DoF (Depth of Field) – Tiefenschärfe

Kurze Antwort

DoF (Depth of Field) – Tiefenschärfe bezeichnet den Abstandsbereich vor und hinter der Fokusebene, der im Bild scharf erscheint. Sie wird grösser bei kleiner Blende (hohe f-Zahl), kurzer Brennweite und grossem Motivabstand; eine offene Blende, lange Brennweite oder Nähe zum Motiv macht sie sehr knapp und löst den Hintergrund zu Bokeh auf.

DoF – Tiefenschärfe auf einen Blick
Englisch Depth of Field (DoF)
Einheit Meter / Zentimeter (scharfer Abstandsbereich)
Grösser durch kleine Blende (f/11, f/16), kurze Brennweite, grosser Abstand
Kleiner durch offene Blende (f/1.4, f/2.8), lange Brennweite, geringer Abstand
Sensoreinfluss grössere Sensoren wirken knapper begrenzt bei gleichem Bildausschnitt
Schlüsselwert Hyperfokaldistanz – ab hier scharf bis unendlich

Streng genommen ist nur eine einzige Ebene wirklich scharf: die Fokusebene. Davor und dahinter nimmt die Schärfe stetig ab. Solange die entstehende Unschärfe so klein bleibt, dass das Auge sie bei üblicher Betrachtung nicht erkennt, gilt der Bereich als scharf – diese tolerierte Unschärfescheibe heisst Zerstreuungskreis. Alles, was kleiner bleibt als der maximal zulässige Zerstreuungskreis (CoC), liegt innerhalb der Tiefenschärfe.

Schärfentiefe-Rechner

Stell Sensor, Brennweite, Blende und Abstand ein – und sieh sofort, wie gross der scharfe Bereich wird.

Sensorgrösse
50 mm

1685200
Motivabstand
3,0 m

0,31020 m
–
–
KameraFokusfern
–
ab hier scharf
Ferngrenze
–
bis hier scharf
Hyperfokaldistanz
–
scharf bis unendlich
Hinweis: Die Werte beruhen auf üblichen Zerstreuungskreisen (Vollformat 0,03 mm) und gelten als Richtwert für die Bildplanung.

Die vier Einflussgrössen

Blende

Der stärkste Hebel. Schliesst du eine Stufe ab (z. B. von f/4 auf f/5.6), wächst die Tiefenschärfe spürbar. Bei f/16 ist in der Landschaftsfotografie oft alles vom Vordergrund bis zum Horizont scharf; bei f/1.4 im Porträt bleibt nur das Auge gestochen scharf, die Augenbraue schon weich.

Brennweite

Lange Brennweiten stellen stark frei, kurze Weitwinkel halten vieles scharf. Ein 85-mm-Porträtobjektiv bei f/1.8 erzeugt cremiges Bokeh; ein 24-mm-Weitwinkel bei f/2.8 hat trotz offener Blende noch deutlich mehr Schärfentiefe.

Motivabstand

Je näher das Motiv, desto kleiner die Tiefenschärfe. In der Makrofotografie bei 1:1-Abbildung kann die scharfe Zone auf wenige Millimeter schrumpfen – dort ist Focus Stacking (mehrere Bilder mit verschiedenen Fokuspunkten zusammenrechnen) oft die einzige Lösung.

Sensorgrösse

Beim gleichen Bildausschnitt und gleicher Blende liefert ein grosser Sensor weniger Tiefenschärfe als ein kleiner. Vollformat stellt stärker frei als APS-C, APS-C mehr als Micro Four Thirds. Das ist einer der Hauptgründe, warum Porträtfotografen grosse Sensoren bevorzugen.

Hyperfokaldistanz

Der besondere Fokuspunkt, bei dem die Tiefenschärfe von der halben Hyperfokaldistanz bis unendlich reicht. Fokussierst du genau auf die Hyperfokaldistanz, holst du das Maximum an Schärfentiefe aus deiner Einstellung heraus – ideal für Landschaften. Der Rechner oben zeigt dir den Wert für deine aktuelle Einstellung.

KameraEntfernungFokusebeneNahgrenzeFerngrenzeTiefenschärfeunscharfunscharf
Nur die Fokusebene ist exakt scharf; die Tiefenschärfe ist die Zone tolerierter Unschärfe – grob ein Drittel vor, zwei Drittel hinter der Fokusebene.

Tiefenschärfe gezielt einsetzen

  • Porträt: f/1.8–f/2.8, 85–135 mm, Abstand 1–2 m – Gesicht scharf, Hintergrund aufgelöst.
  • Landschaft: f/8–f/11, auf Hyperfokaldistanz fokussieren – alles vom Vordergrund bis unendlich scharf.
  • Makro: f/8–f/16 plus Focus Stacking – einzelne Aufnahmen zu gross reicht nie.
  • Architektur / Tilt-Shift: Verstellungen nutzen, um die Fokusebene zu kippen und Flächen durchgehend scharf zu halten.

Häufige Fragen

Welche Blende liefert die grösste Tiefenschärfe?

Theoretisch f/22, praktisch aber schlägt ab f/11 (Vollformat) oder f/8 (APS-C) die Beugungsunschärfe zu – die Zone wird zwar grösser, aber weicher. Optimal für maximale Schärfentiefe bei bester Detailschärfe ist meist f/8–f/11.

Was ist der Zerstreuungskreis?

Der grösste Unschärfepunkt, der bei üblicher Betrachtung noch als «scharf» gilt. Für Vollformat typisch 0,03 mm, für APS-C 0,02 mm. Alle Berechnungen zur Tiefenschärfe beruhen auf diesem Wert.

Unterscheidet sich die Tiefenschärfe bei gleicher Blende auf verschiedenen Sensoren?

Ja, wenn der Bildausschnitt gleich bleibt. Vollformat liefert weniger Tiefenschärfe als APS-C, weil die Brennweite grösser sein muss, um denselben Ausschnitt zu erzielen. Bei gleicher absoluter Brennweite und gleicher Blende ist die Tiefenschärfe unabhängig vom Sensor.

Beeinflusst ISO die Tiefenschärfe?

Nein. ISO steuert nur die Helligkeit. Tiefenschärfe hängt ausschliesslich von Blende, Brennweite, Motivabstand und Sensorgrösse ab.

Was ist Focus Stacking?

Eine Technik, bei der du mehrere Bilder mit verschiedenen Fokuspunkten aufnimmst und am Computer zu einem Bild mit grösserer Tiefenschärfe übereinander rechnest. Unverzichtbar in der Makrofotografie, wo eine Einzelaufnahme nie genug Tiefe bietet.

Fazit

Tiefenschärfe ist das wirkungsvollste kreative Mittel, um Aufmerksamkeit im Bild zu lenken. Wer Blende, Brennweite, Abstand und Sensor zusammendenkt, entscheidet bewusst, was scharf und was weich ist. Nutze den Rechner oben, um vor dem Shooting ein genaues Bild der scharfen Zone zu bekommen – und verlasse dich bei kritischen Aufnahmen zusätzlich auf die Lupenansicht im Livebild.

Quellen

  1. H. M. Merklinger: The Ins and Outs of Focus – Hyperfokaldistanz und Zerstreuungskreis.
  2. ISO 12233 – Norm zur Auflösungs- und Schärfemessung in der digitalen Fotografie.
  3. Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics, 3. Aufl. – Berechnung von Tiefenschärfe und Zerstreuungskreis.

Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.

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