Spiegelvorauslösung

Kurze Antwort

Die Spiegelvorauslösung (Mirror Lock-Up, MLU) ist eine DSLR-Funktion, die den Spiegel einige Sekunden vor der eigentlichen Belichtung hochklappt und damit kamerainterne Erschütterungen eliminiert. Sie ist besonders bei Langzeitbelichtungen, Makroaufnahmen und Teleaufnahmen auf dem Stativ unverzichtbar.

Spiegelvorauslösung auf einen Blick
Abkürzung MLU (Mirror Lock-Up)
Betrifft nur DSLR-Kameras mit mechanischem Spiegel; spiegellose Kameras brauchen sie nicht
Wartezeit typisch 1–3 Sekunden nach erstem Auslöserdruck, dann Belichtung
Vorteil eliminiert Spiegelschlag-Vibration, die das Bild bei 1/15 s bis 1/2 s unscharf macht
Kritischer Bereich Verschlusszeiten 1/15 s bis 2 s – hier ist Vibration am schädlichsten
Werkzeuge Stativ + Fernauslöser oder Kamera-Timer empfohlen

Die Spiegelvorauslösung löst ein spezifisches Problem: Wenn der Spiegel einer DSLR hochklappt, überträgt sich eine Mikrovibration auf das Gehäuse. Bei kurzen Zeiten ist das Bild längst fertig, bevor die Vibration klingt; bei sehr langen Zeiten ist sie nur ein winziger Anteil. Im kritischen Bereich zwischen 1/15 s und 2 s aber kann Spiegelschlag messbare Unschärfe erzeugen – auf Stativ, selbst bei perfekt fokussiertem Bild. MLU gibt der Vibration Zeit zum Abklingen, bevor der Verschluss öffnet.

Wann ist Spiegelvorauslösung wirklich notwendig?

Der kritische Zeitbereich

Die Vibration dauert ca. 0,3–0,5 Sekunden. Bei einer Belichtungszeit von 1/1000 s ist sie schon vorbei, bevor sie Schaden anrichten kann. Bei 10 Sekunden beträgt die Vibration nur 3–5 % der Belichtungszeit – kaum relevant. Im Bereich 1/15 s bis 2 s aber füllt die Vibration einen wesentlichen Teil der Belichtungszeit aus und erzeugt sichtbare Unschärfe – besonders bei langen Brennweiten und kleinen Details.

Typische Anwendungen

  • Makrofotografie: bei 1:1-Abbildung ist schon 0,1 mm Bewegung sichtbar.
  • Architektur und Landschaft auf Stativ: bei Dämmerungsbelichtungen im kritischen Zeitbereich.
  • Astronomie und Mondaufnahmen: Teleobjektive verstärken Vibrationen proportional zur Brennweite.
  • Wissenschaftliche Dokumentation: wenn höchste Reproduzierbarkeit gefragt ist.
Kritischer Bereich (MLU sinnvoll)1/1000 s1/60 s1/15 s1/4 s2 s10 s +
Spiegelschlag-Unschärfe tritt vor allem im Bereich 1/15 s bis 2 s auf. Davor und danach ist die Vibration zeitlich zu kurz oder zu unwichtig.

Spiegellose Kameras: MLU überflüssig?

Spiegellose Kameras (Sony Alpha, Nikon Z, Canon R) haben keinen physischen Spiegel – das Spiegelschlag-Problem existiert nicht. Stattdessen haben sie ein anderes Problem: der elektronische erste Verschlussvorhang (EFCS) kann bei bestimmten Schusszeiten und Blende durch «Rolling Shutter» Verzerrungen erzeugen. Für höchste Präzision auf dem Stativ ist bei spiegellosen Kameras der vollmechanische Verschluss die sicherste Wahl.

Fernauslöser oder Selbstauslöser-Timer?

Die beste Kombination: MLU aktivieren, dann Fernauslöser verwenden. Erster Druck: Spiegel hoch. Zweiter Druck nach 2 Sekunden: Belichtung. Alternativ: 2-Sekunden-Selbstauslöser der Kamera – einfacher, da kein Zubehör nötig. Für höchste Präzision und Reproduzierbarkeit empfiehlt sich ein kabelgebundener oder Funk-Fernauslöser, damit du die Kamera beim zweiten Auslösen gar nicht berühren musst.

Häufige Fragen

Wie aktiviere ich die Spiegelvorauslösung?

Meist im Kamera-Menü unter «Aufnahme» oder «Benutzereinstellungen». Bei Nikon heisst es «Spiegelverriegelung» (Mirror Lock-Up) unter Custom Setting. Bei Canon «Spiegelsperrung». Konsultiere die Bedienungsanleitung deines Modells – der Menüpfad variiert.

Brauche ich MLU bei Stativaufnahmen immer?

Nur im kritischen Zeitbereich 1/15 s bis 2 s. Bei sehr kurzen Zeiten (Sport, Action) oder sehr langen Zeiten (Sternenspuren, Nachtlandschaft über 10 s) ist MLU nicht notwendig. Bei Langzeitbelichtungen mit Fernauslöser ohne MLU reicht der 2-Sekunden-Selbstauslöser oft aus.

Verliert mein Akku durch MLU schneller?

Minimal. Der Spiegel hochgeklappt zu halten verbraucht etwas Strom, aber der Unterschied ist vernachlässigbar. Relevanter ist die Verschlusszeit – sehr lange Belichtungen (Bulb-Modus) belasten den Akku stärker.

Was ist der Unterschied zwischen MLU und EFCS?

MLU ist für DSLR – sie klappt den mechanischen Spiegel vor der Belichtung hoch. EFCS (Electronic Front Curtain Shutter) ist eine Funktion spiegelloser Kameras: Der erste Verschlussvorhang ist elektronisch, der zweite mechanisch – das reduziert Verschlusserschütterungen, ersetzt aber nicht vollständig den rein mechanischen Verschluss für höchste Präzision.

Kann ich MLU mit Serienaufnahmen kombinieren?

In der Regel nein – MLU schaltet die Serienaufnahme ab, da jede Aufnahme eine individuelle Spiegelverriegelung voraussetzt. MLU ist für Einzelaufnahmen auf Stativ gedacht, nicht für Serien-Fotografie.

Fazit

Spiegelvorauslösung ist eine spezifische Massnahme für ein spezifisches Problem: Spiegelschlag-Vibration im Zeitbereich 1/15 s bis 2 s auf Stativ. Wer DSLRs für Landschaft, Architektur, Makro oder Astro nutzt, sollte MLU kennen und gezielt einsetzen. Für spiegellose Kameras ist das Thema irrelevant – dort entscheidet EFCS vs. vollmechanisch für maximale Präzision.

Quellen

  1. Leslie D. Stroebel: View Camera Technique – Erschütterungsquellen und Bildschärfe bei Stativaufnahmen.
  2. Nikon Corporation: Bedienungsanleitung D800/D850, Kapitel Spiegelsperrung, 2012–2019.
  3. CIPA DC-007 – Messstandard für Bildstabilisierung in Kameras.

Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.

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