Die Leitzahl (LZ) ist das Mass für die Blitzleistung: Sie gibt an, wie weit ein Blitz bei ISO 100 mit Blende f/1 ausleuchten kann – in der Praxis berechnest du damit die richtige Blende für deinen Motivabstand. Eine Leitzahl von 40 bedeutet, dass du bei 4 Metern Abstand mit Blende f/10 fotografieren kannst (40 ÷ 4 = 10). Kennst du diese Formel, belichtest du mit Blitz exakt.
| Formel | LZ = Blende × Abstand (in Metern) bei ISO 100 |
|---|---|
| Umstellung | Abstand = LZ ÷ Blende · Blende = LZ ÷ Abstand |
| ISO-Einfluss | ISO-Verdopplung = LZ × √2 (ca. +41 %) |
| Angabe | oft bei ISO 100 und ggf. Zoomposition (z. B. «LZ 58 bei 105 mm») |
| Englisch | Guide Number (GN) |
| Grösser durch | höhere ISO, stärkeres Blitzgerät, Reflektoren |
Die Leitzahl ist die einfachste Methode, eine Blitzaufnahme exakt zu belichten – ohne TTL-Automatik, ohne Test-Aufnahmen. Wer die Formel verinnerlicht, kann im Studio, am Reportage-Set oder im Freien schnell und sicher arbeiten. Voraussetzung: Du kennst den Abstand zum Motiv und die Leitzahl deines Blitzes bei dem eingestellten ISO-Wert.
Blenden- & Belichtungsrechner
Wähle eine Ausgangsbelichtung und eine neue Blende – der Rechner zeigt, welche Verschlusszeit die Helligkeit gleich hält.
Die Formel in der Praxis
Die Leitzahl-Formel lautet: LZ = Blende × Abstand (bei ISO 100, Normalbedingungen).
- Richtige Blende berechnen: Blende = LZ ÷ Abstand. Blitz LZ 40, Motiv 5 Meter entfernt → 40 ÷ 5 = f/8.
- Maximale Reichweite berechnen: Abstand = LZ ÷ Blende. LZ 40, Blende f/4 → 40 ÷ 4 = 10 Meter Reichweite.
- ISO-Anpassung: Doppelt so hohe ISO (z. B. ISO 200 statt 100) erhöht die effektive LZ um Faktor √2 ≈ 1,41. LZ 40 bei ISO 100 entspricht LZ 56 bei ISO 200.
Effektive Leitzahl bei gedämpfter Blitzleistung
Die angegebene LZ gilt bei voller Blitzleistung. Dimmst du den Blitz um eine Stufe (–1 EV), halbiert sich die Lichtmenge – die effektive LZ sinkt um Faktor √2. Das musst du einrechnen:
| Leistungsstufe | Faktor zur Vollleistung | Effektive LZ (Basis LZ 40) |
|---|---|---|
| 1/1 (voll) | 1,0 | 40 |
| 1/2 | 0,71 | 28 |
| 1/4 | 0,5 | 20 |
| 1/8 | 0,35 | 14 |
Leitzahl vs. TTL-Automatik
Moderne Blitzsysteme bieten TTL (Through The Lens): Der Blitz schiesst einen Mess-Vorblitz, die Kamera berechnet die Leistung und steuert den Blitz automatisch. TTL ist schnell und praktisch – aber nicht immer präzise, z. B. bei sehr hellen oder dunklen Motiven. Mit manueller Leitzahl-Berechnung weisst du exakt, was du bekommst. Profifotografen wechseln deshalb im Studio oft in den manuellen Blitzmodus.
Häufige Fragen
Warum stimmt die berechnete Blende manchmal nicht genau?
Die Leitzahl-Formel gilt unter Idealbedingungen: direkter Blitz, keine Reflexionen, ISO 100, normales Umgebungslicht. In Räumen reflektieren Wände Licht zurück (Bounceeffekt → mehr Licht als berechnet). Bei sehr grossen Räumen oder im Freien fehlt Reflexion → weniger Licht als berechnet. Eine Testaufnahme und ein Histogramm geben dir die Kontrolle.
Wie verhält sich die LZ bei einem Telezoom-Blitz?
Viele Systemblitze haben ein einstellbares Reflektorzoom (18–200 mm). Bei langer Zoomposition (z. B. 200 mm) wird das Licht gebündelt – die effektive LZ steigt. Bei Weitwinkel (18 mm) wird das Licht breiter verteilt – LZ sinkt. Im Datenblatt findest du oft mehrere LZ-Angaben je nach Zoomposition.
Kann ich die LZ für den Bounce-Blitz berechnen?
Näherungsweise ja: Berechne den Gesamtweg Blitz → Reflektor → Motiv. Addiere ca. 1–2 Blendenstufen für Reflexionsverluste (je nach Wandfarbe). Weisse Decke nahe kostet ca. 1 Stufe; beige Wände weiter weg 2–3 Stufen.
Was ist der Unterschied zwischen LZ 40 und LZ 58?
Warum hat ein Ringblitz eine niedrige LZ?
Was ist der Unterschied zwischen Leitzahl und Lichtstärke des Objektivs?
Verschiedene Konzepte mit ähnlichem Klang. «Lichtstärke» des Objektivs beschreibt die maximale Blende (z. B. f/1.4). Die Leitzahl beschreibt die Blitzleistung. Beide beeinflussen gemeinsam die erreichbare Belichtung mit Blitz – aber sie beschreiben unterschiedliche Grössen.
Fazit
Die Leitzahl-Formel ist simpel und mächtig. Wer sie kennt, kann jeden manuellen Blitz exakt einsetzen – ohne Versuch und Irrtum. Die drei häufigsten Anwendungen: Blende für einen bekannten Abstand berechnen, maximale Reichweite für eine Blende bestimmen, und ISO-Einfluss auf die Reichweite abschätzen. Kombiniere dieses Wissen mit einer Testaufnahme und dem Histogramm – dann sitzt die Blitzbelichtung.
Quellen
- Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics, 3. Aufl. – Blitzbelichtung und Leitzahl-Berechnung.
- Günter Richter: Blitzfotografie, Edition FOTO-Magazin – praktische Anwendungen der Leitzahl.
- ISO 10330:2020 – Norm für Lichtleistungsangaben von Blitzgeräten (Guide Number Definition).
Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.
