DNG-Format (Digital-Negative-Format)

Kurze Antwort

Das DNG-Format (Digital Negative) ist ein offenes, von Adobe 2004 eingeführtes RAW-Containerformat, das Kamera-Rohdaten herstellerübergreifend speichert. Es kombiniert Bilddaten, Metadaten und optionale eingebettete Vorschaubilder in einer einzigen Datei und gilt als Archivstandard für digitale Negative, weil es keine proprietäre Kamerasoftware zur Lesbarkeit benötigt.

DNG-Format auf einen Blick
Entwickler Adobe Systems, eingeführt September 2004
Basis TIFF/EP-Struktur (ISO 12234-2)
Farbtiefe 8, 16 oder 32 Bit pro Kanal
Kompression verlustfrei (lossless) oder verlustlos unkomprimiert
Metadaten EXIF, IPTC, XMP – alle in derselben Datei
Dateiendung .dng
Verbreitung nativ von Leica, DJI, Ricoh, Pentax und einigen Hasselblad-Modellen; Konvertierung via Adobe DNG Converter

Proprietäre RAW-Formate wie Canon CR3, Nikon NEF oder Sony ARW sind herstellerspezifisch. Wenn ein Softwareanbieter die Unterstützung einstellt oder ein Kamerahersteller das Format ändert, können ältere Dateien unlesbar werden. DNG umgeht dieses Risiko: Als dokumentierter offener Standard kann es jede Software lesen, die den Spezifikationen folgt – auch in 20 Jahren noch.

Wie DNG aufgebaut ist

Eine DNG-Datei ist im Kern eine TIFF-Struktur mit mehreren Image File Directories (IFDs). Darin liegen die Rohdaten des Sensors als Bayer- oder X-Trans-Matrix, ein eingebettetes JPEG-Vorschaubild für schnelles Browsing, alle EXIF-Kameradaten sowie XMP-Metadaten für Bearbeitungsanweisungen. Besonderheit: Die XMP-Anweisungen sind direkt in der Datei und müssen nicht als separate Sidecar-Datei gespeichert werden.

DNG vs. proprietäres RAW

Vorteile von DNG

  • Langzeitarchivierung: Kein Hersteller-Lock-in, ISO 12234-2 dokumentiert.
  • Kleinere Datei: Verlustfreie DNG-Kompression reduziert die Dateigrösse gegenüber unkomprimierten RAW-Formaten um bis zu 20 %.
  • Integrierte Metadaten: Kein separates XMP-Sidecar nötig.
  • Eingebettetes Profil: Kamerakalibrierprofile können direkt eingebettet werden.

Nachteile und Einschränkungen

  • Herstellerspezifische Extras: Manche kameraeigenen Funktionen (proprietäre Rauschunterdrückung, spezielle Farb-Science) werden bei der Konvertierung nicht übertragen.
  • Konvertierungsschritt: Wer nicht mit einer DNG-nativen Kamera schiesst, muss einen zusätzlichen Schritt einplanen.
  • Kompatibilität älterer Software: Sehr alte Bildbearbeitungsprogramme kennen DNG 1.7+ möglicherweise nicht.
DNG-Container (TIFF/EP)SensordatenBayer / X-Trans RAWEXIF-MetadatenKamera, Zeit, GPSXMP-AnweisungenBearbeitungsdatenJPEG-Vorschaufür BrowserOptional: eingebettetes Kalibrierungsprofil (DCP) · verlustfreie Kompression
Alle relevanten Informationen in einer Datei: Sensordaten, Kamerametadaten, Bearbeitungsanweisungen und Vorschaubild sind gemeinsam im DNG-Container gespeichert.

DNG in der Praxis einsetzen

Native DNG-Kameras

Leica M-Modelle, Leica SL-Serie, DJI-Drohnen und einige Ricoh/Pentax-Kameras speichern direkt im DNG-Format. Hier entfällt die Konvertierung – du bekommst den offenen Standard ohne Umweg.

Konvertierung mit Adobe DNG Converter

Das kostenlose Adobe-Tool wandelt beliebige RAW-Dateien in DNG um. Du kannst verlustfreie Kompression aktivieren und eingebettete Originalrohdaten als Backup mitführen (erhöht die Dateigrösse). Lightroom kann den Import direkt als DNG-Konvertierung erledigen.

Archivierung

Für Langzeitarchive empfiehlt sich DNG ohne eingebettetes Original. Das spart Platz. Willst du absolute Sicherheit, legst du zusätzlich das proprietäre Original auf einem zweiten Medium ab.

Häufige Fragen

Verliere ich Qualität, wenn ich in DNG konvertiere?

Nein, die verlustfreie Kompression bewahrt alle Sensordaten. Du verlierst allenfalls proprietäre Kamera-interne Bearbeitungen, die nicht im Standard spezifiziert sind.

Kann ich DNG in allen RAW-Entwicklern öffnen?

Alle aktuellen Programme (Lightroom, Camera Raw, Capture One, RawTherapee, darktable) unterstützen DNG vollständig. Ältere Versionen kennen ggf. neuere DNG-Versionen (1.6, 1.7) noch nicht.

Ist DNG wirklich ein ISO-Standard?

DNG basiert auf TIFF/EP (ISO 12234-2), ist aber selbst kein eigenständiger ISO-Standard. Die Spezifikation ist jedoch öffentlich und royaltyfrei dokumentiert, was praktisch dasselbe Ziel erfüllt.

Soll ich lieber RAW oder DNG auf der Karte speichern?

Native DNG-Kameras machen die Entscheidung obsolet. Bei anderen Kameras: Shoot proprietäres RAW für maximale Herstellerkompatibilität, konvertiere zu DNG für das Archiv.

Wie gross ist eine DNG-Datei im Vergleich zum proprietären RAW?

Mit verlustfreier Kompression etwa 15–20 % kleiner als ein unkomprimiertes NEF oder CR3. Gegenüber bereits komprimierten proprietären Formaten kann DNG ähnlich gross oder minimal grösser sein.

Fazit

DNG ist der sinnvollste Standard für jede ernsthafte RAW-Archivierung. Es kombiniert offene Dokumentation, verlustfreie Kompression und integrierte Metadaten in einer Datei – und ist damit zukunftssicher. Wer proprietäre RAW-Dateien langfristig aufbewahren will, tut gut daran, parallel DNG-Kopien anzulegen. Die Konvertierung kostet wenig Aufwand und sichert den Zugang zu den Bilddaten auch dann, wenn der Kamerahersteller in zehn Jahren kein RAW-Update mehr liefert.

Quellen

  1. Adobe Systems: Digital Negative (DNG) Specification 1.7 – offizielle Formatspezifikation.
  2. ISO 12234-2: Electronic Still Picture Cameras – Removable MemoryTIFF/EP-Basis für DNG.
  3. J. McHugh: Understanding RAW Photography – Vergleich RAW-Formate und DNG-Praxis.

Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.

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