Ein Blendenstern entsteht, wenn helle Lichtquellen durch eine stark geschlossene Blende fotografiert werden und das Licht an den Blendenlamellen gebeugt wird – das Ergebnis sind strahlenartige Spitzen um Lichtpunkte im Bild. Anzahl und Schärfe der Strahlen hängen direkt von der Blendengeometrie ab. Wer Blende, Belichtung und Standort richtig kombiniert, erzielt den Effekt gezielt.
| Physikalische Ursache | Beugung des Lichts an den Kanten der Blendenlamellen |
|---|---|
| Blendenwert | f/11–f/22 für deutliche Sterne; ab f/8 erste Ansätze |
| Strahlenzahl | geradzahlig = Lamellenanzahl; ungeradzahlig = doppelte Lamellenanzahl |
| Beste Lichtquellen | Sonne, Strassenlampen, Scheinwerfer, Lichtreflexe |
| Gegenlicht | Sonnenstern am Horizont = klassische Anwendung |
| Risiko | Beugung reduziert Detailschärfe – Kompromiss mit Gesamtschärfe |
| Kein Filter nötig | reiner Kameraeffekt, kein Star-Filter notwendig |
Der Blendenstern ist ein optisches Phänomen, das sich mit nahezu jeder Kamera und jedem Objektiv erzeugen lässt – solange das Objektiv eine Blende mit mehreren Lamellen hat. Das Prinzip ist rein physikalisch: Licht weicht an einer Kante aus (Beugung) und interferiert, was zu den charakteristischen Strahlen führt. Je gleichmässiger die Lamellen angeordnet sind, desto symmetrischer der Stern.
Blenden- & Belichtungsrechner
Wähle eine Ausgangsbelichtung und eine neue Blende – der Rechner zeigt, welche Verschlusszeit die Helligkeit gleich hält.
Wie der Blendenstern entsteht
Beugung an den Lamellenrändern
Wenn Licht an einer scharfen Kante vorbeiläuft, weicht es leicht von der Geraden ab – das nennt sich Beugung (Diffraktion). Bei einer kleinen Blendenöffnung passiert das Licht sechs, sieben oder mehr Lamellenränder gleichzeitig. Die gebeugten Lichtstrahlen interferieren und erzeugen charakteristische Strahlen, die sternförmig von einer Lichtquelle ausgehen. Wie viele Strahlen du siehst, hängt von der Lamellenanzahl ab:
- Gerade Lamellenanzahl (z. B. 6): Du siehst genau 6 Strahlen.
- Ungerade Lamellenanzahl (z. B. 7 oder 9): Du siehst die doppelte Zahl – also 14 oder 18 Strahlen.
Warum ab f/11?
Bei offener Blende ist die Öffnung kreisförmig und gross – Beugungseffekte sind minimal. Erst wenn die Blende stark geschlossen wird und die Lamellen sichtbar ins Bild ragen, entstehen die Kanten, an denen Beugung auftritt. Bei f/8 beginnen leichte Strahlen, bei f/11–f/16 sind sie deutlich, bei f/22 sehr ausgeprägt – aber auch die Beugungsunschärfe im Bild nimmt zu.
Blendenstern gezielt erzeugen
Standort und Lichtquelle
Funktioniert am besten, wenn eine helle Lichtquelle direkt im Bild sichtbar ist: Sonne knapp über dem Horizont, Strassenlampen bei Nacht, Lichtreflexe auf Wasser oder Chrom. Die Lichtquelle muss klein und punktförmig wirken – je kleiner, desto definierter der Stern.
Gegenlicht und Sonnenstern
Der klassische Sonnenstern entsteht, wenn du die Sonne teilweise hinter einem Gebäude, Baum oder Bergkamm versteckst. Die Spitze der Sonnenscheibe ragt heraus, du blendet ab auf f/11–f/16 – fertig ist der Stern. Direkt in die volle Sonne fotografieren schadet dem Sensor und erzeugt weniger schöne Ergebnisse.
Häufige Fragen
Brauche ich einen speziellen Star-Filter?
Nein. Der Blendenstern ist ein natürlicher optischer Effekt deines Objektivs. Star-Filter (Kreuzfilter) erzeugen Strahlen auch bei offener Blende, wirken aber weniger natürlich und reduzieren den Kontrast. Verwende lieber die Objektivblende – das Ergebnis ist authentischer.
Bei welchem Objektiv entstehen die schönsten Sterne?
Festbrennweiten mit geradzahliger Lamellenanzahl und exakt geformten Lamellen. Canon- und Zeiss-Objektive mit 6 runden Lamellen erzeugen sehr symmetrische 6-strahlige Sterne. Nikon- und Sony-Objektive mit 7 oder 9 Lamellen ergeben 14- oder 18-strahlige Sterne – beeindruckend, aber komplexer.
Warum werden Bilder bei f/22 unschärfer?
Bei sehr kleinen Blenden dominiert die Beugungsunschärfe: Das gesamte Bild verliert an Schärfe, auch im Fokuspunkt. Für den besten Kompromiss aus Blendenstern und Bildschärfe liegt der ideale Wert meist bei f/11–f/16.
Funktioniert das auch bei Nachtfotografie?
Hervorragend. Strassenlampen, Autoscheinwerfer und Stadtlichter erzeugen bei Nacht mit f/11–f/16 schöne Sterne. Beachte: du brauchst ein Stativ, weil die nötige Belichtungszeit lang ist. Den Belichtungsrechner oben kannst du nutzen, um die passende Zeit zu berechnen.
Kann ich den Blendenstern in der Nachbearbeitung hinzufügen?
Stört der Blendenstern die Schärfentiefe?
Nein direkt. Aber da du für den Stern stark abblendest (f/11–f/16), erhöhst du automatisch die Schärfentiefe. Das kann vorteilhaft sein (Landschaft) oder unerwünscht (Freistellen). Plane die Schärfenwirkung mit dem Rechner oben.
Fazit
Der Blendenstern ist einer der wirkungsvollsten Kamera-eigenen Effekte – ohne Filter, ohne Nachbearbeitung. Er entsteht durch Physik, nicht durch Tricks. Wer Blende, Standort und Lichtquelle richtig kombiniert, erzielt spektakuläre Ergebnisse in der Landschafts-, Nacht- und Architekturfotografie. Die nötige Verlängerung der Belichtungszeit berechnest du direkt im Rechner oben.
Quellen
- Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics, 3. Aufl. – Beugung, Airy-Scheibchen und Blendengeometrie.
- ISO 10110: Optics and Photonics – Zeichnungen für optische Elemente und Systeme (Lamellengeometrie).
- E. Hecht: Optik, 5. Aufl. – Beugung und Interferenz an Blendenkanten.
Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.
