Astrofotografie: Sterne und Milchstrasse fotografieren

Astrofotografie: Sterne und Milchstrasse fotografieren

Astrofotografie ist die Aufnahmetechnik, mit der Sterne, Planeten und die Milchstrasse sichtbar werden, die dem blossen Auge oft nur als schwacher Schimmer erscheinen. Eine Kamera sammelt dafür über mehrere Sekunden Licht, das dem Auge verborgen bleibt, und macht so aus einem dunklen Himmel ein Bild voller Details.

Wer im Sommer 2026 an einem klaren Abend nach oben schaut, ahnt bereits, wie viel eine mehrsekündige Belichtung zusätzlich einfangen kann.

Grundlagen der Astrofotografie

Wer in die Astrofotografie einsteigen will, braucht kein Teleskop und keine teure Spezialausrüstung. Eine Systemkamera oder Spiegelreflexkamera mit manuellem Modus, ein stabiles Stativ und ein Objektiv mit einer Lichtstärke von f/2.8 oder heller reichen für die ersten Aufnahmen der Milchstrasse völlig aus. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Blende, ISO und Verschlusszeit, dem sogenannten Belichtungsdreieck, damit einzelne Sterne noch als Punkte statt als Striche erscheinen. Als Faustregel gilt die 500er-Regel: 500 geteilt durch die Brennweite ergibt die maximale Belichtungszeit in Sekunden, bevor die Erdrotation die Sterne sichtbar verwischt. Auch die Bildkomposition entscheidet mit, wie eindrücklich das Ergebnis wirkt; Grundregeln dazu liefert unser Beitrag Bildkomposition: Gestaltungsregeln für bessere Fotos.

Astrofotografie in Zahlen1BlendeSo offen wie möglichf/1.4 bis f/2.8 sammeln maximal Lichtfür kurze Belichtungszeiten am Himmel2ISOHoch, aber sauber1600 bis 6400 für Sterne ohne Rauschenmoderne Sensoren rauschen deutlich weniger3Verschlusszeit500er-Regel nutzen500 geteilt durch Brennweite in mmergibt maximale Sekunden Belichtung4PerseidenMaximum im AugustNacht 12. auf 13. August 2026bis zu 100 Sternschnuppen pro Stundesinar.ch

Ausrüstung, Kameraeinstellungen und die beste Nacht

Für den Einstieg genügt ein Weitwinkelobjektiv zwischen 14 und 24 Millimetern, das einen möglichst grossen Ausschnitt des Nachthimmels einfängt. Die Blende wird komplett geöffnet, der ISO-Wert liegt meist zwischen 1600 und 6400, und der Fokus wird manuell auf unendlich oder auf einen hellen Stern gestellt, da der Autofokus in der Dunkelheit fast immer versagt. Wer generell bei wenig Licht fotografieren möchte, findet ergänzende Technik-Tipps in unserem Artikel Available Light: Fotografieren bei wenig Licht. Ein Fernauslöser oder der eingebaute Selbstauslöser verhindert zusätzlich Verwacklungen durch den Fingerdruck. Besonders lohnend wird die Nacht vom 12. auf den 13. August 2026: Dann erreichen die Perseiden ihr Maximum, und bei klarem Himmel und wenig Lichtverschmutzung sind bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde sichtbar, wie Prognosen von Sternwarten zeigen. Wer die Kamera auf einem Stativ mehrere Minuten lang Serienbilder aufnehmen lässt, kann daraus im Nachhinein sogar eine Komposit-Aufnahme mit vielen Meteorspuren zusammensetzen, eine Technik, die eng mit der klassischen Langzeitbelichtung verwandt ist.

Den passenden dunklen Ort finden

Der grösste Feind der Astrofotografie ist nicht die Kameratechnik, sondern das Streulicht der Städte. Laut einer vielzitierten Untersuchung des italienischen Lichtforschers Fabio Falchi aus dem Jahr 2016 sehen rund 60 Prozent der Europäerinnen und Europäer die Milchstrasse von zuhause aus nur noch stark eingeschränkt oder gar nicht mehr. Für ein gelungenes Foto lohnt sich deshalb die Fahrt in die Berge, auf eine Alp oder an einen See ausserhalb der Ortschaften, wo der Himmel spürbar dunkler wird. Eine kostenlose Lichtverschmutzungskarte im Internet zeigt, welche Orte in der Nähe am wenigsten künstliches Licht abbekommen. Auch die Mondphase entscheidet mitunter über den Erfolg: In den Nächten rund um Neumond ist der Himmel am dunkelsten, und selbst schwache Sterne sowie die zarten Strukturen der Milchstrasse treten deutlich hervor. Wer zusätzlich mehrere Aufnahmen übereinanderlegt, kann das Bildrauschen reduzieren und noch feinere Details herausarbeiten.

FAQ

Braucht man für Astrofotografie ein Teleskop?

Nein, für die ersten Aufnahmen der Milchstrasse oder von Sternspuren genügt eine normale Kamera mit Stativ und einem lichtstarken Objektiv völlig. Ein Teleskop wird erst interessant, wer einzelne Planeten oder weit entfernte Galaxien stark vergrössert festhalten möchte.

Welche ISO-Einstellung eignet sich für Sternenhimmel-Fotos?

Die meisten Aufnahmen gelingen mit einem ISO-Wert zwischen 1600 und 6400. Moderne Kamerasensoren rauschen bei diesen Werten deutlich weniger als noch vor einigen Jahren, sodass sich auch höhere Werte für dunkle Motive lohnen.

Wie stellt man in der Dunkelheit richtig scharf?

Der Autofokus findet in der Nacht meist keinen Kontrastpunkt. Deshalb wird manuell auf unendlich fokussiert oder die Kamera per Live-View auf einen hellen Stern oder Planeten scharfgestellt, bevor die eigentliche Aufnahme entsteht.

Wann ist die Milchstrasse in der Schweiz am besten sichtbar?

Zwischen den Frühlings- und Herbstmonaten steht das helle Zentrum der Milchstrasse in klaren, mondlosen Nächten günstig am Himmel. Bergregionen mit wenig künstlichem Licht bieten dafür die besten Bedingungen.

Fazit

Astrofotografie verlangt weniger teure Technik als oft angenommen, dafür aber Geduld, Dunkelheit und die richtige Nacht. Mit Stativ, lichtstarkem Objektiv und den passenden Werten aus Blende, ISO und Verschlusszeit gelingt schon der erste Versuch, auch ganz ohne Teleskop. Wer sich am Kalender der Meteorströme und an der Mondphase orientiert, plant die nächste klare Nacht gezielter statt spontan. Am wirkungsvollsten bleibt eine kurze Checkliste vor dem Aufbruch: vollgeladener Akku, leere Speicherkarte, Fernauslöser und ein Blick auf die aktuelle Lichtverschmutzungskarte.

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