Vollformat bezeichnet einen Bildsensor mit den Abmessungen 36 × 24 mm – identisch mit dem klassischen Kleinbildfilm. Dieser Sensortyp gilt als Referenzgrösse in der Fotografie: Er definiert Brennweiten-Angaben, liefert bei gleicher Blende mehr Schärfentiefe-Freiheit als kleinere Sensoren und produziert bei hohen ISO-Werten weniger Rauschen. Vollformatkameras sind teurer und grösser, bieten dafür das volle optische Potenzial der Objektive.
| Sensorgrösse | 36 × 24 mm (Diagonale ca. 43,3 mm) |
|---|---|
| Cropfaktor | 1× (Referenz; APS-C = 1,5×; MFT = 2×) |
| Typische Auflösung | 24–61 MP (z. B. Sony A7R V: 61 MP) |
| ISO-Stärke | grössere Pixel = weniger Rauschen bei hohem ISO |
| Schärfentiefe | knapper als APS-C bei gleichem Bildausschnitt und gleicher Blende |
| Objektive | Vollformat-Objektive nutzbar; APS-C-Objektive vignettieren |
Das Vollformat ist nicht automatisch „besser» – es ist ein anderer Kompromiss. Die grössere Sensorfläche sammelt mehr Licht pro Pixel und erlaubt bei offener Blende eine knappere Schärfentiefe. Das macht Vollformat attraktiv für Porträt- und Reportagefotografie. Für Tierfotografie mit langen Telebrennweiten kann APS-C dagegen sogar vorteilhafter sein, weil der Cropfaktor die effektive Reichweite erhöht.
Crop- & Bildwinkel-Rechner
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Warum Vollformat besser mit Licht umgeht
Die Pixelgrösse ist entscheidend für das Rauschverhalten. Bei gleicher Megapixelzahl sind die Pixel auf einem Vollformat-Sensor grösser als auf einem APS-C-Sensor – sie sammeln pro Zeiteinheit mehr Photonen. Das führt zu einem besseren Signal-Rausch-Verhältnis. Praxisbeispiel: Eine Vollformatkamera liefert bei ISO 6400 oft ein saubereres Bild als eine APS-C-Kamera bei ISO 3200.
Dieser Vorteil wird mit zunehmender Megapixelzahl kleiner – ein 61-MP-Vollformatsensor hat kleinere Pixel als ein 24-MP-Vollformatsensor. Wer maximale Hochlicht-Performance sucht, wählt niedrigere Auflösungen wie 12–24 MP.
Vollformat und Schärfentiefe
Beim gleichen Bildausschnitt und der gleichen Blendenzahl erzeugt Vollformat eine knappere Schärfentiefe als APS-C. Das liegt daran, dass du für denselben Ausschnitt auf Vollformat eine längere Brennweite brauchst. Längere Brennweite + gleiche Blende = weniger Schärfentiefe.
Das ist der Grund, warum Porträtfotografen Vollformat lieben: Ein 85-mm-f/1.4-Objektiv auf Vollformat trennt die Person vom Hintergrund mit einem cremigen Bokeh, das auf APS-C mit dem äquivalenten 56-mm-f/0.95-Objektiv nur annähernd erreicht wird – und solche Objektive sind selten und teuer.
Vollformat vs. andere Sensorformate
| Format | Sensorgrösse | Cropfaktor | Stärken |
|---|---|---|---|
| Mittelformat | 44×33 mm bis 53×40 mm | 0,7–0,8× | Höchstauflösung, Dynamikbereich |
| Vollformat | 36×24 mm | 1× | ISO-Performance, Schärfentiefe |
| APS-C | ca. 23×15 mm | 1,5× (Nikon/Sony) / 1,6× (Canon) | kompakter, günstig, Reichweite |
| Micro Four Thirds | 17×13 mm | 2× | kleinstes System, Telestärke |
Häufige Fragen
Brauche ich Vollformat-Objektive für eine Vollformatkamera?
Ja – APS-C-Objektive decken den Sensor nur teilweise ab und erzeugen Vignettierung. Vollformat-Objektive können auf APS-C-Kameras genutzt werden; der Sensor nutzt dann nur die Bildmitte des Objektivs (Cropfaktor).
Ist Vollformat immer rauschärmer als APS-C?
In den meisten Fällen ja, besonders wenn Pixelgrösse und nicht Megapixelzahl verglichen werden. Moderne APS-C-Sensoren holen aber auf – der Unterschied ist kleiner als noch vor zehn Jahren.
Lohnt sich der Wechsel von APS-C auf Vollformat?
Wenn du regelmässig bei schlechtem Licht fotografierst, Porträts mit starker Freistellung willst oder das volle Weitwinkel-Potential deiner Objektive nutzen möchtest – ja. Für Tierfotografie mit Tele-Brennweiten oder als Reisekamera ist APS-C oft die bessere Wahl.
Stimmt es, dass Vollformat-Weitwinkel besser ist?
Ja – auf Vollformat zeigt ein 16-mm-Weitwinkel tatsächlich 16 mm. Auf APS-C entspricht dasselbe Objektiv 24 mm – das echte Weitwinkel bleibt dem Vollformat vorbehalten, wenn das Objektiv für APS-C ausgelegt ist.
Was kostet ein Vollformat-Einsteiger-System 2026?
Vollformat-Systemkameras (Sony A7 III, Canon EOS R6, Nikon Z6 III) starten gebraucht bei ca. 1.200–1.800 CHF für das Gehäuse. Dazu kommt ein Standardobjektiv (50 mm f/1.8: ca. 200–400 CHF). Insgesamt eher 2.000–3.000 CHF für ein solides Einstiegs-Setup.
Fazit
Vollformat ist kein Muss, aber für viele Fotostile der sinnvollste Kompromiss aus Bildqualität, Systemgrösse und Objektivauswahl. Wer Porträts, Reportagen oder Low-Light-Situationen priorisiert, profitiert vom grösseren Sensor. Wer kompaktes Equipment und Telereichweite sucht, ist mit APS-C oder MFT besser bedient. Nutze den Rechner oben, um zu verstehen, wie deine Brennweite auf verschiedenen Formaten wirkt – das macht die Entscheidung greifbar.
Quellen
- CIPA DC-008: Norm für Kamerasensorformate und Cropfaktoren.
- Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics, 3. Aufl. – Sensorformat, Schärfentiefe und äquivalente Brennweite.
- G. D. Boreman: Modulation Transfer Function in Optical and Electro-Optical Systems – Sensorgrösse und Rauschverhalten.
Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.
