Entfernungsgesetz, photometrisches / Abstandsgesetz

Kurze Antwort

Das photometrische Entfernungsgesetz (Abstandsgesetz) besagt, dass die Beleuchtungsstärke einer Lichtquelle mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt. Verdoppelst du den Abstand zwischen Lichtquelle und Motiv, sinkt die Helligkeit auf ein Viertel – nicht auf die Hälfte. Dieses physikalische Gesetz bestimmt, wie du in der Studiofotografie Blitze positionierst, wie Licht über eine Fläche abfällt und warum weit entfernte Lampen schnell wirkungslos werden.

Entfernungsgesetz auf einen Blick
Formel E = I / d² (Beleuchtungsstärke = Lichtstärke / Abstand²)
Einheit Lux (lx) für Beleuchtungsstärke; Candela (cd) für Lichtstärke
Kernaussage doppelter Abstand → viertel Licht (2² = 4)
Gilt für punktförmige oder nahezu punktförmige Lichtquellen
Gilt nicht exakt für grosse Flächenlichtquellen (Softboxen, Diffusoren)
Praxisbedeutung Blitzpositionierung, Lichtabfall über Motivfläche, Leitzahl-Berechnung

Das Abstandsgesetz klingt nach Physikstunde, ist aber purer Praxisnutzen für Fotografen. Wer es verinnerlicht, versteht auf Anhieb, warum der Hintergrund eines Porträts beim Einblitzen dunkler wird, wenn die Versetzung zu gross ist. Und warum man eine Softbox nahe ans Motiv heranbringt statt sie auf maximale Entfernung zu stellen – Nähe ist Leistung.

Die Formel und ihre Konsequenzen

Das inverse Quadratgesetz lautet: E = I / d² – wobei E die Beleuchtungsstärke in Lux, I die Lichtstärke der Quelle in Candela und d der Abstand in Metern ist. Die Quadratabhängigkeit macht den entscheidenden Unterschied:

Entfernung und Lichtintensität (Ausgangswert: 1 m = 100 %)
Abstand Relative Beleuchtungsstärke Blendenstufen-Verlust
1 m 100 % (Referenz) ±0 Stops
1,4 m 50 % −1 Stop
2 m 25 % −2 Stops
3 m 11 % −3 Stops
4 m 6 % −4 Stops

Jede Verdopplung des Abstands kostet genau zwei Blendenstufen. Das ist keine Annäherung – das ist exakte Physik, und sie macht die Berechnung im Kopf einfach: 1 m → 2 m → 2 Stops öffnen oder ISO verdoppeln.

Das Entfernungsgesetz in der Studiofotografie

Blitzpositionierung und Lichtabfall

Ein Blitz 1 m vom Motiv beleuchtet Gesicht und Hintergrund (50 cm weiter) mit deutlichem Abfall: Der Hintergrund ist 1,5 m entfernt, erhält also nur (1/1,5)² = 44 % des Lichts, das das Gesicht bekommt. Das entspricht knapp 1,2 Stops Unterschied. Möchtest du einen gleichmässig hellen Hintergrund, positionierst du das Licht weiter weg – dann ist der relative Abstandsunterschied kleiner.

Weiche Lichtquelle nahe heranziehen

Eine grosse Softbox nahe am Motiv (60 cm) liefert weiches, schmeichelhaftes Licht. Rückst du sie auf 150 cm zurück, wirkt das Licht härter und verlierst dabei zwei Stops Leistung. Deshalb gilt: Je näher die Quelle, desto weicher und stärker das Licht. Das Entfernungsgesetz erklärt, warum Studiofotografen Lichtquellen fast immer so nah wie möglich ans Motiv stellen.

Leitzahl und Entfernungsgesetz

Die Leitzahl (LZ) eines Blitzgeräts ist direkt aus dem Entfernungsgesetz abgeleitet: LZ = Blende × Distanz (bei ISO 100). Ein Blitz mit LZ 60 erlaubt bei 3 m Abstand eine Blende von f/20 (60 / 3 = 20). Oder bei f/8: maximale Distanz = 60 / 8 = 7,5 m. Das Gesetz macht die Leitzahl zu einem praktischen Rechenwerkzeug.

