Die Glühlampe (Glühbirne) ist eine Lichtquelle, die elektrischen Strom durch einen Wolframfaden leitet, der dabei bis zur Weissglut erhitzt wird und Licht abstrahlt. Ihre Farbtemperatur liegt typisch zwischen 2 700 K und 3 200 K – das warme, leicht orange Licht macht sie in der Fotografie zum klassischen Kunstlicht-Standard, auch «Tungsten» oder «Glühlicht» genannt.
| Farbtemperatur | 2 700–3 200 K (warmweiss, gelblich-orange) |
|---|---|
| Farbwiedergabe CRI | ca. 100 – nahezu perfekte Spektralverteilung |
| Weissabgleich | Kamera-Preset «Tungsten / Glühlicht» (ca. 3 200 K) |
| Effizienz | ca. 5–15 lm/W (nur ≈ 5 % Licht, Rest Wärme) |
| In der EU | Seit 2012 schrittweise verboten (Ökodesign-Verordnung) |
| Ersatz | LED (gleiche Farbtemperatur möglich), Halogen |
Auch wenn klassische Glühbirnen in Europa nicht mehr verkauft werden dürfen, ist ihr Licht in der Fotografie omnipräsent: als Studiolampe (Konstantlicht), als Haushaltsrestlicht bei Reportagen und als Referenz-Farbtemperatur, auf die dein Kamera-Weissabgleich-Preset «Tungsten» ausgerichtet ist. Den Farbstich zu verstehen heisst, das Licht zu beherrschen.
Warum Glühlampen für Fotografen relevant bleiben
Die Glühbirne liefert das physikalisch nächste an einem «idealen schwarzen Körper» herankommende Licht – ein nahezu vollständiges, kontinuierliches Spektrum ohne Lücken. Deshalb ist der Farbwiedergabeindex (CRI) einer Glühlampe fast immer 100. Kein Farbton wird ausgelassen oder überbetont. Das macht Glühlampen für Studioaufnahmen präziser als viele LEDs mit CRI 80, die Rottöne in Haut und Stoff verfälschen können.
Farbtemperatur und Weissabgleich
Tungsten-Preset der Kamera
Fotografierst du unter Glühlampenlicht ohne Weissabgleichkorrektur, erscheinen weisse Flächen orange-gelblich. Das Kamera-Preset «Tungsten» (3 200 K) kompensiert das, indem es digital Blau hinzufügt und Rot reduziert. Das Ergebnis: weisses Papier erscheint weiss, Hauttöne natürlich. Ausser du willst den warmen Look bewusst beibehalten – dann lass die Kamera auf Tageslicht-Preset und geniesse die Atmosphäre.
Mischlichtsituationen
Schwieriger wird es, wenn Tageslicht durch das Fenster auf Glühlampenlicht trifft. Einen Kompromiss zu finden ist kaum möglich, ohne dass eine der Quellen verfärbt wirkt. Lösungen: Gel-Filter (CTO/CTB) auf Fenster oder Lampe kleben, um die Temperaturen anzugleichen; oder RAW fotografieren und in der Nachbearbeitung aufwändige selektive Korrekturen vornehmen.
Glühlampen im Fotostudio
- Konstantlichtsysteme: Ältere Studio-Konstantlichter mit Wolfram-Halogen arbeiten typisch bei 3 200 K. Modernes LED-Dauerlicht emuliert diese Farbtemperatur und ersetzt die heisse, energieintensive Glühbirne.
- Retro-Ambiente: Edison-Lampen (dekorative Filamentlampen) wirken extra warm (ca. 2 200 K) und erzeugen Stimmungsbilder mit sichtbaren Lichtquellen im Hintergrund – beliebt für Food- und Interior-Fotografie.
- Leuchtkasten-Beleuchtung: Für Dias und Repros wurden früher Kaltlichtspiegel-Halogenlampen eingesetzt, die das Wärmespektrum nach hinten reflektieren.
Häufige Fragen
Warum sind meine Bilder unter Glühlampenlicht so orange?
Glühlampen haben eine Farbtemperatur von ca. 2 700–3 200 K; Tageslicht liegt bei 5 500–6 500 K. Stellst du keinen passenden Weissabgleich ein, interpretiert die Kamera das warme Licht als Orangestich. Nutze das Preset «Tungsten» oder passe den Kelvin-Wert manuell an.
Kann ich heutige LED-Lampen als Glühlampenersatz im Studio nutzen?
Ja, wenn die LED einen CRI ≥ 95 und eine Farbtemperatur von 3 200 K aufweist. Billige LEDs mit CRI 80 verfälschen Rot- und Orangetöne spürbar – das fällt bei Porträts mit warmen Hauttönen auf.
Was ist der Unterschied zwischen Wolfram und Tungsten?
Beides bezeichnet dasselbe: Wolfram (chemisches Symbol W, engl. tungsten) ist das Material des Glühfadens. Im Fotografen-Jargon meint «Tungsten» die Lichtquelle selbst sowie das Kamera-Preset für ca. 3 200 K.
Warum liefert die Glühlampe CRI 100?
Ihr Spektrum ist lückenlos kontinuierlich, ähnlich der Sonne. Alle Wellenlängen des sichtbaren Lichts sind vorhanden. Der CRI-Wert misst, wie «vollständig» das Spektrum ist – 100 bedeutet perfekte Farbwiedergabe.
Kann Glühlampenlicht Bilder auf Belichtungszeit beeinflussen?
Ja: Bei sehr kurzen Belichtungszeiten (unter 1/100 s) und Netzfrequenz 50 Hz kann Lichtflimmern (Flicker) zu ungleichmässiger Belichtung führen. Problemloser sind Belichtungszeiten um 1/50 s oder länger – oder LED-Konstantlicht mit Flicker-Free-Zertifizierung.
Fazit
Die Glühlampe ist physikalisch veraltet, aber farblich noch immer ein Massstab: CRI 100, warmes Spektrum, vorhersehbare 3 200 K. Im Fotostudio ersetzt LED-Dauerlicht die heisse Wolframlampe, imitiert aber dieselbe Farbtemperatur. Verstehst du den Tungsten-Standard, behältst du auch unter modernen Kunstlichtquellen die volle Kontrolle über Weissabgleich und Farbwiedergabe.
Quellen
- CIE 13.3-1995 – Methode zur Messung und Angabe der Farbwiedergabeeigenschaften von Lichtquellen (CRI).
- EU-Verordnung (EG) Nr. 244/2009 – Ökodesign-Anforderungen für Haushaltslampen (schrittweises Glühlampen-Auslaufprogramm).
- Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics, 3. Aufl. – Farbtemperatur und spektrale Strahlungsverteilung.
Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.
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