Zwischenringe sind hohle Metallringe ohne optische Elemente, die zwischen Kameragehäuse und Objektiv montiert werden und den Abbildungsmassstab erhöhen – ideal für günstige Makrofotografie. Durch den grösseren Abstand zwischen Linse und Sensor kann das Objektiv näher an das Motiv, was kleinste Details in voller Grösse oder sogar vergrössert abbildet. Der Abbildungsmassstab steigt mit der Ringlänge; bei 50 mm Brennweite und 50 mm Ringlänge erreicht man Massstab 1:1.
| Englische Bezeichnung | Extension tubes |
|---|---|
| Optische Elemente | keine – rein mechanisch |
| Abbildungsmassstab | steigt mit Ringlänge; Formel: M = Ringlänge / Brennweite |
| Lichtverlust | ca. 1–2 Blendenstufen je nach Ringlänge und Brennweite |
| Autofokus | nur mit elektronischen Zwischenringen; MF-Ringe deaktivieren AF |
| Preis | günstiger als Makroobjektiv (30–150 CHF für Sets) |
Wer in die Makrofotografie einsteigen möchte, ohne sofort ein teures Makroobjektiv zu kaufen, greift oft zu Zwischenringen. Sie funktionieren mit fast jedem vorhandenen Objektiv und erfordern keine neue Optik. Der Nachteil: Das Objektiv kann nur noch Nahaufnahmen machen – Fokus auf Unendlich ist nicht mehr möglich.
Funktionsprinzip
Warum wächst der Abbildungsmassstab?
Ein Objektiv ist für bestimmte Objekt-Bild-Abstände optimiert. Durch den Zwischenring verlängerst du den Abstand zwischen Linse und Sensor. Das Licht, das ursprünglich auf einen kleinen Sensor-Ausschnitt fokussiert hätte, wird nun über eine grössere Fläche ausgedehnt – das Bild wird grösser, das Bildfeld kleiner. Die Naheinstellgrenze des Objektivs sinkt, du kannst näher ran.
Lichtverlust berechnen
Mit Zwischenringen geht Licht verloren. Die Faustregel: Lichtverlust (EV) = 2 × log₂(1 + Ringlänge/Brennweite). Bei 25-mm-Ring und 50-mm-Objektiv verlierst du rund 1,6 EV – das bedeutet kürzere Belichtungszeiten oder höheres ISO. Kameras mit TTL-Messung kompensieren das automatisch.
Manuelle vs. elektronische Zwischenringe
| Merkmal | Manuell | Elektronisch |
|---|---|---|
| Preis | günstig (10–40 CHF) | teurer (50–150 CHF) |
| Autofokus | nicht möglich | möglich (eingeschränkt) |
| EXIF-Daten | keine Übertragung | Brennweite, Blende übertragen |
| Bildstabilisator | deaktiviert | aktiv (bei Objektiv-IS) |
| Material | oft Kunststoff | meist Metall, präziser |
Kombination mit verschiedenen Objektiven
Kurze Brennweiten (24–50 mm)
Grosse Wirkung schon bei kurzen Ringen. Der Nachteil: Der Abstand zum Motiv schrumpft stark, was bei lebenden Motiven (Insekten) das Licht blockiert. Ein Ringlicht oder LED-Makrolicht schafft Abhilfe.
Teleobjektive (85–200 mm)
Längere Brennweiten brauchen längere Ringe für den gleichen Massstab. Der Vorteil: Du bleibst weiter vom Motiv entfernt und hast mehr Spielraum beim Beleuchten. Ideal für scheue Insekten oder giftige Pflanzen.
Makroobjektive
Mit Zwischenringen unter ein 100-mm-Makroobjektiv erreichst du Massstäbe über 1:1 – also Vergrösserungen. Das ist nützlich für Elektronik-Makros, Münzen oder Kristallstrukturen.
Häufige Fragen
Verlieren Zwischenringe die Bildqualität?
Welchen Ringlänge brauche ich für Massstab 1:1?
Ringlänge muss gleich der Brennweite sein: 50-mm-Objektiv → 50-mm-Ring; 100-mm-Objektiv → 100-mm-Ring. Sets mit drei Ringen (12 + 20 + 36 mm) decken viele Kombinationen ab.
Kann ich mit Zwischenringen auf Unendlich fokussieren?
Nein. Mit Zwischenringen lässt sich das Objektiv nur noch auf kurze Distanzen einstellen. Nimm den Ring ab, wenn du normal fotografieren möchtest.
Brauche ich ein Stativ?
Dringend empfohlen. Bei Abbildungsmassstäben von 1:1 vergrössert schon das geringste Verwackeln das Bild sichtbar. Ein schweres Stativ, Fernauslöser und der Spiegelvoranschlag (DSLR) oder elektronischer Verschluss (CSC) minimieren Unschärfen.
Sind Zwischenringe für alle Kamerasysteme erhältlich?
Ja, für Canon EF/RF, Nikon F/Z, Sony E, Fujifilm X, MFT und andere. Achte auf das richtige Bajonett und – bei elektronischen Ringen – auf Chip-Kompatibilität mit deiner Kamera.
Fazit
Zwischenringe sind ein kosteneffizientes Einstiegsmittel in die Makrofotografie. Sie erfordern kein neues Objektiv und liefern keine optische Kompromisse. Der Lichtverlust und das fehlende Unendlich-Fokus sind die einzigen Einschränkungen. Wer regelmässig Makros macht, wird irgendwann zum Makroobjektiv wechseln – bis dahin leisten Zwischenringe zuverlässige Dienste.
Quellen
- Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics, 3. Aufl. – Nahdistanz-Optiken und Abbildungsmassstab.
- H. M. Merklinger: The Ins and Outs of Focus – Grundlagen zu Naheinstellgrenze und Massstab.
Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.
