E-TTL (evaluate Through The Lens)

Kurze Antwort

E-TTL (Evaluative Through The Lens) ist Canons automatisches Blitzmesssystem, das per Vorblitz die Szene misst und die Blitzleistung vor der eigentlichen Aufnahme berechnet. Im Gegensatz zu einfachem TTL, das während der Belichtung misst, schickt E-TTL einen kurzen Vorblitz, liest das reflektierte Licht durch das Objektiv aus und passt die Leistung an – bevor der Verschluss vollständig öffnet. Das Ergebnis ist eine konsistentere Blitzautomatik, besonders bei wechselnden Distanzen und Motivhelligkeit.

E-TTL auf einen Blick
Vollständige Bezeichnung Evaluative Through The Lens
Hersteller Canon (seit 1995); E-TTL II ab 2004
Verfahren Vorblitz → Messung → Berechnung → Hauptblitz
Messung evaluativ (mehrzonen, wie Matrixbelichtung), optional Spot
E-TTL II berücksichtigt zusätzlich Fokusabstand für bessere Messung
Äquivalent Nikon i-TTL; Sony: ADI/P-TTL; Fujifilm: TTL

E-TTL löste das ältere TTL-System ab, das das Blitzlicht während der Belichtung am Film misst und abbricht, sobald genug Licht vorhanden ist. Dieser Ansatz war bei modernen Digicams unpraktisch, weil die Reflexionseigenschaften des Sensors von Film abweichen. Der Vorblitz-Ansatz von E-TTL umgeht das Problem und ermöglicht eine zuverlässigere Automatik.

Ablauf einer E-TTL-Messung

Schritt 1 – Vorblitz

Kurz vor dem eigentlichen Auslösen sendet das Blitzgerät einen kurzen, für das Auge kaum wahrnehmbaren Vorblitz. Dieser beleuchtet die Szene ohne den Verschluss zu öffnen.

Schritt 2 – Messung durch das Objektiv

Der Sensor oder ein separater Belichtungsmesser hinter dem Spiegel (DSLR) liest das reflektierte Licht aus. Die Kamera vergleicht die Messfelder miteinander – ähnlich wie bei der evaluativen Belichtungsmessung – und berechnet die nötige Blitzleistung.

Schritt 3 – Hauptblitz

Der Verschluss öffnet, der Hauptblitz zündet mit der berechneten Leistung, und die Aufnahme wird gespeichert. Der gesamte Ablauf geschieht in Bruchteilen einer Sekunde.

E-TTL II: Weiterentwicklung

Ab 2004 integriert Canon E-TTL II die Fokusabstandsinformation des Objektivs. Das System weiss jetzt, wie weit das Motiv entfernt ist, und gewichtet die Messfelder entsprechend. Das reduziert Fehlbelichtungen, wenn helle oder dunkle Hintergründe das Messsystem täuschen – ein klassisches Problem bei Portraits vor weissem Hintergrund oder im Gegenlicht.

Wann E-TTL besonders nützlich ist

  • Porträt- und Hochzeitsfotografie: Schnell wechselnde Abstände und unterschiedliche Hintergründe werden automatisch kompensiert.
  • Reportage: Du kannst dich auf Bildkomposition und Moment konzentrieren, die Technik übernimmt der Blitz.
  • Aufhellblitz draussen: E-TTL misst das Umgebungslicht mit und dosiert den Blitz so, dass Motiv und Hintergrund ausgewogen sind.
  • Entfesselter Blitz: Über optische oder Funk-Systeme funktioniert E-TTL auch mit mehreren Blitzköpfen, solange alle Canon-kompatibel sind.
1. VorblitzSzene beleuchten2. MessungReflektion durchObjektiv auslesen3. BerechnungLeistung +Distanz (E-TTL II)4. Hauptblitz+ AufnahmeGesamtablauf in < 1/100 s – für das Auge kaum wahrnehmbar
E-TTL misst über einen kurzen Vorblitz, bevor der Hauptblitz zündet. E-TTL II integriert zusätzlich die Fokusabstandsinformation für präzisere Dosierung.

E-TTL vs. manuelle Blitzbelichtung

Merkmal E-TTL Manueller Blitz
Bedienung automatisch, schnell Erfahrung erforderlich
Konsistenz gut bei wechselnden Szenen perfekt bei konstanter Situation
Reproduzierbarkeit kann variieren immer gleiche Leistung
Studio eingeschränkt nützlich Standard

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen E-TTL und E-TTL II?

E-TTL II (2004 eingeführt) nutzt zusätzlich die Entfernungsinformation des Objektivs. Das System gewichtet nahe Bildpartien stärker, was bei Portraits vor hellen Hintergründen deutlich bessere Ergebnisse liefert als E-TTL.

Funktioniert E-TTL mit Fremdblitzgeräten?

Nur wenn das Fremdgerät Canon E-TTL II unterstützt. Viele Drittanbieter wie Godox (mit X-System) und Yongnuo bieten vollständige E-TTL-II-Kompatibilität. Einfache manuelle Blitzgeräte geben zwar Licht ab, nutzen aber keine TTL-Steuerung.

Warum überbelichtet E-TTL bei weissem Hintergrund?

Das Messsystem erkennt den hellen Hintergrund und denkt, die Szene sei bereits gut beleuchtet – und reduziert den Blitz. Das Motiv im Vordergrund wird dadurch zu dunkel. Abhilfe: Blitzbelichtungskorrektur +0.7 bis +1.3 EV oder manueller Blitz.

Kann E-TTL mit Hochgeschwindigkeitssynchronisation (HSS) kombiniert werden?

Ja. Bei Canon-Blitzen mit HSS-Unterstützung (z.B. 600EX-RT) arbeitet E-TTL auch bei Verschlusszeiten über der Synchronzeit. Der Blitz wechselt dabei auf gepulsten Modus, was die Leistung reduziert.

Wie stelle ich eine Blitzbelichtungskorrektur bei E-TTL ein?

Entweder direkt am Blitzgerät (FEC-Taste) oder über das Kameramenü. Korrekturen von −3 bis +3 EV sind möglich. Bei Canon DSLRs übernimmt die Kamera die FEC; bei spiegellosen RF-Kameras ebenso.

Fazit

E-TTL nimmt dir die zeitaufwendige Blitzberechnung ab und liefert in den meisten Situationen zuverlässige Ergebnisse. Für Porträt, Hochzeit und Reportage ist es die erste Wahl. Im Studio und bei absoluter Reproduzierbarkeit bleibt der manuelle Blitz besser. Lerne Blitzbelichtungskorrektur zu nutzen – damit holst du das Maximum aus E-TTL heraus.

Quellen

  1. Canon EOS System – technische Dokumentation zu E-TTL und E-TTL II (Canon Inc., Tokio).
  2. Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics, 3. Aufl. – Blitzbelichtungsmessung und TTL-Systeme.

Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.

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