Dauerlicht

Kurze Antwort

Dauerlicht (engl. continuous lighting) bezeichnet Kunstlichtquellen, die konstant und gleichmässig leuchten – im Gegensatz zum Blitz, der nur für einen Bruchteil einer Sekunde aufleuchtet. Du siehst das Licht, bevor du auslöst, und kannst es in Echtzeit beurteilen und korrigieren. Dauerlicht wird in Fotostudio, Video, Livestream und Porträtfotografie eingesetzt.

Dauerlicht auf einen Blick
Typen LED-Panel, Halogen-Wolfram, HMI-Brenner (auch: Leuchtstoff veraltet)
Vorteil gegenüber Blitz Licht sichtbar vor der Aufnahme, Video-tauglich, einfachere Einschätzung
Nachteil gegenüber Blitz Meist weniger Lichtleistung, Wärmeentwicklung (Halogen), Flicker-Risiko
Farbtemperatur LED Bi-Color einstellbar 2 700–6 500 K
Lichtformer Softbox, Octa, Schirm, Fresnel – dieselben wie beim Blitz
Wichtig für Video Flicker-Free (PWM ≥ 1 000 Hz oder DC-betrieben)

Dauerlicht hat in den letzten Jahren stark an Boden gewonnen – nicht weil es dem Blitz überlegen wäre, sondern weil LED-Dauerlicht heute Lichtleistungen erreicht, die früher nur Hochleistungsblitzen vorbehalten waren. Dazu kommt der grosse Vorteil für Video: Beim Filmen ist Dauerlicht schlicht unverzichtbar.

Dauerlicht-Typen und ihre Eigenschaften

LED-Dauerlicht

Heute der Standard für neue Setups. LED-Panels und LED-Flächenlichter sind energieeffizient, erzeugen kaum Wärme an der Lichtaustrittsfläche und lassen sich in Farbtemperatur und Helligkeit stufenlos regeln. Hochwertige Modelle (Aputure, Godox, Nanlite) erreichen CRI ≥ 95 und TLCI ≥ 90 – wichtig, damit Haut- und Stofffarben naturgetreu wiedergegeben werden.

Halogen-Wolfram

Warmweisses, sehr stetiges Licht mit CRI ≈ 100. Standard für Filmbühnen der analogen Ära und heute noch in manchen Theatern und älteren Fotostudios. Nachteil: hohe Wärmeentwicklung, hoher Energieverbrauch, begrenzte Lebensdauer. Farbtemperatur ca. 3 200 K – der klassische «Tungsten»-Look.

HMI (Hydrargyrum Medium-arc Iodide)

Tageslichtbalanciertes Dauerlicht (ca. 5 600 K) mit sehr hoher Lichtausbeute. Einsatz im Film und bei Werbeproduktionen, wo viel Licht im Aussenbereich nötig ist. HMI-Brenner benötigen ein Vorschaltgerät (Ballast) und sind nicht für Einsteiger gedacht.

Lichtausbeute (lm/W)LED ca. 80–180 lm/WHalogen ca. 15–25 lm/WHMI ca. 80–120 lm/WCRILED hochwertig: CRI 95–99Halogen: CRI ≈ 100HMI: CRI 85–95
LED ist heute energieeffizienter als Halogen und erreicht vergleichbare Lichtmengen bei weniger Wärme. Halogen bleibt CRI-Referenz (CRI ≈ 100).

Dauerlicht vs. Blitz: wann was?

Dauerlicht vs. Blitz im Direktvergleich
Kriterium Dauerlicht Blitz
Video Ideal Nicht möglich
Einschätzung vor Auslöser Live sichtbar Testblitz nötig
Lichtleistung Mittel bis hoch (LED) Sehr hoch (Studioblitz)
Wärme am Set Gering (LED) Keine
Einfrieren von Bewegung Nur via Belichtungszeit Kurze Blitzdauer (1/1000 s)

Lichtformer für Dauerlicht

Dieselben Lichtformer wie beim Blitz funktionieren auch am Dauerlicht: Softbox (weiches, gestreutes Licht), Okta (rundes, natürlicheres Licht), Beauty Dish (kontrastreicher, kontrollierter), Barndoors (gerichtetes Licht), Fresnel-Vorsatz (konzentrierter Lichtkegel). Das Mountingsystem muss kompatibel sein – Bowens-S-Mount ist heute de facto Standard.

Häufige Fragen

Kann ich Dauerlicht zusammen mit Tageslicht mischen?

Ja, aber du musst die Farbtemperaturen angleichen. Stelle LED auf 5 500–5 600 K (Tageslichtbalance), oder verdunkle das Fenster und verwende 3 200-K-LED für kontrollierte Wolfram-Atmosphäre. Gemischtes Licht ohne Angleich erzeugt unerwünschte Farbstiche.

Flimmert Dauerlicht beim Filmen?

Billige LEDs mit Pulsweiten-Modulation (PWM) unter 500 Hz flimmern sichtbar, wenn die Kameraverschlusszeit nicht auf die Netzfrequenz abgestimmt ist. Professionelle Modelle sind «Flicker Free» (PWM ≥ 1 000 Hz oder DC-betrieben). Prüfe dies vor dem Kauf.

Wie messe ich Dauerlicht?

Mit einem Belichtungsmesser im Licht-Einfallsmodus (Dome nach vorne, Richtung Licht). Alternativ über das Kamera-Histogramm – stelle manuell ein, bis du eine saubere Belichtung erhältst. Blitzmesser haben oft auch einen Dauerlicht-Modus.

Reicht Dauerlicht für Action-Fotografie?

Im Normalfall nicht, weil die Belichtungszeit die Bewegung einfrieren muss – und nicht die Blitzdauer. Bei genug Dauerlicht kannst du 1/1000 s bei ISO 400 erreichen, was für viele Sportmotive ausreicht. Für Studio-Sport ist Blitz aber effizienter.

Welches Dauerlicht empfiehlst du für Einsteiger?

Ein LED-Bi-Color-Panel (z. B. Godox SL150III, Nanlite Forza 60B) mit Softbox, dimmbar, CRI ≥ 95. Das reicht für Porträts, Produktfotos und Videointerviews, ist mobil, erzeugt keine Wärme und arbeitet an 220-V-Steckdose.

Fazit

Dauerlicht – insbesondere LED – ist 2026 die erste Wahl für Video, Content-Creation und Einsteiger-Studios. Die Echtzeit-Vorschau des Lichts macht das Einleuchten intuitiv. Für hohe Lichtleistung auf kleiner Fläche oder das Einfrieren von Bewegung bleibt der Blitz überlegen. Wer beides kann, hat das beste Werkzeug für jede Aufgabe.

Quellen

  1. CIE 13.3-1995 – Farbwiedergabe-Index (CRI) für künstliche Lichtquellen.
  2. SMPTE RP 168-2002 – Flicker-Messung für Film- und Videobeleuchtung (Grundlage für Flicker-Free-Tests).
  3. B. Peterson: Understanding Exposure, 4. Aufl. – Lichtgestaltung und Kunstlicht im Studio.

Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.

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