Der CRI (Colour Rendering Index, Farbwiedergabeindex) ist eine Kennzahl von 0 bis 100, die beschreibt, wie natürlich eine Lichtquelle Farben wiedergibt – gemessen am Referenzwert natürlichen Tageslichts (CRI 100). Für Fotografie und Videografie gilt: Je höher der CRI, desto farbechter das Bild direkt bei der Aufnahme und desto weniger Nachbearbeitung ist nötig, um Hauttöne, Textilien und Produktfarben korrekt darzustellen.
| Wertebereich | 0–100 (100 = Tageslicht, perfekte Referenz) |
|---|---|
| Messgrundlage | Vergleich von 8 (Ra) oder 14 (R1–R14) Testfarben unter Prüflicht vs. Tageslicht |
| Empfehlung Fotografie | CRI ≥ 90, besser ≥ 95 für Hautton- und Modeaufnahmen |
| R9 | Wiedergabe von gesättigtem Rot – wichtig für Haut, eigener Wert neben Ra |
| Tageslicht | CRI 100 (Referenz) |
| Glühlampe / Halogen | CRI 97–100 |
| Fluoreszierende Lampe | CRI 50–85 (je nach Typ) |
| LED (Qualitätsprodukt) | CRI 90–98 |
Warum sieht ein rotes Kleid unter Studiobeleuchtung anders aus als draussen? Weil das Licht nicht alle Farbanteile gleichmässig enthält. Eine Leuchtstoffröhre mit CRI 70 lässt bestimmte Spektralanteile fehlen – Farben wirken flach oder verschoben. Ein LED-Panel mit CRI 96 gibt das Kleid so nah an der Realität wieder, dass du im Bild kaum nachkorrigieren musst.
Wie der CRI berechnet wird
Die Internationale Beleuchtungskommission (CIE) legte 14 Testfarben (R1–R14) fest. Acht davon (R1–R8) gehen in den Allgemeinen Farbwiedergabeindex Ra ein. Die Messung vergleicht, wie jede Testfarbe unter der Prüflichtquelle und unter dem Referenzlicht (Tageslicht bei entsprechender Farbtemperatur) erscheint. Die Abweichungen werden gemittelt und von 100 subtrahiert. Ein Verlust von 5 Punkten ergibt Ra 95 – noch sehr gut. Verluste über 20 Punkte werden im Bild sichtbar.
CRI in der Fotografie – praktische Bedeutung
Porträt und Hauttonwiedergabe
Menschliche Hauttöne enthalten viel Rot. Deshalb ist der R9-Wert (gesättigtes Rot) besonders wichtig – er taucht im allgemeinen CRI-Wert nicht direkt auf. Eine LED mit CRI 90, aber negativem R9 gibt Hauttöne fahl wieder. Achte bei Studio-LEDs auf einen explizit positiven R9 ≥ 50, besser ≥ 80.
Produktfotografie
Kunden vergleichen das Produkt-Foto mit dem realen Artikel. Bei niedrigem CRI weicht die Farbe so stark ab, dass Retouren steigen. CRI ≥ 95 und Tageslicht-kompatible Farbtemperatur (5500–6500 K) sind der Standard in professionellen Shooting-Setups.
Mode und Textilfotografie
Stoffe absorbieren bestimmte Wellenlängen und reflektieren andere. Eine Lichtquelle mit Lücken im Spektrum lässt genau diese Farbanteile verschwinden. CRI 95–98 ist hier das Minimum, um Kollektionsfarben akkurat abzubilden.
CRI vs. TLCI und andere Indizes
| Index | Anwendung | Besonderheit |
|---|---|---|
| CRI (Ra) | Allgemeiner Standard, Fotografie/Video | 8 Testfarben, kein Rot-Gewicht |
| R9 | Rot-Wiedergabe (Haut, Blut) | Separater Wert, nicht in Ra enthalten |
| TLCI | TV-Produktion | Bewertet Kamera-spezifische Wahrnehmung |
| TM-30 | Neuerer Standard (IES) | Rf (Treue) + Rg (Sättigung), 99 Farben |
Häufige Fragen
Welchen CRI brauche ich für Videoproduktion?
Mindestens CRI 90, professionell ≥ 95. TV- und Filmproduktionen prüfen oft zusätzlich den TLCI-Wert, der auf Kamerasensoren abgestimmt ist. Gute Bi-Color-LED-Panels (z. B. Aputure, Nanlite) liefern CRI 95+ ab Mittelklasse.
Kann ich CRI mit einer Fotodiode messen?
Nicht genau. CRI-Messung braucht ein Spektroradiometer, das das vollständige Lichtspektrum analysiert. Fotodioden messen nur Helligkeit, nicht Spektralzusammensetzung. Günstiger Einstieg: Yuji CRI Meter oder X-Rite i1Display.
Ist hoher CRI = helles Licht?
Nein. CRI sagt nichts über Helligkeit (Lumen) aus. Eine 5-Watt-LED mit CRI 97 kann weniger hell sein als eine 20-Watt-LED mit CRI 82. CRI und Lumen sind unabhängige Grössen.
Beeinflusst die Farbtemperatur den CRI?
Indirekt. Die Referenzlichtquelle für den CRI-Vergleich passt sich der Farbtemperatur der Prüflichtquelle an (Schwarzkörperstrahler). Aber Farbtemperatur und CRI sind verschiedene Grössen: Warmweiss kann CRI 95 haben, Tageslicht-weiss auch.
Fazit
Der CRI ist ein einfaches, aber wichtiges Werkzeug bei der Auswahl von Studio- und Dauerlichtquellen. Ein Wert ≥ 90 ist in der Fotografie das Minimum; für Haut- und Modeaufnahmen zielst du auf ≥ 95. Prüfe bei LEDs immer auch den R9-Wert separat – er entscheidet über die Qualität der Rotfarben und damit der Hauttöne. Kein CRI-Wert ersetzt die eigene Sichtkontrolle unter deinen spezifischen Bedingungen.
Quellen
- CIE 13.3-1995: Method of Measuring and Specifying Colour Rendering Properties of Light Sources – Definition und Berechnungsverfahren des CRI.
- IES TM-30-20: IES Method for Evaluating Light Source Color Rendition – aktuellere Methode mit Rf und Rg.
- ISO 17321-1 – Colour characterization of digital still cameras: Spektralsensitivität und Lichtquellencharakteristik.
Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.
