XMP-Datei

Kurze Antwort

Eine XMP-Datei (Extensible Metadata Platform) ist eine XML-basierte Sidecar-Datei, die Bearbeitungs- und Beschreibungsmetadaten zu einem Foto speichert, ohne die Originaldatei zu verändern. Adobe hat XMP 2001 als offenen Standard entwickelt; heute nutzen ihn Lightroom, Capture One, Bridge und viele weitere Programme. Die Datei trägt denselben Namen wie das Bild, endet aber auf .xmp.

XMP-Datei auf einen Blick
Volle Bezeichnung Extensible Metadata Platform
Dateiendung .xmp (Sidecar) oder eingebettet in JPEG/TIFF/DNG
Format XML (menschenlesbar, plain text)
Enthält Bearbeitungsparameter, Keywords, Copyright, Bewertungen, IPTC, GPS
Vorteil nicht-destruktiv: Original (RAW) bleibt unberührt
Standard ISO 16684-1 (XMP-Spezifikation)

Wer RAW-Fotos bearbeitet, speichert seine Entwicklungseinstellungen nicht in der RAW-Datei selbst – diese bleibt unveränderlich. Stattdessen schreibt Lightroom oder ein anderes Programm alle Korrekturen (Belichtung, Farbe, Beschnitt, Stempel) in eine XMP-Datei daneben. Öffnest du das Bild auf einem anderen Rechner oder in einem anderen Programm, liest es die XMP aus und stellt die Bearbeitung exakt wieder her. Kein Qualitätsverlust, kein Verlust der Originalinformation.

Was steht in einer XMP-Datei?

Technische Metadaten

Kameramodell, Verschlusszeit, Blende, ISO, Brennweite, GPS-Koordinaten – diese Daten stammen ursprünglich aus den EXIF-Daten und können im XMP-Block ergänzt oder überschrieben werden.

Beschreibende Metadaten (IPTC)

Fotograf, Copyright-Vermerk, Caption, Keywords, Kategorie – alles, was ein Bilddatensystem zur Suche und Lizenzierung braucht. Bildagenturen verlangen IPTC-Felder als Standard.

Bearbeitungsparameter

Das Herzstück für die Fotopraxis: Belichtungskorrektur, Weissabgleich, Tonkurven, HSL-Regler, Schärfung, Rauschreduktion, Beschnitt, Healing-Brushes, Farbabstufungen. Lightroom schreibt sie als proprietäre Felder ins XMP-Dokument.

RAWunverändertes Original.xmpBearbeitungs-Anweisung+=Vorschau / ExportJPEG / TIFF mit Korrekturen
Das RAW bleibt unberührt; die XMP-Sidecar enthält alle Entwicklungsparameter. Zusammen ergeben sie das fertige Bild.

XMP eingebettet oder als Sidecar

Bei JPEGs und TIFFs kann XMP direkt in die Bilddatei eingebettet sein – kein separates File nötig. Bei RAW-Dateien sind die meisten Hersteller-RAW-Formate (ARW, CR3, NEF) technisch nicht für In-Place-Bearbeitung gedacht. Deshalb schreibt Lightroom standardmässig eine Sidecar-.xmp daneben. Ausnahme: DNG (Digital Negative) erlaubt eingebettetes XMP, weil es ein offenes Format ist.

  • Sidecar-Workflow: RAW + .xmp immer gemeinsam bewegen oder kopieren – geht eines verloren, sind die Bearbeitungsinfos weg.
  • DNG-Workflow: Alles in einer Datei, einfacher, aber DNG-Konvertierung kostet Zeit und Speicher.

XMP in der Praxis: wichtige Szenarien

Tethering und Teamarbeit

Im Studio tethert der Assistent die Kamera, der Art Director sieht das Bild live. Bearbeitungsvoreinstellungen aus einer XMP können sofort auf neue Bilder angewendet werden – der Look ist von der ersten Aufnahme konsistent.

Archivierung und Übergabe

Archivierst du Bilder langfristig, steckt die Bearbeitungsgeschichte im XMP. Öffnet ein Kunde das Bild in zehn Jahren erneut, sieht er exakt die Werte von damals. Ohne XMP sind Lightroom-Korrekturen nur im Lightroom-Katalog gespeichert – ein proprietäres Format.

Suchen und Filtern

Keywords und Bewertungen aus dem XMP machen grosse Bildarchive durchsuchbar. Tools wie Adobe Bridge, Photo Mechanic oder digiKam lesen diese Felder und zeigen nur die Bilder, die zu deiner Suchanfrage passen.

Häufige Fragen

Wird eine XMP-Datei automatisch erstellt?

In Lightroom nein – du musst «Metadaten in Datei speichern» (Strg/Cmd+S) aktivieren oder in den Einstellungen «Automatisch in XMP schreiben» einschalten. Capture One schreibt XMP standardmässig beim Speichern des Projekts.

Was passiert, wenn ich die XMP lösche?

Die Bearbeitungsdaten gehen verloren. Das RAW selbst bleibt intakt – du hast wieder das unentwickelte Original. Im Lightroom-Katalog bleiben die Daten hingegen erhalten, solange du die Datei nicht aus dem Katalog entfernst.

Kann ich XMP-Dateien in einem Texteditor öffnen?

Ja. XMP ist plain-text-XML. Du kannst es mit jedem Texteditor lesen und im Notfall manuell bearbeiten – zum Beispiel, um Copyright-Einträge massenhaft zu korrigieren.

Funktioniert XMP zwischen Lightroom und Capture One?

Die Standard-IPTC-Felder (Keywords, Copyright, Rating) werden ausgetauscht. Proprietäre Entwicklungsparameter (Tonkurven-Algorithmus etc.) sind programmspezifisch und werden vom anderen Programm ignoriert oder anders interpretiert.

Ist XMP dasselbe wie EXIF?

Nein. EXIF enthält Kamera-Rohdaten (Belichtungsparameter, Modell) und ist direkt in der Bilddatei gespeichert. XMP ist ein flexibles Metadaten-Framework, das EXIF-Werte lesen und erweitern kann, aber auch Bearbeitungsinfos und Beschreibungen aufnimmt.

Muss ich XMP-Dateien ins Backup einschliessen?

Unbedingt. Ohne die XMP-Sidecar fehlt die gesamte Nachbearbeitungsgeschichte. Im Backup-Script immer *.xmp und *.raw gemeinsam sichern.

Fazit

XMP-Dateien sind das unsichtbare Rückgrat eines professionellen RAW-Workflows. Sie halten die Originalaufnahme sauber, speichern Entwicklungsschritte verlustfrei und machen Bildarchive durchsuchbar. Wer konsequent mit XMP-Sidecar arbeitet und Backups immer gemeinsam mit den RAWs anlegt, behält volle Kontrolle über sein Bildmaterial – heute und in zehn Jahren.

Quellen

  1. ISO 16684-1:2019 – Graphic technology: Extensible metadata platform (XMP).
  2. Adobe Systems: XMP Specification Part 1 – Data Model, Serialization, and Core Properties, 2022.
  3. IPTC Photo Metadata Standard 2021 – Felder für Pressefotos und Bildarchive (iptc.org).

Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.

Schreib einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.