AWB (Automatic White Balance) ist eine Kamerafunktion, die die Farbtemperatur der Lichtquelle automatisch erkennt und das Bild so anpasst, dass Weiss neutral erscheint. Die Kamera analysiert das Licht in Echtzeit und korrigiert Farbstiche, die durch unterschiedliche Lichtquellen entstehen – ohne manuellen Eingriff. AWB ist praktisch, aber nicht immer präzise.
| Vollform | Automatic White Balance (Automatischer Weissabgleich) |
|---|---|
| Ziel | neutrale Farbwiedergabe: Weiss = Weiss unabhängig von der Lichtquelle |
| Einheit | Kelvin (K) – die Kamera wählt intern einen passenden Wert |
| Stärke | wechselndes Licht, schnelle Aufnahmen, unbekannte Umgebungen |
| Schwäche | Mischlicht, Sonnenuntergang, kreativ gewollte Farbstimmung |
| Alternative | manueller WB in Kelvin, Voreinstellungen (Tageslicht, Schatten, Kunstlicht) |
| RAW-Vorteil | Weissabgleich in RAW jederzeit verlustfrei änderbar |
Licht ist nicht weiss. Kerzenlicht ist orange (~1900 K), Neonlicht grünstichig (~4000 K), direktes Sonnenlicht neutral (~5500 K), Schatten blau (~8000 K). Das menschliche Auge kompensiert diese Unterschiede unbewusst – ein weisses Blatt Papier sieht im Kerzenlicht trotzdem weiss aus. Der Kamerasensor tut das nicht automatisch; er zeichnet auf, was wirklich da ist. AWB übernimmt die Korrektur: Er misst die dominante Farbtemperatur und verschiebt alle Farben entgegengesetzt, damit Weiss neutral wird.
Wie AWB funktioniert
Moderne AWB-Algorithmen analysieren Helligkeit und Farbverteilung im Bild. Sie suchen nach Bereichen, die statistisch neutral sein sollten – helle Stellen, grosse gleichmässige Flächen – und leiten daraus die wahrscheinliche Lichtfarbe ab. Manche Systeme (z. B. Sonys White Balance Priority) wichten dabei, ob Hauttöne vorhanden sind. KI-gestützte AWB-Systeme der neuesten Generation erkennen Szenentypen und passen sich spezifisch an.
Wann AWB gut und wann schlecht funktioniert
AWB funktioniert gut bei
- gleichmässigem Tageslicht oder Bewölkung
- Studioaufnahmen mit neutralen Flächenleuchten
- schnell wechselnden Lichtsituationen bei der Reportage
- Aufnahmen in RAW, wo der WB ohnehin verlustfrei editierbar ist
AWB versagt oder täuscht bei
- Mischlicht – Tageslicht und Glühlampe gleichzeitig; kein einziger Kelvin-Wert ist korrekt
- Sonnenuntergang – AWB kühlt das warme Licht ab und zerstört die Stimmung
- Monochrome Szenen – viel Rot (z. B. roter Raum) täuscht die Kamera
- Serienaufnahmen – AWB-Sprünge von Bild zu Bild bei wechselndem Licht
Weissabgleich-Alternativen
Manuelle Kelvin-Eingabe
Du gibst die Farbtemperatur direkt ein. Weisst du, dass du in einem Studio mit 5600-K-Dauerlicht arbeitest, trägst du genau das ein – der Weissabgleich ist konstant über alle Aufnahmen der Session.
Voreinstellungen
Tageslicht (5500 K), Bewölkung (6500 K), Schatten (7500 K), Kunstlicht (3200 K), Leuchtstoffröhre (4000 K). Schnell gewählt, präziser als AWB in definierten Situationen.
Manuelle Kalibrierung mit Graukarte
Fotografiere eine 18%-Graukarte unter den Ist-Lichtverhältnissen. Definiere dieses Bild als Referenz – die Kamera berechnet den exakten Korrekturwert. Die präziseste Methode im Studio oder bei kritischen Farben.
Häufige Fragen
Soll ich für Portraits AWB oder einen festen Wert nehmen?
Fester Wert (z. B. 5500 K bei Tageslicht) für Konsistenz innerhalb einer Aufnahmeserie. AWB-Sprünge zwischen Bildern erschweren die Serienbearbeitung. Bei RAW kannst du aber auch mit AWB schiessen und nachträglich vereinheitlichen.
Ändert AWB die RAW-Datei?
Was tun bei grünem Farbstich unter Leuchtstoffröhren?
Wähle die Voreinstellung «Leuchtstoffröhre» oder korrigiere manuell in Magenta-Richtung (Tint-Regler in Lightroom). AWB hat bei bestimmten Neon-/LED-Typen Schwierigkeiten, weil das Spektrum nicht kontinuierlich ist.
Wie weiss ich, ob mein Weissabgleich stimmt?
Schau auf neutrale Bereiche im Bild: eine weisse Wand, ein weisses Blatt, Wolken. Ist der Ton stichfrei – weder bläulich noch gelblich – ist der WB korrekt. Im RAW-Workflow hilft eine mitfotografierte Graukarte als Referenz.
Beeinflusst der Weissabgleich die Belichtung?
Nein. Weissabgleich und Belichtung sind unabhängig. AWB verschiebt Farben, ändert aber nicht Helligkeit, Blende oder Verschlusszeit.
Fazit
AWB ist ein komfortabler Helfer für schnelle Situationen und RAW-Aufnahmen. Er deckt die meisten Lichtverhältnisse gut ab, versagt aber bei Mischlicht und kreativ gewollter Farbstimmung. Für seriöse Produktions- und Studiofotografie ist ein manueller Kelvin-Wert oder eine Graukartenkalibrierung unerlässlich. Schiesse RAW – dann ist jeder WB-Fehler verlustfrei korrigierbar.
Quellen
- R. W. G. Hunt: The Reproduction of Colour, 6. Aufl. – Farbtemperatur und Weissabgleich in der Praxis.
- ISO 7589 – Photographische Filme, Nennwert-Farbtemperaturen für verschiedene Lichtquellen.
- S. Fraser: Real World Camera Raw – AWB-Algorithmen und manuelle Weissabgleichsoptionen.
Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.
