Verlängerungsfaktor

Kurze Antwort

Der Verlängerungsfaktor (VF) beschreibt den Lichtverlust, der entsteht, wenn ein Objektiv für Nahaufnahmen weiter vom Sensor entfernt wird als seine Unendlich-Fokusposition – jede Verlängerung des Abstands zwischen Linse und Film/Sensor reduziert die tatsächliche Lichtstärke am Sensor. Bei einem Verlängerungsfaktor von 2× musst du 2 Blendenstufen mehr belichten (oder die Zeit vervierfachen), um dasselbe Ergebnis zu erhalten wie bei Unendlichfokus. In der Makrofotografie und bei Sinar-Grossformatkameras mit Balgenverlängerung ist das Grundrechnung vor jedem Auslöser.

Verlängerungsfaktor auf einen Blick
Symbol VF (deutsch), EEF (Effective Exposure Factor, engl.)
Formel VF = (Bildweite / Brennweite)² = (1 + Abbildungsmassstab)²
Bei 1:1 Abbildung VF = 4× → 2 Blendenstufen Korrektur nötig
Bei 1:2 Abbildung VF = 2.25× → ca. 1.2 Blendenstufen Korrektur nötig
Betroffen Makroobjektive, Balgengeräte, Zwischenringe, Fachkameras
TTL-Messung korrigiert automatisch (Belichtungsmessung durch das Objektiv)
Ohne TTL-Messung manuelle Korrektur mit Formel oder Belichtungsrechner nötig

Bei normaler Landschafts- oder Porträtfotografie ist die Bildweite (Abstand Linse–Sensor) praktisch gleich der Brennweite – kein Lichtverlust. Sobald du aber nah an ein Motiv herangehst und das Objektiv oder den Balgen verlängerst, steigt die Bildweite deutlich über die Brennweite hinaus. Das Licht muss einen längeren Weg zurücklegen und verteilt sich auf eine grössere Fläche – exakt so wie das Intensitätsquadratgesetz: doppelter Abstand = viermal weniger Intensität.

ND-Filter- & Langzeit-Rechner

Wähle die Ausgangszeit ohne Filter und die ND-Stärke – der Rechner zeigt die nötige Belichtungszeit.

1/60 s
1/10001/154 s
ND-Filter-Stärke
Filterfaktor
Lichtreduktion
Optische Dichte
Dichtewert D
Hinweis: Ab etwa 1/15 s brauchst du ein Stativ, über 30 s den Bulb-Modus (B). Werte sind Richtwerte – prüfe das Ergebnis am Histogramm.

Die Formel: wie der Verlängerungsfaktor berechnet wird

Die Formel basiert auf dem Abbildungsmassstab M (Verhältnis Bildgrösse zu Objektgrösse):

  • Abbildungsmassstab M = Bildgrösse / Objektgrösse (bei 1:1 gilt M = 1)
  • Verlängerungsfaktor VF = (1 + M)²
  • Belichtungskorrektur in Stops = log₂(VF) = 2 × log₂(1 + M)

Konkrete Werte für häufige Abbildungsmassstäbe:

Abbildungsmassstab Verlängerungsfaktor Stops Korrektur Zeitfaktor
1:10 (weit entfernt) 1.21× ca. +0.3 Stops ×1.2
1:4 1.56× ca. +0.6 Stops ×1.6
1:2 2.25× ca. +1.2 Stops ×2.25
1:1 (Lebensgrösse) +2 Stops ×4
2:1 (doppelte Grösse) ca. +3.2 Stops ×9

TTL-Messung und manuelle Korrektur

TTL-Messung (durch das Objektiv)

Moderne digitale Spiegelreflex- und spiegellose Kameras messen das Licht durch das Objektiv (TTL). Die Belichtungsmessung erfasst das tatsächlich auf den Sensor treffende Licht – nach der Verlängerung. Die Korrektur erfolgt automatisch. Du musst nichts rechnen, solange du TTL-Messung verwendest.

