Dichtefilter

Kurze Antwort

Ein Dichtefilter (Neutraldichtefilter, ND-Filter) ist ein optisch neutrales, graues Glas vor dem Objektiv, das die einfallende Lichtmenge um definierte Blendenstufen reduziert – ohne Farbe, Kontrast oder Schärfe zu verändern. Er ermöglicht längere Belichtungszeiten bei hellem Licht, grössere Blenden für Freistellungen am Tag und dramatische Langzeitbelichtungen mit seidig fliessenden Gewässern oder leergefegten Plätzen.

Dichtefilter auf einen Blick
Englisch Neutral Density Filter (ND Filter)
Wirkung Lichtreduktion in ganzen Blendenstufen (Stops), keine Farbveränderung
Bezeichnung ND2 = 1 Stop, ND8 = 3 Stops, ND64 = 6 Stops, ND1000 = 10 Stops
Bauformen Schraubfilter (Kreisrund), Systemfilter (rechteckig), Variable ND
Verwandter Filter Verlaufsfilter (GND): halbtransparent, abdunkelnd nur oben
Wichtiges Zubehör Stativ, Fernauslöser, Bulb-Modus für Zeiten über 30 s

Warum nicht einfach abblenden? Bei kleiner Blende (f/16, f/22) erzeugt Lichtbeugung Unschärfe und verschlechtert die Bildqualität. Der ND-Filter löst dieses Problem: Du behältst die optimale Blende (f/8, f/11) und steuerst die Belichtungsdauer stattdessen über den Filter. So kombinierst du maximale Detailschärfe mit extremen Belichtungszeiten.

ND-Filter- & Langzeit-Rechner

Wähle die Ausgangszeit ohne Filter und die ND-Stärke – der Rechner zeigt die nötige Belichtungszeit.

1/60 s

1/10001/154 s
ND-Filter-Stärke
Filterfaktor
Lichtreduktion
Optische Dichte
Dichtewert D
Hinweis: Ab etwa 1/15 s brauchst du ein Stativ, über 30 s den Bulb-Modus (B). Werte sind Richtwerte – prüfe das Ergebnis am Histogramm.

ND-Filter-Stärken und ihre Anwendungen

ND2 bis ND8 (1–3 Stops)

Für Portrait-Shooting bei Tageslicht mit offener Blende: Ein ND8 erlaubt f/1.8 bei ISO 100 auch in der Mittagssonne. Der Hintergrund bleibt cremig weich, ohne auf f/11 abzublenden.

ND64 bis ND400 (6–8,6 Stops)

Wasserfall und Bachläufe bei Tageslicht seidig fliessen lassen. Aus 1/30 s werden bei ND64 ca. 2 Sekunden – genug für einen Seidenwasserfall.

ND1000 (10 Stops)

Der Extremfilter: Aus 1/250 s wird 4 Sekunden, aus 1/30 s wird 30 Sekunden. Für menschenleere Stadtplätze (Passanten wischen aus dem Bild), seidigen Ozean und dramatische Wolkenzüge am Mittag.

ND-Filter-Stärken im Überblick
Filter Stops Faktor Typische Anwendung
ND4 2 ×4 Blende offen am bewölkten Tag
ND64 6 ×64 Wasserfall seidig (Tageslicht)
ND1000 10 ×1000 Langzeit am Mittag, Wolken/Meer
Ohne ND-FilterMit ND10001/250 s – Wasser eingefroren4 s – Wasser seidig
Ohne ND-Filter wird das Wasser eingefroren; ND1000 verlängert die Belichtung auf 4 Sekunden und erzeugt ein seidiges Fliessen.

Variabel-ND vs. fester ND

Variable ND-Filter (zwei Polfilter gegeneinander verdrehbar) sind flexibel – du kannst zwischen ca. 2 und 8 Stops stufenlos justieren. Nachteil: In bestimmten Stellungen (extremes Minimum/Maximum) entstehen Kreuzmuster oder Farbstiche. Hochwertige Varianten von Urth, Kase oder Lee minimieren diesen Effekt. Feste ND-Filter mit hochwertiger Beschichtung (Hoya ProND, B+W MRC) liefern konsistentere Farbneutralität.

Häufige Fragen

Muss ich den Fokus vor dem Aufsetzen des ND-Filters setzen?

Bei starken ND-Filtern (ND1000) ist das Sucherbild zu dunkel, um Autofokus zuverlässig einzusetzen. Fokussiere, stelle auf manuell um, setze dann den Filter auf und löse aus.

Beeinflusst ein ND-Filter den Weissabgleich?

Minderwertige Filter erzeugen leichte Farbstiche (oft bläulich oder magenta). Hochwertige Neutraldichtefilter sind farbneutral; ein kleiner Abzug kann beim Weissabgleich in der Nachbearbeitung korrigiert werden.

Was ist der Unterschied zwischen ND- und Verlaufsfilter (GND)?

Ein Verlaufsfilter (Graduated ND, GND) ist oben dicht und wird nach unten transparent. Er dunkelt den Himmel ab, ohne den Vordergrund zu berühren – ideal für Landschaften mit hellem Himmel und dunkler Erde.

Kann ich mehrere ND-Filter stapeln?

Ja – die Stops addieren sich. ND64 + ND8 = ND512 (9 Stops). Aber: Mehr Glas bedeutet mehr Reflexionen und potenzielle Vignettierung. Wenn möglich, lieber einen stärkeren Filter wählen als stapeln.

Brauche ich zwingend ein Stativ mit ND1000?

Bei Zeiten über 1/15 s praktisch immer ja – selbst Bildstabilisatoren kompensieren nur 4–8 Stufen Verwacklung, nicht mehrere Sekunden. Für Zeiten über 30 s brauchst du den Bulb-Modus und einen Fernauslöser.

Fazit

Der ND-Filter öffnet eine Klasse von Aufnahmen, die ohne ihn technisch unmöglich sind: seidiges Wasser am Mittag, offene Blende im grellen Sonnenlicht, menschenleere Stadtszenen bei Tag. Starte mit einem ND64 für Wasserläufe und einem ND8 für Portrait-Shooting im Freien – dann ergänze bei Bedarf. Der Rechner oben macht die Zeitberechnung im Feld einfach.

Quellen

  1. Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics, 3. Aufl. – Filteroptik und Lichtreduktion.
  2. ISO 6728 – Photography: Neutral density filters.
  3. Lee Filters: Technical Guide ND Filters – Stopzahl, optische Dichte und Filterfaktor.

Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.

Schreib einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.