Kleinbild, KB-Format

Kurze Antwort

Kleinbild (KB-Format) bezeichnet das 35-mm-Filmformat mit einer Sensorfläche von 36 × 24 mm – das weltweite Referenzmass für Brennweiten, Cropfaktoren und Schärfentiefe. Ob analoge Spiegelreflex oder moderne Vollformatkamera: Wer das KB-Format versteht, kann Bildwinkel, Tiefe und Äquivalenzwerte für jeden anderen Sensor berechnen.

Kleinbild (KB-Format) auf einen Blick
Sensorgrösse 36 × 24 mm (Diagonale 43,3 mm)
Seitenverhältnis 3 : 2
Cropfaktor 1,0 (Referenz für alle anderen Formate)
Typische Normalobjektiv-Brennweite 50 mm (entspricht ~47° Bildwinkel diagonal)
Stärken grosse Pixel, weite Schärfentiefe steuerbar, reiches Angebot
Herkunft 35-mm-Kinofilm (Leica I, 1925); digitales Vollformat ab 2002
Abkürzung KB, FF (Full Frame), 135-Format

Das Kleinbildformat entstand, als Oskar Barnack Anfang der 1920er Jahre den 35-mm-Kinofilm für Stillfotografie nutzte und damit die Leica I ermöglichte. Seitdem gilt 36 × 24 mm als Massstab: Brennweitenangaben auf Objektiven beziehen sich auf dieses Format. Ein 50-mm-Objektiv verhält sich «normal», ein 24 mm als Weitwinkel, ein 135 mm als leichtes Tele – jeweils am Kleinbildsensor. Wer mit APS-C oder Micro Four Thirds fotografiert, muss den Formatfaktor einrechnen, um vergleichbare Bildwinkel zu erhalten.

Crop- & Bildwinkel-Rechner

Wähle Sensor und Brennweite – der Rechner zeigt die Kleinbild-äquivalente Brennweite und den Bildwinkel.

Sensorgrösse
35 mm

8100400 mm
Kleinbild-äquivalente Brennweite
Bildwinkel diagonal
Diagonale
Bildwinkel horizontal
Breite
Hinweis: Der Cropfaktor verlängert nur den scheinbaren Bildausschnitt – die echte Brennweite und die Schärfentiefe-Optik bleiben gleich.

Geschichte: Vom Kinofilm zur Digitalkamera

Barnacks Konstruktion aus dem Jahr 1913 (Ur-Leica) war eine Reaktion auf schwere Plattenkameras: 35-mm-Film liess sich leichter transportieren und bot trotzdem genug Fläche für qualitativ hochwertige Vergrösserungen. Die Standardisierung auf 24 × 36 mm setzte sich in den 1930er Jahren durch. Als Nikon 2002 mit der D1x den Vollformatsensor kommerziell öffnete und Canon 2002 mit dem EOS-1Ds folgte, wurde das KB-Mass ins digitale Zeitalter überführt.

Warum 36 × 24 mm als Referenz?

Brennweitenäquivalenz

Jede Brennweitenangabe auf einem Objektiv ist physikalisch unveränderlich. Was sich ändert, ist der Bildausschnitt: Ein APS-C-Sensor (Cropfaktor 1,5) zeigt nur den mittleren Teil des Bildkreises und wirkt so, als würde man eine 75-mm-Brennweite am Vollformatsensor verwenden. Der Rechner oben hilft dir, diese Äquivalenz sofort zu berechnen.

Schärfentiefe und Sensorformat

Bei gleichem Bildausschnitt und gleicher Blende erzeugt Kleinbild eine knappere Schärfentiefe als kleinere Sensoren – weil du für denselben Bildausschnitt eine längere Brennweite oder eine kürzere Distanz brauchst. Das ist der Hauptgrund, warum Porträtfotografen das Vollformat schätzen.

Objektiv-Ökosystem

Das umfangreichste Angebot an Objektiven – sowohl alt als auch neu – ist auf 36 × 24 mm ausgelegt. Adapting älterer Kleinbild-Gläser an Vollformat-Spiegellosen ist heute Standardpraxis.

Kleinbild, APS-C und Mittelformat im Vergleich

Format Sensorgrösse (mm) Cropfaktor Stärke
Kleinbild / Vollformat 36 × 24 1,0 Referenz, beste Lichtausbeute pro Pixel
APS-C (Canon) 22,3 × 14,9 1,6 kompakt, kostengünstig
APS-C (Nikon/Sony) 23,5 × 15,6 1,5 verbreitet, gute Telekompression
Micro Four Thirds 17,3 × 13 2,0 kleinste Systemkamera-Klasse
Mittelformat (dig.) 44 × 33 0,79 höchste Auflösung, Werbefotografie

Praktische Tipps für Vollformatkameras

  • Objektivwahl: «Für Vollformat» markierte Objektive decken den vollen 43-mm-Bildkreis ab; APS-C-Objektive erzeugen am Vollformat oft dunkle Ecken.
  • Datenmenge: 45-Megapixel-Vollformatsensoren (z. B. Sony A7R V) produzieren RAW-Dateien über 80 MB – plane entsprechenden Speicher ein.
  • Tiefenschärfe-Kontrolle: Nutze den Rechner oben, um vor dem Shooting zu prüfen, wie knapp der scharfe Bereich bei f/2 und 85 mm wird.

Häufige Fragen

Ist Vollformat immer besser als APS-C?

Nicht pauschal. APS-C-Sensoren sind günstiger, leichter und bieten mit Teleobjektiven einen Reichweitenvorteil. Vollformat glänzt bei schwachem Licht, Freistellung und hohem Dynamikumfang.

Was bedeutet «KB-Äquivalent»?

Die umgerechnete Brennweite, die am Kleinbildsensor denselben Bildwinkel ergibt wie das Objektiv am kleineren Sensor. Ein 23-mm-APS-C-Objektiv hat eine KB-Äquivalenz von rund 35 mm.

Kann ich analoge Kleinbild-Objektive digital nutzen?

Ja, mit dem passenden Adapter – vorausgesetzt, der Auflagenmass-Unterschied ist gross genug. Viele spiegellosen Vollformatkameras (Sony E, Nikon Z, Leica M) unterstützen das via Adapter.

Was ist der Unterschied zwischen Kleinbild und Mittelformat?

Mittelformat nutzt grössere Sensoren (z. B. 44 × 33 mm oder grösser), was einen Cropfaktor unter 1 ergibt. Das bedeutet noch weiteren Bildwinkel bei gleicher Brennweite und noch mehr Detailauflösung.

Warum heisst es «Kleinbild», wenn Vollformat gross wirkt?

Historisch war 35 mm «klein» – verglichen mit den grossen Platten- und Mittelformatkameras der damaligen Zeit. Der Name blieb, obwohl Vollformat heute als Premium gilt.

Fazit

Kleinbild (KB-Format) ist das Koordinatensystem der Fotografie. Wer 36 × 24 mm als Ausgangspunkt kennt, kann Brennweiten, Bildwinkel und Schärfentiefe für jeden Sensor umrechnen. Nutze den Crop-Rechner oben, um sofort zu sehen, wie dein Objektiv an verschiedenen Sensorformaten wirkt.

Quellen

  1. Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics, 3. Aufl. – Brennweite, Bildwinkel und Cropfaktor.
  2. Leitz / Leica Camera AG: Unternehmensgeschichte und technische Spezifikationen der Ur-Leica (1913/1925).
  3. CIPA (Camera & Imaging Products Association): Sensorgrössennormen 2024.

Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.

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