Ein Aufsteckblitz (Aufsatzblitz, Speedlight) ist ein kompaktes, batteriebetriebenes Blitzgerät, das in den Blitzschuh der Kamera eingesteckt wird und das Licht flexibel dosiert, dreht und schwenkt. Verglichen mit dem integrierten Kamerablitz liefert er ein Vielfaches an Leistung, erlaubt indirektes Blitzen an Decken und Wände, und lässt sich über TTL vollautomatisch steuern oder manuell präzise einstellen.
| Befestigung | ISO-Blitzschuh (universell); Herstellergebundener Kontakt für TTL |
|---|---|
| Leistung | Leitzahl (LZ) 30–60 bei ISO 100, 50 mm |
| Steuerung | TTL (Through The Lens), manuell (1/1–1/128), HSS, Multi-Blitz |
| Schwenkbar | vertikal 0–90°, horizontal ±180° – für indirektes Licht |
| Aufladezeit | 1–4 Sekunden je nach Leistung und Akkuzustand |
| Wireless | per Radio (Funk) oder optisch (IR) fernsteuerbar |
| Vorteil vs. Studio | batteriebetrieben, überall einsetzbar, sofort mitgenommen |
Der Aufsteckblitz ist die mobile Lichtquelle schlechthin. Im Studio hast du grosse Blitzköpfe mit Softboxen – draussen hast du den Aufsteckblitz. Ob an der Decke reflektiert, durch einen Diffusor gebrochen oder entfesselt auf einem zweiten Stativ: Er ist das Werkzeug, mit dem du das Licht unter schwierigen Bedingungen beherrschst, statt dich damit abzufinden.
Leitzahl verstehen
Die Leitzahl (LZ) gibt die maximale Blitzleistung an. Die Formel: LZ = Blende × Abstand (in Metern). Ein Blitz mit LZ 50 bei ISO 100 beleuchtet ein Motiv in 5 m Abstand korrekt bei Blende f/10 – oder in 10 m Abstand bei f/5. Höhere ISO-Werte verlängern die Reichweite: Bei ISO 400 verdoppelt sich effektiv die LZ gegenüber ISO 100. Wichtig: Herstellerangaben werden oft mit Zoom am langen Ende (z. B. 105 mm) gemessen, wo das Licht gebündelt ist – in der Praxis bei 24 mm-Kopfstellung rechne mit deutlich weniger.
TTL, Manuell und HSS
TTL (Through The Lens)
Die Kamera feuert einen kurzen Vorblitz, der Sensor misst die Reflexion vom Motiv, und die Elektronik berechnet die optimale Blitzleistung für den Hauptblitz. In Millisekunden. TTL spart Zeit bei sich ändernden Situationen – Event, Hochzeit, Street. Nachteil: Es kann bei sehr hellem Hintergrund oder stark reflektierenden Oberflächen die Messung täuschen.
Manuelle Steuerung
Du setzt die Leistung selbst: 1/1 (volle Leistung) bis 1/128. Das Ergebnis ist zu 100 % reproduzierbar – jedes Bild exakt gleich hell. Ideal für kontrollierte Studioumgebungen, Product Shots und alle Situationen, wo du mehrere Blitze koordinierst.
HSS (High-Speed-Sync)
Normale Sync-Zeiten liegen bei 1/200–1/250 s. Darüber ist nur der Schlitz des Schlitzverschlusses offen. HSS löst dieses Problem durch einen schnell gepulsten Blitz, der den gesamten Verschlussablauf begleitet. So kannst du bei sonnigem Gegenlicht f/1.8 und 1/2000 s kombinieren, ohne den Hintergrund überzubelichten.
Indirektes Blitzen: die wichtigste Technik
Drehe den Reflextor nach oben (90°) und richte ihn auf eine helle Decke. Das Licht wird auf einer grossen Fläche gebrochen und fällt weich und schattenarm auf das Motiv – ähnlich einer Softbox. Funktioniert nur bei weissen oder hellen Decken; farbige Decken geben einen Farbstich. Im Freien fehlt die Reflexionsfläche – dann hilft ein kleiner weisser Reflektor am Blitzkopf oder ein aufgesteckter Diffusor.
Funksystem und entfesseltes Blitzen
Funk-Trigger (Godox, Profoto, Cactus) entkoppeln den Blitz von der Kamera. Du stellst ihn auf einen Ständer seitlich oder hinter das Motiv, zündest per Funksignal vom Hotshoe-Sender aus. TTL überträgt dabei manche Systeme drahtlos – andere verlangen manuellen Abgleich. Entfesseltes Blitzen ist die preiswerte Alternative zum Studio-Setup.
Häufige Fragen
Welchen Aufsteckblitz soll ich kaufen?
Für Einsteiger: Godox V860 III (herstellerübergreifend, Li-Ionen, TTL). Für maximale Systemintegration: Nikon SB-700/SB-5000 oder Canon Speedlite 600EX II-RT – beide mit erweitertem HSS und Radio-Steuerung.
Was ist der Rote-Augen-Effekt und wie vermeide ich ihn?
Was bedeutet Aufladekompensation?
Wenn du den Blitz häufig hintereinander auslöst, leert sich der Akku und die Leistung sinkt. Viele Blitze haben eine Warnleuchte, die das zeigt. Akku-Packs verlängern Reichweite und verkürzen die Aufladezeit auf unter eine Sekunde.
Kann ich meinen Aufsteckblitz im Studio nutzen?
Ja. Mit Softbox-Adaptern (Bowens-Anschluss-Kompatibilitätsadapter) oder Schirm-Klemmen lässt er sich in die Studio-Umgebung integrieren. Die Leistung ist kleiner als beim Studio-Blitz, reicht aber für Portraits und kleinere Produktaufnahmen.
Was ist Multi-Blitz-Modus?
Der Blitz zündet mehrmals während einer langen Belichtung – ideal, um Bewegungsabläufe (Golfschwung, Sprung) auf einem Bild einzufrieren. Die Frequenz (Hz) und Anzahl der Blitze sind einstellbar.
Fazit
Ein Aufsteckblitz ist nach Kamera und Objektiv oft das wichtigste Ausrüstungsteil. Er befreit dich von vorhandenem Licht, erlaubt kreative Lichtgestaltung unterwegs und ist flexibler als jede andere mobile Lichtquelle. Lerne zuerst das indirekte Blitzen an der Decke – das verbessert deine Porträt- und Event-Aufnahmen sofort und dramatisch.
Quellen
- ISO 517 – Blitznummernregel und Leitzahl-Berechnung für Fotoausrüstung.
- Nikon Deutschland: Technische Spezifikation SB-5000 Speedlight – HSS, Radio-TTL und Multi-Blitz.
- Joe McNally: The Hot Shoe Diaries – Praxisführer Aufsteckblitz und entfesseltes Blitzen.
Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.
