Bajonett

Kurze Antwort

Das Bajonett (engl. Bayonet Mount) ist ein mechanisches Schnellverschlusssystem, das Objektive durch eine kurze Drehbewegung sicher und reproduzierbar mit dem Kameragehäuse verbindet und dabei über elektrische Kontakte die Kommunikation zwischen Objektiv und Kamera ermöglicht. Es löste die älteren Schraubgewinde-Anschlüsse (M39, M42) ab und ist heute der universelle Standard bei Wechselobjektiv-Kameras.

Bajonett auf einen Blick
Englisch Bayonet Mount, Lens Mount
Funktionsprinzip Nasen einführen, drehen (meist 60–90°), einrasten
Elektrische Kontakte Autofokus-Daten, EXIF, Bildstabilisierung, Blendensteuerung
Flanschweite Abstand Bajonettanschluss zu Sensor – systemkritisch für Adapter
Wichtige Mounts Canon RF, Nikon Z, Sony E, Fujifilm X, Micro Four Thirds (MFT)
Kompatibilität systemgebunden; Kreuznutzung via Adapter (mit/ohne AF)
Material Aluminium, Messing oder Edelstahl – je nach Preissegment

Das Bajonett ist mehr als nur eine mechanische Kupplung. Moderne Mounts übertragen Dutzende von Datenpunkten pro Sekunde: Fokusposition, Blendensteuerung, optische Bildstabilisierungs-Koordinaten und Objektivkorrekturprofile. Die Flanschweite – der genaue Abstand zwischen Bajonettfläche und Sensor – ist ein kritischer Wert; er bestimmt, welche Objektive ohne Qualitätsverlust adaptierbar sind.

Wie ein Bajonett funktioniert

Bajonette nutzen das Prinzip der Bajonett-Verschlusskupplung: Das Objektiv hat zwei bis vier radiale Nasen (Bajonettnasen), die beim Einsetzen in entsprechende Schlitze des Kameragehäuses gleiten. Eine kurze Drehung (meist 60–90° im oder gegen den Uhrzeigersinn) bringt die Nasen hinter Sperrzähne – ein Federmechanismus rastet ein und sichert die Verbindung. Elektrische Kontaktfedern auf Objektiv und Gehäuse stellen beim Verdrehen den Datenaustausch her.

BajonettringObjektiv-NasenSensorGehäuse-Schlitze + Kontakteeinsetzen +drehen
Links: Objektiv mit drei Bajonettnasen (dunkelblau). Rechts: Gehäuse mit entsprechenden Schlitzen und elektrischen Kontakten. Einsetzen und drehen – der Federmechanismus rastet ein.

Wichtige Bajonett-Standards 2026

Bajonett Hersteller Flanschweite Besonderheit
Canon RF Canon 20 mm breiter 54-mm-Durchmesser, schnelle Datenübertragung
Nikon Z Nikon 16 mm 55-mm-Durchmesser, kurze Flanschweite für grosse Hinterlinse
Sony E Sony 18 mm auch für APS-C (APS-C-Objektive auf Vollformat nutzbar)
Fujifilm X Fujifilm 17,7 mm proprietär; grosse Dritthersteller-Auswahl
Micro Four Thirds Olympus/Panasonic 19,25 mm offen; grösste Objektivvielfalt durch offenen Standard

Bajonett und Adaption

Die kurze Flanschweite moderner spiegelloser Mounts (RF: 20 mm, Z: 16 mm) ermöglicht das Adaptieren fast aller älteren Objektive. Ein Canon-EF-Objektiv (Flanschweite 44 mm) passt problemlos via Adapter auf Canon RF – die 24 mm Differenz überbrückt der Adapterring. In Gegenrichtung (spiegellos auf DSLR) ist Adaption ohne Linsenkorrektion optisch meist nicht möglich, weil die Flanschweite der DSLR grösser ist als die des neuen Objektivs.

Elektrische Kontakte und Protokolle

Moderne Bajonette haben 7–12 elektrische Kontakte. Sie übertragen: Blendensteuerung, AF-Positionsdaten, Bildstabilisierungs-Koordinaten (für kamerabasiertes IBIS), EXIF-Daten (Brennweite, Blende, Seriennummer), optische Korrekturprofile und – bei neuesten Systemen – AF-Geschwindigkeit für kontinuierliches Tracking.

Häufige Fragen

Kann ich alte Objektive an meiner neuen spiegellosen Kamera nutzen?

Oft ja, mit einem Adapter. Canon-EF-Objektive laufen an Canon-RF-Gehäusen via Adapter mit vollem Autofokus und EXIF. Nikon-F-Objektive an Nikon-Z-Gehäusen ebenso. Für Vintage-Gläser ohne elektrische Kontakte funktioniert der Adapter rein mechanisch – AF und automatische Belichtungssteuerung entfallen.

Was bedeutet «proprietäres Bajonett»?

Ein geschlossenes System, dessen technische Spezifikation der Hersteller nicht veröffentlicht. Drittanbieter müssen das Protokoll selbst reverse-engineeren – was manchmal zu Einschränkungen führt (kein AF, keine Bildstabilisierungs-Kommunikation). Ein «offenes» System (wie Micro Four Thirds) ist lizenziert und erlaubt Dritthersteller-Objektive mit voller Funktionalität.

Schadet häufiger Objektivwechsel dem Bajonett?

Bajonette sind auf tausende Wechsel ausgelegt. Bei sorgfältigem Umgang (gerade einsetzen, keine Kraft) halten sie die gesamte Lebensdauer einer Kamera. Staub auf den Kontakten kannst du mit einem weichen Pinsel entfernen; Kontaktspray ist nicht nötig und kann schaden.

Welches Bajonett hat die grösste Objektivauswahl?

Micro Four Thirds durch den offenen Standard und die lange Marktpräsenz seit 2008. Sony E durch die grosse Beliebtheit des A7-Systems und viele Drittanbieter. Canon RF wächst schnell; Nikon Z hat ebenfalls eine breite Auswahl – alle vier Systeme sind 2026 sehr gut bestückt.

Wie reinige ich den Bajonettanschluss richtig?

Mit einem weichen, trockenen Mikrofasertuch oder einer Druckluftdose für lose Partikel. Elektrische Kontakte vorsichtig mit einem sauberen Wattestäbchen abreiben, wenn sie Oxidationsflecken zeigen. Kein Wasser, kein Kontaktspray, keine Schleifmittel.

Fazit

Das Bajonett ist die unsichtbare Schnittstelle zwischen Optik und Sensor – mechanisch simpel, elektronisch komplex. Wer sein Kamerasystem wählt, wählt damit auch das Bajonett und seine Objektivökologie. Verstehe Flanschweite und elektrische Protokolle, dann kannst du Adapter sinnvoll einsetzen, Vintage-Gläser nutzen und weisst, warum dein Lieblingsobjektiv aus dem alten System an der neuen Kamera eventuell nicht alle Funktionen bietet.

Quellen

  1. Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics, 3. Aufl. – Objektivanschlüsse, Flanschweite und Kompatibilität.
  2. Olympus/Panasonic: Micro Four Thirds System Standard – offenes Bajonett-Protokoll, technische Spezifikation.
  3. ISO 10110 – optische Grundlagen und Bauelemente im Kamerasystem.

Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.

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