Grenzen des Entfernungsgesetzes

Das Gesetz gilt exakt nur für punktförmige Lichtquellen. Bei grossen Flächenlichtquellen (z. B. Softbox mit 80 cm Durchmesser) verliert die Formel an Genauigkeit, solange das Motiv nahe an der Quelle ist – die Fläche „sieht» man als ausgedehnt. Ab einer Entfernung von etwa dem Dreifachen des Quell-Durchmessers verhält sich auch eine grosse Softbox wie eine Punktquelle und das Quadratgesetz gilt wieder.

Lichtquelle1 m100 % Licht2 m25 % Licht4 m → 6 % Licht
Das inverse Quadratgesetz: Der Lichtkegel breitet sich quadratisch aus – bei doppeltem Abstand verteilt sich dasselbe Licht auf die vierfache Fläche, die Dichte sinkt auf 25 %.

Häufige Fragen

Warum nennt man es «invers quadratisch» statt einfach «halber Abstand, halbes Licht»?

Weil Licht sich in alle Richtungen ausbreitet – in einer Kugelfläche. Die Oberfläche einer Kugel wächst mit r², daher verteilt sich das Licht auf die vierfache Fläche beim doppelten Radius. «Invers» bedeutet, dass Abstand und Helligkeit umgekehrt proportional sind – aber quadratisch, nicht linear.

Gilt das Entfernungsgesetz auch für natürliches Sonnenlicht?

Für praktische Fotografie-Zwecke: nein. Die Sonne ist so weit entfernt (150 Mio. km), dass ihr Licht auf Erden als parallele Strahlung ankommt. Die Entfernungsunterschiede in unserer Aufnahmeumgebung (wenige Meter) sind relativ zur Sonnenentfernung vernachlässigbar.

Wie berechne ich die nötige Blende mit der Leitzahl?

Formel: Blende = Leitzahl / Abstand (bei ISO 100). Beispiel: LZ 40, Abstand 2 m → f/20. Oder umgekehrt: maximaler Abstand = LZ / Blende. Bei f/8 und LZ 40 → maximale Reichweite: 5 m.

Warum beleuchtet ein Blitz den Hintergrund dunkler als das Motiv?

Weil das Motiv näher am Blitz ist als der Hintergrund. Jeder Meter zusätzlicher Abstand kostet Licht nach dem Quadratgesetz. Der Hintergrund liegt immer weiter weg und bekommt weniger Licht – das erzeugt den für Blitzaufnahmen typischen dunklen Hintergrund.

Wie kann ich einen gleichmässig beleuchteten Hintergrund erreichen?

Den Blitz weiter vom Motiv entfernen: Je grösser der Abstand, desto kleiner der relative Unterschied zwischen Motivabstand und Hintergrundabstand. Oder: Hintergrund separat beleuchten mit einem zweiten Blitz.

Fazit

Das Entfernungsgesetz ist Physik, die du täglich beim Beleuchten anwendest – ob du es weisst oder nicht. Wer es kennt, entscheidet bewusst über Lichtabfall, Blitzreichweite und Lichtcharakter. Nahe Lichtquellen sind weicher und leistungsstärker; grösserer Abstand schafft gleichmässigere Ausleuchtung. Dieses Wissen macht aus Intuition Kontrolle – und aus zufälligen Ergebnissen reproduzierbare Qualität.

Quellen

  1. ISO/CIE 10526: Photometrische Grundgrössen – Lux, Candela und inverse Quadratwurzel.
  2. Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics, 3. Aufl. – Leitzahl, Blitz und Entfernungsgesetz.
  3. G. Stroebel: Photographic Materials and Processes – Grundlagen der Beleuchtungsmessung.

Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.

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