Streuscheibe

Kurze Antwort

Eine Streuscheibe ist ein halbdurchlässiges Panel aus Stoff, Kunststoff oder Glas, das zwischen Lichtquelle und Motiv platziert wird und hartes Licht in weiches, flächiges Licht verwandelt. Sie vergrössert die scheinbare Lichtquelle, baut Kontraste ab und erzeugt sanfte Schattenübergänge – unverzichtbar in Porträt-, Produkt- und Filmfotografie.

Streuscheibe auf einen Blick
Auch genannt Diffusor, Diffusionsscheibe, engl. diffusion panel
Funktion Vergrösserung der scheinbaren Lichtquelle → weicheres Licht
Materialien Weissgewebe (Silk), Milchplexiglas, Ripstop-Nylon, Folie
Typische Grössen 30 × 30 cm (Tisch) bis 120 × 180 cm (Studiorahmen)
Lichtverlust ca. 1–2 Blendenstufen, je nach Dichte
Kombination Softbox (integrierte Streuscheibe), Schirm, freistehender Rahmen
Preisspanne ab ca. CHF 15 (Folie) bis CHF 250 (Profi-Seidenrahmen)

Das Prinzip ist einfach: Je grösser die Lichtquelle im Verhältnis zum Motiv, desto weicher das Licht. Eine Streuscheibe verwandelt einen kleinen Blitz oder Spot in eine grosse, gleichmässig strahlende Fläche. Das Ergebnis sind sanfte Schatten, die das Motiv modellieren statt es zu zerschneiden – ein zentrales Gestaltungsmittel bewusster Lichtformung.

Wie eine Streuscheibe funktioniert

Hartes Licht kommt von einer kleinen, fernen Quelle und trifft das Motiv nahezu parallel. Die Schatten haben dann scharfe, harte Kanten. Wenn du eine Streuscheibe davor hältst, trifft das Licht die Scheibe aus einem Punkt, wird aber auf ihrer gesamten Fläche gestreut und verlässt sie in viele Richtungen. Das Motiv „sieht» jetzt eine grosse, flächige Quelle – und der Schatten wird weich.

Verhältnis Scheibengrösse zu Abstand

Die Weichheit hängt nicht nur von der physischen Grösse ab, sondern vom Verhältnis Scheibengrösse zu Motivabstand. Eine 60×60-cm-Scheibe direkt neben dem Gesicht (30 cm Abstand) ist aus Sicht des Motivs riesig und wirft fast keine Schatten. Dieselbe Scheibe 3 m entfernt wirkt nahezu punktförmig und liefert härteres Licht.

Spotharter SchattenStreuscheibeweicher Schatten
Links: kleiner Spot erzeugt harten, klar begrenzten Schatten. Rechts: Streuscheibe vergrössert die scheinbare Lichtquelle – der Schatten wird weich und läuft aus.

Arten von Streuscheiben

Weissgewebe (Silk/Ripstop)

Das gängigste Material für freistehende Rahmen und faltbare Scheiben. Ein- oder zweilagig erhältlich; mehr Lagen = weicheres, aber lichtschwächeres Licht. Leicht, faltbar, ideal für Location-Einsatz.

Milchplexiglas und Milchglas

Eingesetzt in Softboxen, Leuchtkästen und Studioblitzen als Frontdiffusor. Gleichmässigere Streuung als Gewebe, aber unhandlicher. Milchglas liefert die hochwertigste Lichttransmission.

Diffusionsfolie (Lee, Rosco)

Professionelle Bühnen- und Filmtechnik-Folien in Abstufungen von «1/4 White Diffusion» bis «Heavy White Frost». Du klebst sie direkt auf Leuchten oder spannst sie in einen Rahmen.

Streuscheibe vs. andere Lichtformer

Lichtformer Lichtcharakter Typischer Einsatz
Streuscheibe (gross) sehr weich, gleichmässig Porträt, Fashion, Beauty
Softbox weich, gerichteter Studio, Produkt
Schirm (silber) mittel-weich, breit Reportage, Event
Reflektor (bare) hart Dramatik, Kontrast

Streuscheibe im Praxiseinsatz

  • Aussenporträt: Eine grosse faltbare Streuscheibe (ca. 100 × 150 cm) dämpft direktes Sonnenlicht. Assistent hält sie zwischen Sonne und Motiv – sofort weiches, schmeichelhaftes Licht ohne Weissabgleichprobleme.
  • Produktfotografie: Zwei Scheiben seitlich leuchten das Objekt gleichmässig aus und eliminieren Glanzlichter auf Metallfl ächen und Flaschen.
  • Porträtstudio: Eine grosse Streuscheibe als Hauptlicht (engl. key light), kombiniert mit einem Reflektor als Aufhellung, ist das klassische Beauty-Setup.

Häufige Fragen

Wie viel Licht verliere ich durch eine Streuscheibe?

Je nach Dichte etwa 1 bis 2 Blendenstufen (1/2 bis 1/4 der Lichtmenge). Eine einfache Silk-Scheibe kostet rund 1 Stufe; professionelles «Heavy Frost»-Material bis zu 2 Stufen. Kompensiere mit mehr Leistung oder höherem ISO.

Kann ich eine Streuscheibe selbst bauen?

Ja. Ein weisses Bettlaken, weisses Seidenpapier oder semi-transparente Gardine in einem PVC-Rahmen erfüllt denselben Zweck. Für den gelegentlichen Einsatz vollkommen ausreichend.

Was ist der Unterschied zwischen Streuscheibe und Softbox?

Eine Softbox hat eine integrierte Streuscheibe als Frontpanel und ist direkt an den Blitz montiert. Eine freistehende Streuscheibe kann zwischen jede Lichtquelle und das Motiv gestellt werden – flexibler, aber weniger kompakt.

Brauche ich ein Stativ für die Streuscheibe?

Im Studio nutzt du einen Lichtständer mit Scheibenhalter. Draussen hält oft ein Assistent die Scheibe, weil der Wind freistehende Rahmen umwerfen kann. Sandsäcke am Ständerfuss sind Pflicht.

Funktioniert eine Streuscheibe auch mit Blitz (Speedlight)?

Ja. Befestige eine kleine Diffusionsfolie vor dem Blitzkopf oder platziere den Speedlight hinter einer grossen Scheibe. Der Blitz verliert zwar Leistung, wirft aber deutlich weichere Schatten.

Fazit

Die Streuscheibe gehört zu den wirkungsvollsten und günstigsten Lichtformern überhaupt. Sie verwandelt jede harte Lichtquelle in weiches, formendes Licht – und damit jede mittelmässige Lichtsituation in eine kontrollierbare. Verstehe das Grundprinzip (Scheibenabstand = Weichheit), wähle das richtige Material und du kannst schmeichelhaftes, professionelles Licht an jedem Ort erzeugen.

Quellen

  1. Josef Marchesi: Praxis der StudiofotografieLichtformer und Diffusion.
  2. Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics, 3. Aufl. – Lichtqualität und Lichtverteilung.
  3. Rosco Laboratories: Filter & Diffusion Catalogue – Transmissions- und Streuungswerte von Diffusionsfolien.

Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.

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