Vollformat-Sensor

Kurze Antwort

Der Vollformat-Sensor ist ein Bildsensor mit den Abmessungen 36 × 24 mm – identisch mit dem klassischen Kleinbildfilm-Negativ – und gilt als Referenzgrösse in der digitalen Fotografie. Er bietet gegenüber kleineren Sensoren mehr Lichtsammelkapazität, höheren Dynamikbereich, weniger Bildrauschen bei hohem ISO und eine knappere Schärfentiefe bei gleichem Bildausschnitt. Kein Cropfaktor verändert die effektive Brennweite.

Vollformat-Sensor auf einen Blick
Abmessungen 36 × 24 mm (Seitenverhältnis 3:2)
Cropfaktor 1,0 × (kein Crop – Referenz für alle anderen Sensorgrössen)
Typische Auflösung 24 MP (Einstieg) bis 61 MP (Sony A7R V) und 100+ MP (Mittelformat)
ISO-Stärke Saubere Ergebnisse oft bis ISO 12 800–25 600 je nach Kamera
Dynamikbereich ca. 14 Blendenstufen (aktuelle Topmodelle)
Sensorfläche gg. APS-C ca. 2,5× grösser als APS-C (1,5×-Crop-Faktor)

Vollformatkameras wie Sony A7-Serie, Canon EOS R6/R5, Nikon Z6/Z8 und die historische Sinar-Fachkamera auf Film stehen für denselben Grundsatz: Eine grössere Abbildungsfläche lässt mehr Licht ein und erzeugt bei gleichem Ausgabeformat feineres Korn oder Rauschen. Der Cropfaktor-Rechner unten zeigt sofort, wie sich deine Brennweite je nach Sensorgrösse verhält.

Crop- & Bildwinkel-Rechner

Wähle Sensor und Brennweite – der Rechner zeigt die Kleinbild-äquivalente Brennweite und den Bildwinkel.

Sensorgrösse
35 mm
8100400 mm
Kleinbild-äquivalente Brennweite
Bildwinkel diagonal
Diagonale
Bildwinkel horizontal
Breite
Hinweis: Der Cropfaktor verlängert nur den scheinbaren Bildausschnitt – die echte Brennweite und die Schärfentiefe-Optik bleiben gleich.

Was der Vollformat-Sensor gegenüber kleineren Sensoren leistet

Rauschen und ISO-Leistung

Grössere Pixel (bei gleicher Megapixelzahl) fangen pro Zeiteinheit mehr Photonen ein. Das Signal-Rausch-Verhältnis steigt. Praktisch heisst das: Bei ISO 3 200 liefert ein Vollformat-Sensor deutlich sauberere Bilder als APS-C bei gleicher Brennweite und Blende – wichtig für Nachtfotografie, Events in Innenräumen und Reportagen bei Kunstlicht.

Dynamikbereich

Mit bis zu 14 Belichtungsstufen Dynamikbereich kannst du in einem einzigen RAW-Bild sowohl tiefe Schatten (z. B. Strassenasphalt im Gegenlicht) als auch helle Lichter (weisser Wolkenhimmel) mit Detail aufhellen oder abgedunkeln. Das vereinfacht Korrekturen in Lightroom erheblich.

Schärfentiefe und Bokeh

Bei gleichem Bildausschnitt und gleicher Blende ist die Schärfentiefe auf Vollformat knapper als auf APS-C. Ein 85-mm-f/1.8-Objektiv stellt auf Vollformat stärker frei als auf APS-C, weil du für denselben Ausschnitt mit dem APS-C-Äquivalent 56 mm näher rangehst. Das cremige Bokeh ist ein Hauptgrund, warum Porträtfotografen Vollformat schätzen.

Vollformat36 × 24 mm · CF 1,0×APS-C24 × 16 mm · CF 1,5×MFTCF 2,0×
Grössenvergleich der drei häufigsten Sensorformte. Vollformat ist ca. 2,5× grösser als APS-C – das erklärt den Vorteil bei Lichtsammlung und Schärfentiefe.

