High Speed Synchronisation (HSS) ist eine Blitztechnik, die es erlaubt, den Systemblitz mit Verschlusszeiten zu nutzen, die kürzer sind als die normale X-Sync-Zeit der Kamera. Dabei sendet der Blitz während der gesamten Belichtung eine Serie kurzer Impulse statt eines einzigen Blitzes – so wird auch bei 1/4000 s der ganze Sensor gleichmässig ausgeleuchtet.
| Auch genannt | HSS, FP-Sync (Focal Plane Sync), Auto FP |
|---|---|
| Notwendig ab | Verschlusszeiten kürzer als X-Sync (typisch 1/200–1/250 s) |
| Funktionsprinzip | Blitz sendet eine Serie kurzer Impulse statt eines Einzelblitzes |
| Nachteil | Weniger effektive Blitzleistung als bei X-Sync |
| Typische Anwendung | Porträt im Gegenlicht, Sport bei offener Blende |
| Voraussetzung | Kamera und Blitz müssen HSS unterstützen |
Ohne HSS gibt es ein hartes Limit: die X-Sync-Zeit. Überschreitest du sie, wandert der zweite Verschlussvorhang schon ins Bild, bevor der erste den Sensor vollständig freigegeben hat – das Ergebnis ist ein schwarzer Balken am Bildrand. HSS umgeht das Problem, indem der Blitz flimmert wie eine Leuchtstoffröhre, solange der wandernde Vorhangspalt über den Sensor läuft. So erhält jede Zone des Sensors gleich viel Blitzlicht.
Warum gibt es eine X-Sync-Grenze?
Der Lamellenverschluss (Schlitzverschluss) moderner Kameras besteht aus zwei Vorhängen: Vorhang 1 öffnet, Vorhang 2 schliesst danach. Bei kurzen Zeiten überlappen sie sich – der Sensor wird durch einen wandernden Schlitz belichtet, nicht durch eine volle Öffnung. Nur während der kurzen Phase, in der der Sensor vollständig frei liegt (bei X-Sync), kann ein Einzelblitz das gesamte Bild ausleuchten. Bei Zeiten jenseits der X-Sync ist diese Phase zu kurz oder nicht mehr vorhanden.
Wie HSS das Problem löst
Der HSS-Blitz produziert statt eines einzigen starken Blitzes viele kurze Impulse über die gesamte Belichtungsdauer. Jede Schlitzposition erhält so den gleichen Anteil Licht. Der Preis: Weil die Energie auf viele Impulse verteilt wird, ist die effektive Lichtleistung geringer als bei einem Einzelblitz. Faustregel: Pro Stufe kürzer als X-Sync verlierst du etwa 1 EV Blitzleistung – bei 1/1000 s statt 1/250 s also rund 2 Stufen.
Typische Anwendungen
Porträt im Freien
Du willst bei f/1.8 fotografieren, weil du Freistellung willst. Bei hellem Sonnenlicht zwingt dich das aber zu 1/4000 s – jenseits der X-Sync. HSS ermöglicht genau diese Kombination: offene Blende, sehr kurze Zeit, und trotzdem Aufhellung durch den Blitz.
Sportfotografie
Kurze Zeiten (1/2000 s und kürzer) frieren Bewegung ein. Mit HSS kannst du auch in dieser Zeitregion mit dem Blitz arbeiten – etwa um Athleten im Gegenlicht aufzuhellen, ohne den Hintergrund zu überblenden.
Hochzeitsfotografie
Auf Terrassen oder im Freien ist eine offene Blende für das Bokeh gewünscht, aber die kurze Sync-Zeit verhindert den Blitzeinsatz. HSS löst das elegant: creamy Hintergrund, aufgehelltes Gesicht.
HSS-Einschränkungen
- Reichweite sinkt: Je kürzer die Zeit, desto weniger Blitzleistung kommt an. Bei 1/4000 s ist der effektive Abstand oft auf 1–2 m begrenzt.
- Akku-Belastung: Viele Impulse entladen den Blitzakku schneller als ein Einzelblitz.
- Nicht für Dauerlicht: HSS ist nur für Blitzgeräte gedacht, nicht für LED-Dauerlicht (das keine X-Sync-Grenze hat).
- Kompatibilität: Kamera und Blitz müssen über den gleichen Hersteller-Protokoll oder TTL-kompatiblen Transmitter verbunden sein.
Häufige Fragen
Wie aktiviere ich HSS?
Am Blitz oder am Transmitter gibt es meist eine HSS- oder FP-Taste. Bei vielen Systemen (Canon, Nikon, Sony, Fujifilm) aktiviert sich HSS automatisch, sobald du eine Verschlusszeit wählst, die über der X-Sync liegt – sofern Blitz und Kamera kompatibel sind.
Was ist der Unterschied zwischen HSS und High-Speed-Auslösung?
Zwei verschiedene Dinge: High-Speed-Auslösung (Burst) bedeutet viele Bilder pro Sekunde. HSS bedeutet, Blitz bei sehr kurzen Einzelzeiten zu nutzen. Beide lassen sich kombinieren, aber sie beschreiben unabhängige Kamerafunktionen.
Kann ich HSS mit Studioblitzen nutzen?
Wenige Studioblitze unterstützen HSS nativ (z. B. Profoto B1X, Godox AD600 Pro). Die meisten grossen Monolichter haben keine HSS-Funktion. Alternativ: Elektronischen Verschluss (EFCS) nutzen, der keine mechanische Sync-Grenze hat.
Was ist der elektronische Verschluss als Alternative?
Viele spiegellose Kameras bieten einen vollständig elektronischen Verschluss, der keine mechanische Schlitz-Wanderung hat und damit keine X-Sync-Grenze kennt. Mit kompatiblen Blitzen (und ohne Rolling-Shutter-Probleme) kann man so ohne HSS sehr kurze Zeiten nutzen.
Verliere ich Bildqualität durch HSS?
Nein, die Bildqualität als solche leidet nicht – es sinkt lediglich die effektive Blitzreichweite. Im Bild selbst gibt es keine HSS-typischen Artefakte, sofern du im Rahmen der Blitzreichweite arbeitest.
Fazit
HSS öffnet die Blende fürs Freistellen auch im hellen Tageslicht und macht kurze Verschlusszeiten mit Blitz möglich. Der Preis ist eine reduzierte Blitzleistung. Wer diesen Trade-off kennt und im Kopf hat, wann HSS wirklich nötig ist, setzt den Modus gezielt ein – statt automatisch immer zu aktivieren und sich über schwachen Blitzeffekt zu wundern.
Quellen
- Profoto: HSS Technology White Paper – Funktionsprinzip und Leistungsverlust bei FP-Sync, 2023.
- Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics, 3. Aufl. – Blitzsynchronisation und Schlitzverschluss.
- CIPA-Standard DC-008 – Camera File System Specification; Blitz-Kommunikationsprotokoll.
Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.
