Blendenzahl

Kurze Antwort

Die Blendenzahl (f-Zahl) ist das Verhältnis von Brennweite zu Blendenöffnungsdurchmesser – eine kleine f-Zahl bedeutet grosse Öffnung und viel Licht, eine grosse f-Zahl bedeutet kleine Öffnung und wenig Licht. Die Blendenzahl steuert gleichzeitig zwei Grössen: die Lichtmenge, die den Sensor erreicht, und die Schärfentiefe. Wer die f-Zahl-Logik versteht, hat den wichtigsten Regler der Kamera im Griff.

Blendenzahl auf einen Blick
Formel f-Zahl = Brennweite / Blendenöffnungsdurchmesser
Kleine f-Zahl (f/1.4) grosse Öffnung, viel Licht, geringe Schärfentiefe
Grosse f-Zahl (f/16) kleine Öffnung, wenig Licht, grosse Schärfentiefe
Volle Blendenreihe f/1.4 – f/2 – f/2.8 – f/4 – f/5.6 – f/8 – f/11 – f/16 – f/22
Faktor je Stufe Lichtmenge verdoppelt oder halbiert sich (Faktor √2 ≈ 1,41)
Lichtstärke die kleinste f-Zahl eines Objektivs; z. B. f/1.8 = «lichtstark»
Norm ISO 517 – Genormte Blendenreihe

Die f-Zahl erscheint auf den ersten Blick paradox: grössere Zahl, kleinere Öffnung. Das liegt daran, dass die f-Zahl ein Verhältnis ist, kein absoluter Wert. f/2 bedeutet «Brennweite geteilt durch 2» – bei einem 50-mm-Objektiv also eine Öffnung von 25 mm. Bei f/16 beträgt die Öffnung nur noch 3,1 mm. Je grösser der Nenner, desto kleiner die Öffnung.

Blenden- & Belichtungsrechner

Wähle eine Ausgangsbelichtung und eine neue Blende – der Rechner zeigt, welche Verschlusszeit die Helligkeit gleich hält.

Ausgangs-Blende
Ausgangs-Verschlusszeit
1/250

1/40001/601 s
Neue Blende
Neue Verschlusszeit für gleiche Belichtung

Nächste Standardzeit:

Lichtmenge
durch die Blende
mit neuer Blende
durch längere Zeit
So liest du es: Schliesst du die Blende um Stufen, fehlt Licht – die gleiche Menge holst du über eine längere Verschlusszeit zurück (Belichtungsdreieck).

Die volle Blendenreihe verstehen

Warum die Stufen unregelmässig wirken

Die Reihe f/1.4 – f/2 – f/2.8 – f/4 – f/5.6 – f/8 – f/11 – f/16 – f/22 klingt willkürlich, folgt aber einer präzisen Mathematik. Jeder Schritt multipliziert die f-Zahl mit √2 ≈ 1,41. Weil die Lichtmenge vom Quadrat des Öffnungsdurchmessers abhängt, bedeutet eine Multiplikation des Durchmessers mit √2 genau eine Verdoppelung der Fläche – und damit eine Verdoppelung der Lichtmenge.

Mehr Licht · weniger SchärfentiefeWeniger Licht · mehr Schärfentiefef/1.4f/2.8f/5.6f/8f/11f/16f/22
Jeder Schritt in der Blendenreihe halbiert die Öffnungsfläche und damit die Lichtmenge. Die f-Zahlen folgen der Reihe 1 × √2 = 1,41 × √2 = 2,0 usw.

Blendenzahl und ihre beiden Wirkungen

Lichtmenge

Jede volle Blendenstufe verdoppelt oder halbiert die Lichtmenge. Um die gleiche Belichtung zu halten, wenn du die Blende um eine Stufe schliesst, musst du die Belichtungszeit verdoppeln oder den ISO-Wert verdoppeln. Das zeigt dir der Rechner oben konkret.

Schärfentiefe

Gleichzeitig steuert die Blendenzahl die Schärfentiefe. Offene Blende (kleine f-Zahl): enger scharfer Bereich, weicher Hintergrund (Bokeh). Geschlossene Blende (grosse f-Zahl): grosser scharfer Bereich, geeignet für Landschaft und Architektur. Mehr dazu unter Schärfentiefe.

Blendenzahl nach Genre

Häufige Fragen

Warum klingt «f/2 ist grösser als f/8» kontraintuitiv?

Weil die f-Zahl im Nenner steht. f/2 = Brennweite dividiert durch 2 = grosse Öffnung. f/8 = Brennweite dividiert durch 8 = kleine Öffnung. Je grösser der Nenner, desto kleiner die tatsächliche Blendenöffnung. Merkhilfe: grosse Zahl = kleines Loch.

Was ist der «süsse Fleck» eines Objektivs?

Die Blende, bei der ein Objektiv die höchste Gesamtschärfe liefert. Meist zwei bis drei Stufen abgeblendet von der Maximalöffnung – oft f/5.6–f/8. Bei offener Blende dominieren Randunschärfe und sphärische Aberration; bei sehr kleiner Blende dominiert Beugung. Der süsse Fleck liegt genau dazwischen.

Was bedeutet «Lichtstärke»?

Die Lichtstärke eines Objektivs ist die kleinste erreichbare f-Zahl (maximale Öffnung). f/1.8 ist «lichtstärker» als f/2.8. Ein lichtstarkes Objektiv lässt mehr Licht herein und erlaubt kürzere Zeiten oder niedrigere ISO in dunklen Umgebungen. Details unter Lichtstärke.

Kann eine Kamera automatisch die passende Blende wählen?

Ja, im Programmautomat (P) und Verschlusspriorit (Tv/S) wählt die Kamera die Blende. Im Blendenpriorität-Modus (Av/A) wählst du die Blende, die Kamera ergänzt die Verschlusszeit. Im Vollautomatik- und Motivprogramm-Modus wählt die Kamera beides – du hast keinen direkten Einfluss.

Beeinflusst die f-Zahl die Bildschärfe auch innerhalb der Schärfentiefe?

Ja. Bei offener Blende können Objektivaberrationen die Schärfe im Fokuspunkt leicht reduzieren. Bei f/5.6–f/8 hat das Objektiv seine beste Abbildungsleistung. Das ist der Grund, warum Fachfotografen auch bei grossen Schärfentiefen selten auf f/16 oder f/22 gehen, wenn f/8–f/11 ausreicht.

Was passiert bei f/22 mit der Bildschärfe?

Beugung nimmt zu. Das Licht weicht an der sehr kleinen Blendenöffnung ab und erzeugt ein grösseres Airy-Scheibchen auf dem Sensor – das reduziert die Detailauflösung im gesamten Bild. Trotz maximaler Schärfentiefe wirkt das Bild bei f/22 oft weniger scharf als bei f/11. Ausnahme: bewusst erzeugte Blendensterne.

Fazit

Die Blendenzahl ist der Schlüsselparameter in der Fotografie – sie steuert Licht und Schärfentiefe gleichzeitig. Wer die f-Zahlen-Reihe und ihren exponentiellen Charakter versteht, belichtet präzise, wählt bewusst und nutzt den Rechner oben, um Belichtungsänderungen zu planen, bevor der Finger den Auslöser drückt.

Quellen

  1. ISO 517: Photography – Apertures and related properties pertaining to lenses – Genormte f-Zahlen-Reihe.
  2. Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics, 3. Aufl. – Blende, f-Zahl und Beugung.
  3. H. M. Merklinger: The Ins and Outs of Focus – Blendengeometrie und Schärfentiefe-Berechnung.

Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.

Schreib einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.