Der Formatfaktor (auch Cropfaktor) ist das Verhältnis der Diagonale des Kleinbild-Vollformatsensors (43,3 mm) zur Diagonale des verwendeten Sensors – und gibt an, um wie viel der Bildausschnitt gegenüber Vollformat verkleinert wird. Ein APS-C-Sensor mit Faktor 1,5 zeigt nur den mittleren Bereich des Objektivbildkreises, was optisch wie eine 1,5-fach längere Brennweite wirkt.
| Berechnung | Diagonale Vollformat (43,3 mm) ÷ Diagonale Sensor |
|---|---|
| Vollformat | Faktor 1,0 – Referenz |
| APS-C (Nikon/Sony) | Faktor 1,5 |
| APS-C (Canon) | Faktor 1,6 |
| Micro Four Thirds | Faktor 2,0 |
| Brennweitenäquivalenz | Reale Brennweite × Cropfaktor = KB-Äquivalent |
| Schärfentiefe-Effekt | kleinerer Sensor → mehr Schärfentiefe bei gleichem Bildausschnitt |
Ein Objektiv erzeugt immer denselben Bildkreis – unabhängig vom Sensor. Was sich ändert, ist nur der Teil des Bildkreises, den der Sensor einfängt. Ein kleinerer Sensor schneidet den äusseren Bereich ab – daher «Crop». Das sieht aus wie ein Teleeffekt: Ein 50-mm-Objektiv an APS-C (Faktor 1,5) liefert denselben Bildausschnitt wie ein 75-mm-Objektiv am Vollformat. Die Brennweite selbst bleibt physikalisch 50 mm; sie ändert sich nicht. Nur der Ausschnitt wird kleiner.
Crop- & Bildwinkel-Rechner
Wähle Sensor und Brennweite – der Rechner zeigt die Kleinbild-äquivalente Brennweite und den Bildwinkel.
Formatfaktor und Schärfentiefe
Vorsicht: Der Cropfaktor beeinflusst die Schärfentiefe, aber nicht durch Magie. Die physikalische Schärfentiefe hängt von Blende, Brennweite und Abstand ab – das ändert sich nicht durch den Sensor. Was sich ändert: Um denselben Bildausschnitt zu erhalten, verwendest du am APS-C-Sensor eine kürzere Brennweite oder stehst weiter weg. Beides vergrössert die Schärfentiefe. Deshalb hat Micro Four Thirds bei gleichem Ausschnitt und gleicher Blende mehr Schärfentiefe als Vollformat.
Formatfaktor-Tabelle der wichtigsten Sensorformate
| Format | Sensorgrösse | Cropfaktor | Beispiel-Kameras |
|---|---|---|---|
| Mittelformat (dig.) | 53,7 × 40 mm | 0,79 | Hasselblad X2D, Fujifilm GFX 100S |
| Vollformat | 36 × 24 mm | 1,0 | Sony A7 IV, Canon EOS R6 II |
| APS-H | 27,9 × 18,6 mm | 1,3 | Canon EOS-1D (ältere Modelle) |
| APS-C (Nikon/Sony) | 23,5 × 15,6 mm | 1,5 | Nikon Z50, Sony A6700 |
| APS-C (Canon) | 22,3 × 14,9 mm | 1,6 | Canon EOS R10, Rebel-Serie |
| Micro Four Thirds | 17,3 × 13 mm | 2,0 | OM System OM-5, Panasonic G9 II |
| 1 Zoll | 13,2 × 8,8 mm | 2,7 | Sony RX100 VII, DJI Mavic 3 |
Vor- und Nachteile kleinerer Sensoren
- Vorteil Reichweite: Ein 400-mm-Objektiv am Micro-Four-Thirds-Sensor entspricht 800 mm KB-äquivalent – enormer Vorteil für Vogel- und Sportfotografie.
- Vorteil Kosten/Gewicht: Kleinere Sensoren brauchen kleinere Objektive – leichter und günstiger.
- Nachteil Lichtleistung: Kleinere Pixel (bei gleicher Megapixelzahl) sammeln weniger Licht – mehr Rauschen bei hohem ISO.
- Nachteil Freistellung: Mehr Schärfentiefe ist im Porträt kein Vorteil, wenn du Bokeh willst.
Häufige Fragen
Ändert der Cropfaktor die Brennweite des Objektivs?
Nein. Die physikalische Brennweite bleibt gleich. Der Cropfaktor beschreibt nur den Bildausschnitt – nicht die Optik des Objektivs.
Warum hat Canon APS-C Faktor 1,6 statt 1,5?
Canon verwendet einen leicht kleineren APS-C-Sensor (22,3 × 14,9 mm statt 23,5 × 15,6 mm bei Nikon/Sony). Daher entsteht ein anderer Cropfaktor. Historisch bedingt durch Canons Fertigungsdesign.
Lohnt sich Vollformat für Einsteiger?
Nicht zwingend. APS-C-Sensoren in der gehobenen Klasse (Sony A6700, Fujifilm X-T5, Nikon Z50 II) bieten sehr hohe Bildqualität. Vollformat lohnt sich, wenn du aktiv mit Lichtstärke, Freistellung oder Studioarbeit arbeitest.
Gilt der Cropfaktor auch für die Blende?
Für den Lichtdurchlass: Nein – f/2.8 ist f/2.8, unabhängig vom Sensor. Für die äquivalente Schärfentiefe beim gleichen Bildausschnitt: Ja – du kannst den Cropfaktor als Näherung für die Schärftentiefe-Äquivalenz nutzen.
Funktionieren Vollformat-Objektive an APS-C-Kameras?
Ja, meistens. Der Bildkreis des Vollformat-Objektivs überdeckt den kleineren APS-C-Sensor vollständig. Du nutzt nur den Mittelteil des Bildkreises – das kann sogar die Randschärfe verbessern.
Fazit
Der Formatfaktor ist das Übersetzungswerkzeug zwischen Sensorgrössen. Wer ihn versteht, kann Brennweitenäquivalente korrekt berechnen, weiss was «Reichweite» bei MFT bedeutet und trifft die Kamera-Objektiv-Wahl mit offenen Augen. Nutze den Rechner oben, um für jede Sensor-Brennweiten-Kombination das KB-Äquivalent und den Bildwinkel sofort abzulesen.
Quellen
- Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics, 3. Aufl. – Sensorformate und Brennweitenäquivalenz.
- CIPA DC-008: Spezifikation für Wechselobjektiv-Sensorsysteme (2022).
- Bob Atkins: «Crop Factor and Depth of Field», Photo.net Technical Reference (2023).
Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.
