Blendenreihe

Kurze Antwort

Die Blendenreihe ist die genormte Folge von f-Zahlen, bei der jede Stufe die Lichtmenge genau halbiert oder verdoppelt. Die klassische Reihe lautet f/1.0 – f/1.4 – f/2 – f/2.8 – f/4 – f/5.6 – f/8 – f/11 – f/16 – f/22. Jeder Schritt entspricht einem vollen Belichtungsstopp und wächst um den Faktor √2 ≈ 1,41.

Blendenreihe auf einen Blick
Norm ISO 517 – Blendenreihe für fotografische Objektive
Schrittfaktor √2 ≈ 1,41 pro volle Stufe (1 EV)
Lichthalbierung jede Stufe höher = 50 % weniger Licht
Zwischenstufen ½ EV und ⅓ EV üblich in modernen Kameras
Teil des Belichtungsdreiecks (Blende · Zeit · ISO)
Wirkung Lichtmenge und Schärfentiefe gleichzeitig

Die Blendenreihe ist kein willkürlich gewählter Zahlensatz – hinter ihr steckt klare Mathematik. Die Fläche einer kreisrunden Öffnung ist proportional zum Quadrat des Radius. Damit sich die Fläche verdoppelt, muss der Durchmesser um den Faktor √2 wachsen. Deshalb folgt die Blendenreihe dieser Wurzel-2-Sequenz: sie macht Belichtungsänderungen vorhersehbar und übertragbar – zwischen Kameras, Objektiven und Situationen.

Blenden- & Belichtungsrechner

Wähle eine Ausgangsbelichtung und eine neue Blende – der Rechner zeigt, welche Verschlusszeit die Helligkeit gleich hält.

Ausgangs-Blende
Ausgangs-Verschlusszeit
1/250

1/40001/601 s
Neue Blende
Neue Verschlusszeit für gleiche Belichtung

Nächste Standardzeit:

Lichtmenge
durch die Blende
mit neuer Blende
durch längere Zeit
So liest du es: Schliesst du die Blende um Stufen, fehlt Licht – die gleiche Menge holst du über eine längere Verschlusszeit zurück (Belichtungsdreieck).

Die volle Blendenreihe im Überblick

Die wichtigsten vollen Stufen in einer Tabelle – mit relativer Lichtmenge bezogen auf f/1.0:

Volle Blendenstufen und relative Lichtmenge
f-Zahl Lichtmenge (relativ) Typische Anwendung
f/1.4 50 % von f/1.0 Wenig Licht, starke Freistellung
f/2.8 13 % von f/1.0 Porträt, Reportage
f/5.6 3 % von f/1.0 Allround, Gruppen
f/8 1,6 % von f/1.0 Landschaft, Architektur
f/16 0,4 % von f/1.0 Sonnensterne, Langzeit
f/1.4f/2.8f/5.6f/8f/11f/16
Jede volle Blendenstufe halbiert die Lichtdurchlass-Fläche – die Kreise zeigen die relativen Öffnungsgrösssen von f/1.4 bis f/16.

Zwischenstufen: ½ EV und ⅓ EV

Moderne Kameras bieten Blendenwahl in halben oder drittel Stufen. Drittel-Stufen sind heute Standard, weil sie feinere Kontrolle erlauben. Die ⅓-EV-Reihe beginnt: f/1.0 – f/1.1 – f/1.2 – f/1.4 – f/1.6 – f/1.8 – f/2.0 … Jeder dritte Schritt in dieser Reihe entspricht einer vollen Stufe der klassischen Reihe.

Blendenreihe und Belichtungsdreieck

Die Blendenreihe macht das Belichtungsdreieck handhabbar. Schliesst du die Blende um eine Stufe, fehlt dir die Hälfte des Lichts – das holst du entweder über eine Stufe längere Belichtungszeit oder eine ISO-Stufe höher zurück. Weil die Zeitreihe und die ISO-Reihe ebenfalls in Verdopplungsschritten aufgebaut sind, kannst du immer 1:1 umrechnen. Der Rechner oben macht das sichtbar.

Beugung an kleinen Blenden

Abblenden lohnt sich nicht unbegrenzt. Ab etwa f/11 (Vollformat) oder f/8 (APS-C) beginnt die Beugung am Blendenrand, die Detailauflösung zu mindern. Die scharfe Zone wächst zwar weiter, aber die Bildqualität innerhalb dieser Zone fällt. Für maximale Schärfe im Bild gilt: zwei bis drei Stufen unter der maximalen Öffnung, meist f/5.6–f/8.

Häufige Fragen

Warum sind die f-Zahlen der Blendenreihe keine runden Zahlen?

Weil sie aus Quadratwurzeln folgen. Die Fläche einer kreisrunden Öffnung soll sich bei jeder Stufe verdoppeln oder halbieren. Das gelingt mit dem Faktor √2 ≈ 1,41 – was unvermeidlich zu Werten wie 1,4 oder 2,8 führt. ISO 517 hat diese Werte normiert.

Was ist ein EV (Exposure Value)?

Ein EV ist eine abstrakte Belichtungseinheit: 1 EV bedeutet genau eine Verdoppelung oder Halbierung der Lichtmenge. Eine Blendenstufe, eine Zeitstufe und eine ISO-Stufe entsprechen je 1 EV – weshalb sie direkt austauschbar sind.

Welche Blende ist die «schärfste»?

Meist zwei bis drei Stufen unter der maximalen Öffnung, häufig f/5.6–f/8. Dort überwiegt die Beugung noch nicht, und optische Fehler (Randunschärfe, Vignettierung) sind minimiert.

Ist die Blendenreihe bei allen Kamerasystemen gleich?

Ja, die f-Zahlen sind weltweit nach ISO 517 genormt und gelten für alle Systemgrössen – vom Smartphone bis zur Grossformatkamera. Die Schärfetiefenwirkung unterscheidet sich aber je nach Sensorgrösse und Brennweite.

Was passiert, wenn mein Objektiv f/3.5 als Maximum hat – ist das eine Normblende?

f/3.5 ist eine Drittel-Stufe zwischen f/2.8 und f/4. Das ist in der Praxis völlig normal, besonders bei Zoom-Einstiegsobjektiven. Kameras zeigen solche Zwischenwerte problemlos an.

Fazit

Die Blendenreihe ist das Alphabet der Belichtung: Wer die Stufenlogik kennt, kann in jeder Situation blitzschnell umrechnen, ohne über ein Ergebnis nachzudenken. Nutze den Rechner oben, bis die Sprünge von einer Stufe zur nächsten selbstverständlich werden – dann bist du frei für die kreativen Entscheidungen.

Quellen

  1. ISO 517:2008 – Photography: Apertures and related quantities pertaining to and used with photographic lenses.
  2. Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics, 3. Aufl. – Blende, f-Zahl und Beugung.
  3. B. Jähne: Digitale Bildverarbeitung, 7. Aufl. Springer – Belichtungsgesetze und Optik-Grundlagen.

Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.

Schreib einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.