Cropfaktor: was er bedeutet und was nicht

Der Cropfaktor (auch: Äquivalenzfaktor) gibt an, wie viel kleiner ein Sensor im Vergleich zum Vollformat ist. Ein APS-C-Sensor mit Cropfaktor 1,5 liefert mit einem 35-mm-Objektiv denselben Bildausschnitt wie Vollformat mit 52,5 mm (35 × 1,5). Die physikalische Brennweite des Objektivs ändert sich nicht – nur der sichtbare Ausschnitt wird «gecroppt». Die optische Schärfentiefe des 35-mm-Objektivs bleibt ebenfalls dieselbe; nur das Bildfeld ändert sich.

Vollformat-Sensor im Profieinsatz

  • Porträt: Hohe Lichtstärke, knappe Schärfentiefe, sauberes ISO bis 12 800 für Shooting bei Kerzenlicht.
  • Landschaft: Hoher Dynamikbereich für HDR-lose Bearbeitung, viel Detail im RAW.
  • Reportage/Ereignis: Saubere High-ISO-Aufnahmen in Innenräumen ohne Blitz.
  • Architektur: Echte Weitwinkelwirkung ohne Cropfaktor-Korrekturen; tilt-shift-Objektive ohne Beschnitt.

Häufige Fragen

Ist Vollformat immer besser als APS-C?

Nicht in jedem Bereich. Bei langen Telebrennweiten bietet APS-C durch den Cropfaktor mehr scheinbare Reichweite (z. B. 300 mm → effektiv 450 mm). Für Wildlife und Sport ist das ein Vorteil. Vollformat ist überlegen bei wenig Licht, Dynamikbereich und Schärfentiefekontrolle.

Brauche ich für Vollformat neue Objektive?

Vollformat-Objektive decken den grossen Kreis ab. Viele APS-C-Objektive decken den Vollformat-Bildkreis nicht vollständig ab – das führt zu Vignettierung an den Ecken. Es gibt jedoch «Crop»-Objektive, die auf Vollformat im Crop-Modus funktionieren, was die nutzbare Megapixelzahl reduziert.

Wie viel Megapixel brauche ich auf Vollformat?

Für Webpublikation, Social Media und A4-Druck reichen 24 MP problemlos. Für Plakat-Druck (A0), intensives Beschneiden und Ausschnittvergrösserungen empfehlen sich 45 MP aufwärts.

Ist Vollformat schwerer und grösser?

Traditionell ja. Spiegellose Vollformatkameras wie Sony A7C II oder Nikon Zf sind aber erstaunlich kompakt. Entscheidender als das Gehäuse ist das Objektivgewicht – Vollformat-Gläser sind meist grösser als APS-C-Pendants.

Welche Vollformatkameras sind 2026 empfehlenswert?

Einsteiger: Sony A7 IV, Nikon Z6 III, Canon EOS R6 Mark III. Hochauflösend: Sony A7R V (61 MP), Nikon Z8 (45 MP). Hybrid (Foto/Video): Sony A7S III (12 MP, aussergewöhnliches High-ISO), Canon EOS R5 II.

Fazit

Der Vollformat-Sensor ist für viele Fotografen der Goldstandard – nicht weil kleinere Sensoren schlecht wären, sondern weil er in den meisten Situationen den grössten Spielraum für Licht, Dynamik und Schärfentiefekontrolle bietet. Der Cropfaktor-Rechner oben zeigt dir sofort, wie sich deine Brennweite auf verschiedenen Sensoren verhält – hilfreich beim Kauf neuer Objektive oder beim Wechsel zwischen Systemen.

Quellen

  1. ISO 12232 – Empfindlichkeitsmessung für digitale Kameras (Grundlage für ISO-Angaben und Rauschbewertung).
  2. CIPA DC-004 – Norm zur Bildqualitätsmessung digitaler Kameras (Dynamikbereich).
  3. Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics, 3. Aufl. – Sensorgrösse, Brennweite und Abbildungsmassstab.

Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.

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