Manuelle Korrektur

Grossformatkameras (Sinar, Arca-Swiss, Linhof), Belichtungsmesser mit Reflexmessung und externe Belichtungsgeräte messen nicht TTL. Hier musst du den Verlängerungsfaktor manuell berechnen und die ermittelte Grundbelichtung entsprechend anpassen. Die Tabelle oben gibt dir schnelle Richtwerte; für präzise Arbeit nutze die Formel oder ein Berechungswerkzeug.

SensorLinseBildweite= BrennweiteVF ≈ 1Motiv weitSensorLinseBildweite > f(Balgen verlängert)VF = 4 bei 1:1Motiv nah
Links: Normalsituation – Bildweite gleich Brennweite, VF ≈ 1. Rechts: Nahaufnahme – Balgen verlängert, Bildweite grösser als Brennweite, VF = 4 bei 1:1-Abbildung.

Verlängerungsfaktor bei Grossformatkameras

Die klassischen Sinar-Fachkameras (Sinar P, Sinar F, Sinar X) arbeiten mit einem Balgensystem, das die Verlängerung präzise auf einer Skala ablesen lässt. Zusammen mit dem Massstabsregler oder einer Makrolupeninstallation kannst du die Bildweite direkt ablesen und den Verlängerungsfaktor berechnen. Die analoge Entwicklung und externe Belichtungsmessung erfordern diese manuelle Berechnung – sie ist handwerklicher Alltag in der Grossformatstilfotografie.

Häufige Fragen

Muss ich den Verlängerungsfaktor bei TTL-Messung berechnen?

Nein. TTL-Messung erfasst das Licht nach der Verlängerung automatisch. Manuelle Berechnung ist nur bei Belichtungsmessern ohne TTL (Handbelichtungsmesser, Grossformatkamera, analoge Systeme ohne eingebaute Messung) nötig.

Warum ist der Verlängerungsfaktor quadratisch?

Weil Licht sich im Raum nach dem Quadratgesetz verhält. Verdoppelst du den Abstand zwischen Linse und Sensor, verteilt sich das Licht auf die vierfache Fläche – die Intensität sinkt auf ein Viertel. Das Quadrat im Faktor (1+M)² reflektiert genau diesen physikalischen Zusammenhang.

Beeinflusst der Verlängerungsfaktor die Schärfentiefe?

Indirekt. Der Verlängerungsfaktor selbst ändert nicht die geometrische Schärfentiefe. Aber bei Nahaufnahmen (grosser Abbildungsmassstab) ist die Schärfentiefe physikalisch sehr gering – das ist eine Folge des kurzen Motivabstands, nicht des Verlängerungsfaktors selbst.

Gilt der Verlängerungsfaktor auch für Telekonverter?

Nein – Telekonverter erzeugen einen anderen Effekt: Sie vergrössern das Bild optisch, ohne die Bildweite zu verändern. Der Lichtverlust bei Telekonvertern folgt einem anderen Prinzip (Pupillenvergrösserung). Den Begriff «Verlängerungsfaktor» sollte man nicht für Telekonverter verwenden, um Verwechslungen zu vermeiden.

Wie messe ich den Abbildungsmassstab in der Praxis?

Fotografiere ein Lineal neben dem Motiv. Miss auf dem Sensor-Ausgabebild, wie gross das Lineal erscheint. Verhältnis Bildgrösse / echte Grösse = Abbildungsmassstab M. Alternativ: Die meisten Makroobjektive tragen Masstabsskalen direkt auf dem Objektivgehäuse.

Fazit

Der Verlängerungsfaktor ist ein einfaches, aber unverzichtbares Konzept für alle, die in der Makrofotografie oder mit Balgen- und Fachkamerasystemen arbeiten. Die Formel VF = (1+M)² ist in einer Minute gelernt, und die Korrekturwerte sind in der Tabelle schnell nachgeschlagen. Wer ihn kennt, belichtet Nahaufnahmen präzise – statt Belichtungsserie auf Belichtungsserie zu schiessen.

Quellen

  1. Leslie Stroebel: View Camera Technique, 7. Aufl. – Balgenverlängerung, Belichtungsfaktor und Grossformatpraxis.
  2. Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics, 3. Aufl. – Optik der Naheinstellung und Verlängerungsfaktor-Ableitung.
  3. Sinar AG: Sinar System Manual – Balgenmessung und Belichtungskorrektur an Fachkameras.

Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.

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