Abbildungsfehler sind optische Unvollkommenheiten, die ein Objektiv daran hindern, ein ideal scharfes, verzerrungsfreies und farbgetreues Bild zu erzeugen. Sie entstehen durch die Physik der Lichtbrechung und Fertigungstoleranzen. Die meisten Abbildungsfehler lassen sich durch Objektivdesign minimieren oder nachträglich in der Software korrigieren – vollständig eliminieren lässt sich kein reales Objektiv davon.
| Englisch | lens aberration / optical aberration |
|---|---|
| Haupttypen | chromatische Aberration, Verzeichnung, Vignettierung, Koma, Astigmatismus, sphärische Aberration |
| Ursache | Lichtbrechung, Wellenlängenabhängigkeit, Linsengeometrie |
| Sichtbar bei | offener Blende, hohem Kontrast, Randbereich des Bildkreises |
| Korrektur | Abblenden, asphärische Linsen, ED-Glas, Softwarekorrektur |
| Norm | ISO 15795 – Prüfverfahren für Abbildungsfehler |
Kein Objektiv ist perfekt. Selbst hochwertige Festbrennweiten zeigen bei offener Blende messbare Fehler. Wer die wichtigsten Typen kennt, kann gezielt abblenden, die richtige Optik wählen und weiss, welche Artefakte sich im Nachhinein beheben lassen – und welche nicht.
Die sechs wichtigsten Abbildungsfehler
Chromatische Aberration (CA)
Verschiedene Wellenlängen des Lichts werden unterschiedlich stark gebrochen. Das Ergebnis sind farbige Säume – meist lila oder grün-gelb – an kontrastreichen Kanten (Äste gegen Himmel, helle Lampen auf dunklem Hintergrund). Man unterscheidet:
- Längs-CA (axiale CA): Farbsäume über das gesamte Bild, sichtbar auch in der Bildmitte. Verschwindet beim Abblenden.
- Quer-CA (laterale CA): Farbversatz am Bildrand, bleibt beim Abblenden bestehen. Gut korrigierbar per Software (Lightroom Objektivkorrektur).
ED-Glas (extra-low dispersion) und Apochromate reduzieren chromatische Aberration erheblich. Mehr dazu unter Apochromat.
Verzeichnung
Gerade Linien erscheinen im Bild als Kurven. Zwei Typen:
- Kissenverzeichnung: Kanten biegen sich nach innen (typisch für Teleobjektive).
- Tonnenverzeichnung: Kanten wölben sich nach aussen (typisch für Weitwinkel). Sehr ausgeprägt bei Fischauge-Optiken.
Verzeichnung ist nahezu vollständig per Software korrigierbar, oft sogar automatisch über Objektivprofile in Lightroom und Capture One.
Vignettierung
Die Ecken und Ränder des Bildes erscheinen dunkler als die Mitte. Ursachen sind optische Vignettierung (Lichteinfallswinkel) und mechanische Vignettierung (Filtergewinde, Gegenlichtblende). Bei offener Blende am stärksten, verschwindet beim Abblenden weitgehend. Fotografen setzen Vignettierung auch bewusst ein, um das Auge zum Bildmittelpunkt zu führen.
Koma
Punktförmige Lichtquellen im Randbereich erscheinen wie Kometenschweife oder «Seagull»-Artefakte. Besonders störend in der Astrofotografie. Koma ist bei offener Blende am schlimmsten und lässt sich durch Abblenden deutlich reduzieren.
Sphärische Aberration
Randstrahlen werden stärker gebrochen als achsnahe Strahlen, wodurch ein einziger Fokuspunkt nicht existiert. Das Ergebnis ist ein «weicher» Look bei offener Blende, den manche Porträtfotografen als ästhetisch schätzen. Moderne asphärische Linsenelemente korrigieren diesen Fehler weitgehend.
Astigmatismus
Linien in verschiedenen Orientierungen (horizontal/vertikal) liegen in unterschiedlichen Fokusebenen. Sterne erscheinen als Striche statt als Punkte. Hochwertiges Objektivdesign mit mehreren Linsengruppen hält Astigmatismus im Rand unter Kontrolle.
Korrektur: was geht, was nicht geht
| Fehler | Kamera (Abblenden) | Software | Vollständig korrigierbar? |
|---|---|---|---|
| Quer-CA | kaum | sehr gut | ja |
| Längs-CA | ja | gut | weitgehend |
| Verzeichnung | nein | sehr gut | ja |
| Vignettierung | ja | sehr gut | ja |
| Koma | ja | schwierig | nein |
| Sphär. Aberration | ja | begrenzt | nein |
Häufige Fragen
Warum sind teure Objektive schärfer?
Weil sie mehr und besser korrigierte Linsenelemente (asphärisch, ED-Glas, Fluorit) verwenden, die die wichtigsten Abbildungsfehler über den gesamten Bildkreis und bei offener Blende kontrollieren. Günstige Optiken zeigen dieselben Fehler deutlich stärker.
Wann sind Abbildungsfehler am schlimmsten?
Immer bei offener Blende und im Randbereich. Beim Abblenden auf f/5.6–f/8 verschwinden Vignettierung, Koma und sphärische Aberration bei den meisten Objektiven stark.
Helfen Objektivprofile wirklich?
Ja. Software-Profile (Lightroom, Capture One, DxO) korrigieren Verzeichnung und Vignettierung zuverlässig. Chromatische Aberration lässt sich ebenfalls gut automatisch reduzieren. Koma und sphärische Aberration lassen sich nur begrenzt nachträglich beheben.
Was ist der Unterschied zwischen Abbildungsfehler und Beugung?
Kann man Abbildungsfehler kreativ nutzen?
Ja. Sphärische Aberration erzeugt bei offener Blende einen weichen «Glow», den Porträtfotografen schätzen. Vignettierung lenkt den Blick auf die Bildmitte. Es gibt sogar Objektive (z. B. Lensbaby), die Aberrationen bewusst als Stilmittel einsetzen.
Fazit
Abbildungsfehler sind unvermeidbar, aber beherrschbar. Wer die Typen kennt, wählt die richtige Blende, das passende Objektiv und setzt Softwarekorrektur gezielt ein. Für kritische Aufgaben – Architektur, Produkt, Astrofotografie – lohnt sich die Investition in Optiken mit höherer Korrektionsqualität. Für kreative Arbeit können Aberrationen durchaus ein Stilmittel sein.
Quellen
- Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics, 3. Aufl. – Typen und Korrektionsverfahren optischer Aberrationen.
- ISO 15795:2002 – Optik und optische Instrumente: Prüfverfahren für Abbildungsfehler von Objektiven.
- Warren J. Smith: Modern Optical Engineering, 4. Aufl. – Seidel-Aberrationen und Designprinzipien.
Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.
