnen: Jede Verdoppelung der ISO-Empfindlichkeit halbiert die nötige Belichtungszeit (oder umgekehrt). Eine Tabelle oder App hilft beim Umrechnen auf niedrige ISO und lange Zeiten.

Kann ich Bulb-Aufnahmen ohne Stativ machen?

In seltenen Situationen – Kamera auf festem Untergrund abgelegt – geht es. Für Aufnahmen über 4 Sekunden ist ein echtes Stativ mit stabilem Kopf aber die einzige zuverlässige Lösung. Beanbags oder Tischstative sind Notfalloptionen für kurze Zeiten.

Beeinflusst Bulb die Bildqualität?

Indirekt durch Rauschen ja. Die optische Qualität (Schärfe, Kontrast) bleibt gleich. Das thermische Rauschen, das bei langen Zeiten entsteht, lässt sich durch Dunkelbildabzug, Stacking und niedrige ISO reduzieren.

Fazit

Der Bulb-Modus öffnet eine Welt, die tagsüber unsichtbar ist: Sternbahnen, gemälte Lichtbögen, seidenweiches Wasser und festgehaltene Feuerwerke. Das Equipment ist minimal – Stativ, Fernauslöser, Geduld und ein Notizbuch für die Belichtungsdaten. Wer Bulb einmal erlebt hat, will diese kreative Freiheit nicht mehr missen.

Quellen

  1. Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics, 3. Aufl. – Belichtungszeiten und Verschlussmechanismen.
  2. ISO 12232 – Norm für Empfindlichkeitsangaben in Digitalkameras (Einfluss auf Langzeitrauschen).
  3. Bryan Peterson: Understanding Exposure, 4. Aufl. – Langzeitbelichtung und kreative Kameratechniken.

Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.

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