Ein Diffusor ist ein lichtstreuendes Material oder Gerät, das hartes, gerichtetes Licht in weiches, gleichmässiges Licht umwandelt – und damit harte Schatten eliminiert, Kontrast reduziert und Hauttöne schmeichelhafter erscheinen lässt. Er kann vor Blitzgeräten, Dauerlicht-Quellen oder Tageslichtquellen platziert werden und ist in der Portrait-, Studio- und Produktfotografie unverzichtbar.
| Physikalisches Prinzip | Lichtstreuung durch transluzentes Material |
|---|---|
| Wirkung | härtere Lichtwirkung → weichere Schatten, gleichmässigere Flächen |
| Bauformen | Softbox, Durchlichtschirm, faltbarer Reflektor, Diffusorfolie, Blitz-Bouncer |
| Lichtverlust | 1–2 EV je nach Material und Stärke |
| Grösse und Wirkung | grössere Diffusor-Fläche = weicheres Licht |
| Einsatz | Studio, Portrait, Produkt, Outdoor mit Reflektor |
Das Grundprinzip ist intuitiv: Eine Punktlichtquelle (Sonne, nackter Blitz, Scheinwerfer) wirft harte Schatten und erzeugt starke Glanzlichter auf glänzenden Oberflächen. Ein transluzentes Material zwischen Lichtquelle und Motiv streut das Licht und verwandelt die kleine Quelle in eine scheinbar viel grössere. Die Faustregel: Je grösser die Diffusor-Fläche im Verhältnis zum Abstand zum Motiv, desto weicher das Licht.
Bauformen im Überblick
Softbox
Ein Rahmen mit innerem Reflektor und einer transluzenten Frontfläche, in die ein Blitz oder Dauerlicht eingesetzt wird. Die beliebteste Studioform: gleichmässiges Licht, definierte Catchlights, Einsatz mit Stativ. Grosse Softboxen (120×80 cm und grösser) erzeugen einen filmischen Look; oktagonale Softboxen («Octoboxen») ein rundes Auge-Catchlight.
Durchlichtschirm
Ein weisser, transluzenter Schirm, durch den der Blitz auf das Motiv strahlt. Grosse Streuung, sehr weiches Licht, einfach auf- und abbaubar. Nachteil: schwer zu positionieren, Licht strahlt auch seitlich – weniger kontrollierbar als eine Softbox.
Faltbarer Diffusor (Lastolite, California Sunbounce)
Tragbare Scheibe aus transluzenter weisser oder silberner Folie, ideal für Outdoor-Portrait und Reportage. Eine Seite streut; die andere reflektiert. Wichtig: Am Fensterlicht oder als Gegenstück zum natürlichen Licht einzusetzen.
Diffusorfolie und Blitz-Bouncer
Dünne, flexible Folien für die Frontscheibe von Aufsteckblitzen. Minimalausrüstung mit merklichem Effekt. Günstig und immer dabei – ideal für spontane Innen-Aufnahmen, wenn kein Studioaufbau möglich ist.
Lichthärte und Diffusor-Fläche
Das Verhältnis von Diffusor-Fläche zu Motivabstand bestimmt die Lichthärte. Die Tabelle zeigt typische Kombinationen:
| Diffusor-Grösse | Abstand zum Motiv | Lichthärte |
|---|---|---|
| 60×60 cm Softbox | 1 m | mittel-weich |
| 120×80 cm Softbox | 1 m | sehr weich |
| 30 cm Aufsteckblitz-Diffusor | 2 m | mittel-hart |
| Durchlichtschirm 100 cm | 1.5 m | weich |
Diffusor und Kameraeinstellungen
Jeder Diffusor schluckt Licht – typisch 1–2 Stufen (EV). Das heisst: Du musst Blitzleistung erhöhen, ISO anheben oder Blende öffnen, um die Belichtung auszugleichen. Viele Fotografen messen mit einem Blitzmessgerät neu, nachdem sie die Diffusor-Konfiguration geändert haben.
Häufige Fragen
Muss ich einen Diffusor immer direkt vor der Lichtquelle platzieren?
Nicht zwingend. Du kannst auch an die Decke oder eine weisse Wand bounten – die Fläche wirkt dann als natürlicher Diffusor. Das Prinzip ist dasselbe: grosse, indirekte Lichtfläche statt kleine, direkte Quelle.
Kann ich einen Diffusor im Freien bei Sonne nutzen?
Ja. Ein grosser faltbarer Diffusor zwischen Sonne und Modell verwandelt das harte Mittagslicht in weiches Fensterlicht. Das braucht eine zweite Person oder einen Stativarm zum Halten.
Wie stark ist der Lichtabfall durch einen typischen Diffusor?
Bei einer einfachen Softbox 1–1.5 EV, bei starkem Diffusorgewebe bis zu 2 EV. Kompensiere durch mehr Leistung am Blitz oder durch ein Öffnen der Blende.
Kann ein Diffusor das Licht farblich verändern?
Weisses Diffusormaterial ist weitgehend farblich neutral. Günstige Folien können minimal gelbstichig sein. Fotografiere in RAW – der Weissabgleich lässt sich dann in der Nachbearbeitung exakt korrigieren.
Wie gross sollte eine Softbox für Kopf-Schulter-Portraits sein?
Für natürliches, weiches Licht bei Kopf-Schulter-Aufnahmen empfiehlt sich eine Softbox von mindestens 60×60 cm, platziert 60–80 cm vom Gesicht entfernt. Grösser ist fast immer schöner.
Fazit
Der Diffusor ist die wirkungsvollste Massnahme zwischen hartem und schönem Licht. Ob einfache Folie am Aufsteckblitz oder grosse Oktobox im Studio – das Prinzip ist immer dasselbe: die wahrgenommene Grösse der Lichtquelle vergrössern. Kein Objektiv und keine Nachbearbeitungs-App ersetzt gutes Licht; ein Diffusor ist der schnellste Weg dorthin.
Quellen
- L. Salvati: Light: Science and Magic, 4. Aufl. – Lichtphysik, Diffusion und Kontrolle in der Fotografie.
- Bryan Peterson: Understanding Exposure, 4. Aufl. – Blitzlicht, Modifikatoren und Diffusoren in der Praxis.
- ISO 17321-1 – Colorimetrie und Weissabgleich bei diffusem Licht.
Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.
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