Hasselblad ist ein schwedischer Kamerahersteller, der seit 1948 für seine Mittelformatsysteme bekannt ist und mit Kameras wie der 500-Serie und der X1D-Linie den Standard für höchste Bildqualität in der professionellen Fotografie setzt. Victor Hasselblad gründete das Unternehmen 1941 in Göteborg; die Kameras wurden von NASA-Astronauten auf dem Mond eingesetzt und gelten noch heute als Referenz für Detailtreue und Farbtiefe.
| Gründung | 1941, Göteborg (Schweden); Victor Hasselblad |
|---|---|
| Format | Mittelformat (Sensor ab ca. 44×33 mm bis 53,4×40 mm) |
| Ikonisches Modell | 500C (1957), 500CM – analoge Legende bis heute im Einsatz |
| Aktuell | X2D 100C (100 MP), X1D II 50C (50 MP), 907X (modular) |
| Bajonett | V-System (analog), H-System (digital), XCD (aktuell) |
| NASA-Einsatz | 1962 Mercury-Mission, 1969 Mondlandung (Apollo 11) |
Wenige Kameramarken stehen so für ein ganzes fotografisches Zeitalter wie Hasselblad. Die quadratischen 6×6-cm-Negative der analogen 500-Reihe und die 100-Megapixel-Sensoren der aktuellen X2D-Linie verkörpern dasselbe Versprechen: maximale Detailtreue, breiter Dynamikumfang und eine Farbwiedergabe, die Kleinbild-Systemen bei kritischen Aufnahmen deutlich überlegen ist.
Warum Mittelformat anders ist
Der entscheidende Unterschied liegt in der Sensorgrösse. Ein Hasselblad-Mittelformatsensor (53,4×40 mm beim X2D) ist rund 1,7-mal so gross wie ein Vollformatsensor (36×24 mm). Das ergibt:
- Mehr Pixel pro Fläche bei identischer Pixelgrösse – oder umgekehrt grössere Pixel bei gleicher Auflösung, was Rauschen reduziert.
- Grösserer Dynamikumfang – der X2D 100C erreicht laut Hasselblad 15 Blendenstufen, was bei schwierigem Mischlicht Spielraum in der Nachbearbeitung gibt.
- Charakteristische Schärfentiefe – bei gleichem Bildausschnitt stellt Mittelformat noch stärker frei als Vollformat. Portraits wirken dreidimensionaler.
Wichtige Modelle und ihre Geschichte
Analoge 500-Serie (1957–2013)
Die Hasselblad 500C war die erste vollständig modulare Mittelformatkamera: abnehmbarer Sucher, Filmmagazin, Objektiv – alles austauschbar im Feld. Die 6×6-cm-Negative erzwingen quadratische Bildkomposition und sind für viele Fotografen bis heute ein kreatives Denkwerkzeug. NASA nutzte die 500-Familie für alle Apollo-Missionen, was den Legendenstatus festigte.
H-System (1998–heute)
Das H-System brachte Autofokus und digitale Rückteile in die Mittelformat-Welt. H5D und H6D-100c mit 100 Megapixeln richteten sich an Studios und Werbefotografen, die grösste Druckformate oder brutale Ausschnittreserven brauchen.
X-System: kompaktes Mittelformat (2016–heute)
Mit der X1D (2016) erfand Hasselblad die spiegellose Mittelformatkamera neu: kompaktes Gehäuse, XCD-Bajonett, CMOS-Sensor. Der X2D 100C (2022) verbindet 100 MP mit Sensor-Bildstabilisierung (7 Stufen) und einem EVF mit 5,76 Millionen Punkten – das System hat Vollformat-Ergonomie mit Mittelformat-Bildqualität.
907X – modulares System
Das 907X-Gehäuse kombiniert das moderne CFV II 100C-Digitalrückteil mit den klassischen V-System-Objektiven. Wer eine analoge 500CM besitzt, kann sie durch das Rückteil digitalisieren – ein einzigartiges Konzept, das Sammler und Pragmatiker gleichermassen anspricht.
Typische Einsatzbereiche
- Mode und Werbung: maximale Detailtreue für grosse Printkampagnen; Farbtiefe setzt den Standard in der Beautyretusche.
- Architektur und Landschaft: 100-MP-Sensor erlaubt enorme Ausschnittreserven und Panorama-Zusammensetzungen.
- Porträt: dreidimensionale Bildwirkung durch grosse Sensorfläche und charakteristisches Mittelformat-Bokeh.
- Analoge Schwarz-Weiss-Fotografie: 500C mit Ilford HP5+ oder Kodak T-Max – eine Kombination, die nach wie vor in Fine-Art-Kreisen geschätzt wird.
Häufige Fragen
Was kostet ein aktuelles Hasselblad-System?
Der Einstieg ins X-System beginnt bei rund 6 500 CHF für den X1D II 50C (Gehäuse), dazu kommen XCD-Objektive ab ca. 1 700 CHF. Der X2D 100C kostet ca. 8 500 CHF. Das H-System und Studiosetups liegen deutlich höher. Analoge 500-Gehäuse sind gebraucht ab 1 000 CHF erhältlich.
Ist Hasselblad für Einsteiger geeignet?
Technisch ist das X-System so bedienbar wie eine moderne spiegellose Kamera. Das Preisargument bleibt aber: Wer die Bildqualitätsunterschiede in der Praxis ausschöpfen will, fotografiert für Print in grossen Formaten oder für Werbung mit hohen Qualitätsanforderungen. Für digitalen Content auf Bildschirmen reicht Vollformat vollständig.
Welches Bajonett und welche Objektive?
Das aktuelle XCD-Bajonett ist auf das X-System beschränkt. V-System-Objektive (für die 500-Serie) sind per Adapter an 907X verwendbar. H-System-Objektive benötigen den H-Adapter für eingeschränkte Kompatibilität. Für Neueinsteiger ist XCD die sinnvollste Wahl.
Hat Hasselblad Bildstabilisierung?
Ja, der X2D 100C hat als erstes Hasselblad-Modell Sensor-Shift-Stabilisierung (IBIS) mit bis zu 7 Blendenstufen. Ältere X1D-Modelle haben keine IBIS; hier stabilisieren nur wenige XCD-Objektive optisch.
Kann ich Hasselblad für Video nutzen?
Hasselblad-Kameras sind auf Fotografie optimiert. Videofunktionen sind vorhanden, aber eingeschränkt (kein 4K-Pro-Video wie bei dedizierten Hybridkameras). Wer primär filmt, ist mit anderen Systemen besser bedient.
Fazit
Hasselblad steht für das Premiumsegment der Fotografie – teuer, präzise und für bestimmte Anwendungen konkurrenzlos. Die analoge 500-Serie bleibt ein Kultgegenstand und ernsthaftes Arbeitswerkzeug; das X-System und die 907X bringen dieses Erbe in die digitale Gegenwart. Wer maximale Bildqualität für Druck und High-End-Werbung braucht, findet hier das richtige Werkzeug – wer auf Kosten achten muss, sollte ehrlich prüfen, ob der Mehrwert gegenüber Top-Vollformat-Kameras den Preisunterschied rechtfertigt.
Quellen
- Hasselblad: Offizielle Technische Datenblätter X2D 100C und X1D II 50C (2022/2023).
- Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics, 3. Aufl. – Mittelformat, Sensorgrösse und Abbildungsqualität.
- NASA Technical Reports – Kamerasysteme der Apollo-Missionen (1969).
Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.
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