Camera Tossing ist eine experimentelle Technik, bei der die Kamera während der Belichtung in die Luft geworfen wird, um abstrakte Lichtspuren, Drehmuster und unvorhersehbare Kompositionen zu erzeugen. Das Ergebnis sind keine dokumentarischen Bilder, sondern malerische Abstraktionen – ähnlich einem Gemälde mit Licht.
| Auch genannt | Kamerawerfen, engl. camera toss |
|---|---|
| Entstanden | ca. 2006 auf Flickr als Community-Trend |
| Kamera | günstige Kompaktkamera oder älteres Modell empfohlen (Sturzrisiko) |
| Verschlusszeit | typisch 1/4 s – 2 s (Langzeitbelichtung) |
| Lichtquelle | Schriften, Lampen, Lichter in der Nacht, Weihnachtsbeleuchtung |
| Ziel | abstrakte Lichtspuren, keine Dokumentation |
Der Grundgedanke ist simpel: Die Kamera fliegt durch die Luft, dreht sich dabei, und der geöffnete Verschluss zeichnet jeden Lichtpunkt als Spur auf. Was herauskommt, weiss niemand genau – das ist die Faszination. Camera Tossing erfordert wenig Ausrüstung, aber ein gutes Sicherheitskonzept, handwerkliche Übung beim Werfen und ein spielerisches Verhältnis zum Zufallsprinzip.
Wie Camera Tossing technisch funktioniert
Kameraeinstellungen
Du brauchst eine längere Belichtungszeit, damit während des Fluges genug Licht auf den Sensor fällt. Typische Werte: Verschlusszeit 1/4 s bis 2 s, ISO 400–1600 (je nach verfügbarem Licht), Blende f/4–f/8. Das Bild muss während des Fluges belichtet sein – verwende den Selbstauslöser (2 s Vorlauf) oder einen Funkauslöser, um den Moment des Werfens zu steuern. Die Kamera fliegt, der Selbstauslöser öffnet genau dann den Verschluss, wenn du sie in der Luft hast.
Wurfmethoden
- Gerader Wurf: Einfacher Hochwurf ohne Rotation – erzeugt kurze, gerade Lichtspuren.
- Rotationswurf: Kamera beim Werfen drehen – erzeugt kreisförmige oder spiralförmige Muster.
- Schnurwurf: Kamera an einer kurzen Schnur befestigen und kreisen lassen – mehr Kontrolle, sichere Variante für teure Kameras.
Sicherheit geht vor
Das ist kein Scherz: Eine fallende Kamera kann Menschen verletzen oder teures Equipment zerstören. Halte folgende Regeln ein:
- Verwende eine günstige, alte Kompaktkamera – nicht deine Systemkamera mit 1000-Franken-Objektiv.
- Wirf nur in gesichertem Gelände ohne Personen in der Nähe.
- Übe zuerst mit einem Taschenrechner oder Schuhkarton, um das Timing zu lernen.
- Tragebänder nicht verwenden – sie können sich beim Werfen verwickeln.
- Bei Schnurwurf: Schnur sicher am Handgelenk befestigen, bevor du loslegst.
Beste Lichtsituationen für Camera Tossing
Das Ergebnis lebt von den Lichtquellen im Bild. Suche dir Umgebungen mit mehreren, farbigen oder kontrastreichen Lichtpunkten:
- Weihnachtsbeleuchtung oder Lichtergirlanden: farbige Kreise und Spiralen.
- Neonreklamen und Strassenlaternen: intensive Farbspuren.
- Kerzenlicht oder Feuer: warme, organische Spuren.
- Innenräume mit mehreren Deckenlampen: geometrische Spuren bei gleichmässiger Rotation.
Nachbearbeitung
Camera-Tossing-Bilder leben von den Lichtspuren und dem Zufall. In der Nachbearbeitung kannst du die Kontraste anpassen, Sättigung erhöhen oder die Belichtung korrigieren, um die Spuren zu betonen. Manche Fotografen überlagern mehrere Aufnahmen in Photoshop (Füllmethode «Aufhellen»), um komplexere Muster zu erzeugen. Starkes Nachschärfen macht keinen Sinn – das Bild ist bewusst abstrakt.
Häufige Fragen
Welche Kamera eignet sich für Camera Tossing?
Eine günstige Kompaktkamera – ideal eine gebrauchte Digicam für 20–30 Franken. Sie ist leicht, hat einen internen Blitz (falls gewünscht) und ist nicht tragisch, wenn sie mal zu Boden fällt. Smartphone-Kameras funktionieren ebenfalls, haben aber oft kürzere Maximale Belichtungszeiten.
Wie löse ich die Kamera aus, während sie in der Luft ist?
Am einfachsten ist der 2-Sekunden-Selbstauslöser: Selbstauslöser aktivieren, Kamera werfen – nach 2 Sekunden öffnet sich der Verschluss. Mit einem kabellosen Fernauslöser hast du noch mehr Kontrolle. Ohne Auslöser-Timing triffst du den Moment selten.
Kann Camera Tossing mit teurem Kameramaterial funktionieren?
Technisch ja, aber das Risiko ist hoch. Selbst erfahrene Toss-Fotografen lassen gelegentlich Kameras fallen. Für erste Experimente empfiehlt sich eine alte Kompaktkamera; eine professionelle Systemkamera würde erst mit viel Übung und gesichertem Auffangnetz eingesetzt.
Welche Verschlusszeit ist ideal?
Zwischen 1/4 s und 2 s. Kürzer und die Spuren sind zu kurz; länger und du hast Probleme, die Kamera ohne Überbelichtung in der Luft zu belassen. Die beste Zeit hängt von der Helligkeit der Umgebung ab – teste mit verschiedenen Werten.
Wie erkläre ich Camera Tossing jemandem, der das seltsam findet?
Camera Tossing ist kreative Lichtmalerei mit dem Zufall als Mitgestalterin. Das Ergebnis ist kein Foto im klassischen Sinn, sondern ein abstrakter Lichtabdruck des Moments. Ähnlich wie Jackson Pollocks Drip-Painting – kontrollierten Zufall als Methode nutzen.
Fazit
Camera Tossing kostet fast nichts, braucht keine teure Ausrüstung und bietet maximale kreative Überraschung. Es ist der spielerischste Beweis dafür, dass Fotografie mehr ist als Abbildung der Realität. Nimm eine alte Kompaktkamera, such dir nachts eine Lichterkulisse, und wirf.
Quellen
- Flickr-Community «Camera Toss» – Ursprung und Dokumentation der Bewegung ab 2006.
- Aaron Doering: Photography as Art – Experimental Techniques – Kapitel Kinetech und Zufallsfotografie.
- Lance Shields: Camera Toss Photography (Blog-Dokumentation, archivierto im Internet Archive).
Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.
