Komprimierung

Kurze Antwort

Komprimierung in der Fotografie bezeichnet die Reduktion der Dateigrösse eines Bildes durch Algorithmen, die redundante oder für das menschliche Auge nicht wahrnehmbare Daten entfernen oder verdichten. Man unterscheidet verlustfreie Komprimierung (PNG, TIFF-LZW, DNG), bei der alle Originaldaten erhalten bleiben, und verlustbehaftete Komprimierung (JPEG, HEIC), die Bilddetails unwiederbringlich entfernt, dafür aber deutlich kleinere Dateien erzeugt.

Komprimierung auf einen Blick
Verlustfrei PNG, TIFF/LZW, DNG – alle Daten erhalten; grössere Dateien
Verlustbehaftet JPEG, HEIC, WebP – kleinere Dateien; Details gehen verloren
JPEG-Qualitätsstufe 0–100 (Adobe) / 1–12 (Photoshop); unter 70–75 sichtbare Artefakte
JPEG-Algorithmus DCT (Diskrete Kosinustransformation), 8×8-Pixel-Blöcke
Moderne Alternativen HEIC (Apple), AVIF, WebP – besser als JPEG bei gleicher Grösse
RAW-Komprimierung verlustfrei in Camera-RAW-Formaten; DNG unterstützt auch verlustbehaftete Variante

Jedes Mal, wenn du ein Bild als JPEG speicherst, verlierst du Bilddaten. Nicht immer sichtbar – bei hohen Qualitätsstufen minimal – aber kumulativ: Speichert man eine JPEG-Datei mehrfach, baut sich Artefakt über Artefakt auf. Wer in der Nachbearbeitung flexibel bleiben will, sollte daher in RAW aufnehmen und erst am Ende des Workflows – zum Publizieren – in JPEG exportieren.

JPEG-Komprimierung verstehen

DCT-Algorithmus

JPEG teilt das Bild in 8×8-Pixel-Blöcke und wandelt jede Kachel mathematisch in Frequenzkomponenten um (Diskrete Kosinustransformation). Hochfrequente Details – feine Texturen, scharfe Kanten – werden stärker geglättet als niederfrequente Flächen (Himmel, Haut). Deshalb entstehen bei starker JPEG-Komprimierung typische Blockartefakte an Kanten und Mustern.

Qualitätsstufen

Adobe Lightroom exportiert mit Qualitätsstufen 0–100. Für Web-Nutzung ist Qualität 70–80 ein guter Kompromiss aus Dateigrösse und Qualität. Für Drucke oder professionelle Weitergabe empfehlen sich 90–95. Über 95 sinkt die Qualitätsverbesserung dramatisch, die Dateigrösse steigt aber noch stark.

Verlustfreie vs. verlustbehaftete Komprimierung

Merkmal Verlustfrei (PNG, DNG) Verlustbehaftet (JPEG, HEIC)
Bildqualität 100% erhalten leichte bis starke Reduktion
Dateigrösse grösser (20–100 MB) kleiner (1–10 MB)
Mehrfaches Speichern kein Qualitätsverlust kumulativer Verlust
Nachbearbeitung volle Flexibilität eingeschränkt
Einsatz Archiv, Druck, Zwischenstufe Web, Social Media, Ausgabe

Moderne Komprimierungsformate

HEIC (High Efficiency Image Container)

Das Standardformat neuerer Apple-Geräte basiert auf dem HEVC-Video-Codec und erzeugt bei gleicher Bildqualität etwa halb so grosse Dateien wie JPEG. Kompatibilität ist noch nicht universell – ältere Software und Windows ohne Codec öffnen HEIC nicht.

WebP und AVIF

Für Webveröffentlichungen sind WebP (Google, 2010) und AVIF (AOM, 2019) effizienter als JPEG. AVIF erreicht bei gleichem Qualitätsniveau 30–50% kleinere Dateien – bei wachsender Browser-Unterstützung (Chrome, Firefox, Safari ab 2022).

RAW-Komprimierung

Kamera-RAW-Dateien werden ebenfalls komprimiert, aber fast immer verlustfrei. Canon CR3, Nikon NEF und DNG nutzen verlustfreie JPEG-2000- oder proprietäre Algorithmen. Das halbiert typischerweise die Dateigrösse gegenüber unkomprimiertem RAW, ohne Daten zu verlieren.

JPEG-QualitätsstufeDateigrösse / Qualität40608090100QualitätArtefakteEmpfehlung75–85 für Web
Bei JPEG steigt die Qualität mit der Stufe (blau), während Artefakte sinken (rot). Ab Qualität 80–85 ist der Qualitätszuwachs gering, die Dateigrösse aber noch erheblich – der optimale Bereich liegt bei 75–85 für Web-Ausgabe.

Häufige Fragen

Verliere ich Qualität, wenn ich ein JPEG nur öffne und schliesse ohne es zu speichern?

Nein. Nur das Speichern als JPEG führt zu erneutem Komprimierungsverlust. Öffnen, Betrachten und Schliessen ohne Speichern ist verlustfrei.

Welches Format soll ich für Social Media wählen?

JPEG, Qualität 80–85, ist der universelle Standard. Instagram, Facebook und andere Plattformen komprimieren hochgeladene Bilder ohnehin nochmals – lade daher nie mit niedrigstem JPEG-Wert hoch, sonst komprimiert die Plattform eine bereits degradierte Datei weiter.

Ist PNG immer besser als JPEG?

Nein. PNG ist besser für Grafiken, Screenshots und Bilder mit Transparenz. Für Fotos mit vielen Farbtönen und Verläufen erzeugt JPEG bei gleichem Qualitätseindruck kleinere Dateien als PNG – weil PNGs verlustfrei komprimieren und Fotos sehr komplex sind.

Was sind JPEG-Artefakte?

Blockige Muster an Kanten und feinen Details, die bei starker JPEG-Komprimierung entstehen. Der Algorithmus teilt das Bild in 8×8-Pixel-Blöcke; bei hoher Komprimierung werden diese Blöcke als harte Rechtecke sichtbar. Besonders auffällig in Himmeln, Haut und an Kontrastkanten.

Wie komprimiere ich Bilder für den Druck?

Für Druck speichere als TIFF (verlustfrei) oder JPEG Qualität 90–95. Druck-Dienstleister akzeptieren oft beide. JPEG 95 ist für die meisten Druckqualitäten nicht vom Original zu unterscheiden, bei deutlich kleinerer Datei als TIFF.

Fazit

Verstehe Komprimierung als einen Schieberegler zwischen Dateigrösse und Qualität. Nutze verlustfreie Formate für Archivierung und Zwischenstufen in der Bearbeitung, verlustbehaftete Formate nur für die finale Ausgabe. JPEG Qualität 80–85 deckt die meisten Web-Anwendungen ab; modernes AVIF oder WebP ersetzt JPEG bei wachsender Plattformunterstützung zunehmend.

Quellen

  1. ISO/IEC 10918-1 (JPEG-Norm) – Informationstechnik: Digitale Komprimierung und Kodierung von Bildern.
  2. Adobe Systems: Digital Negative (DNG) Specification, 2023 – verlustfreie RAW-Komprimierung.

Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.

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