«Cheese!» ist der englischsprachige Auslöseruf beim Fotografieren, der die Lippen zu einem natürlichen Lächeln formt und das Gesicht entspannt. Das Wort ist weltweit der bekannteste Fotografie-Anglizismus, existiert in Dutzenden sprachlicher Varianten – und ist gleichzeitig ein gutes Beispiel dafür, warum authentische Bildnisse oft ohne Auslöseruf gelingen.
| Herkunft | USA, vermutlich 1940er Jahre; frühe Erwähnung 1943 (The Big Spring Daily Herald) |
|---|---|
| Wirkung | erzwungenes «ee»-Lächeln durch Dehnung der Lippen beim Wort «Cheese» |
| Deutsch | «Bitte lächeln!», «Käse!» |
| Alternativen | «Whisky!» (breites Lächeln), «Money!», «Spaghetti!» |
| Kritik | erzwungenes Lächeln wirkt unnatürlich; authentischer: spontane Momente |
| Technik-Tipp | kurz vor Auslöser nochmals «Cheese» sagen lässt Augen kurz aufleuchten |
Das «Cheese!»-Lächeln ist ein kulturelles Phänomen: Die ee-Lautform spannt die Mundwinkel und hebt die Wangen – das ergibt physiognomisch ein Lächeln. Ob es auch die Augen zum Lächeln bringt (Duchenne-Lächeln), hängt von der Person ab. In der Portraitfotografie geht es deshalb längst über den blossen Auslöseruf hinaus: Gute Portraitfotografinnen und -fotografen wissen, wann ein Auslöseruf hilft und wann echte Reaktionen viel stärker sind.
Geschichte und Verbreitung
Der früheste belegte Auslöseruf war nicht «Cheese!», sondern «Prunes» (Pflaumen) – das Wort formt den Mund zu einem geschlossenen, würdevollen Ausdruck, wie es das 19. und frühe 20. Jahrhundert in der Portraitfotografie verlangte. Lange Belichtungszeiten erforderten ein unbewegliches Gesicht; ein Lächeln war impraktisch. Erst mit schnellen Verschlusszeiten und dem Demokratisierungsprozess der Kamera – Kodak Brownie, Polaroid, Kleinbild – wurde das breite Lächeln zum Standard. «Cheese!» setzte sich in Amerika durch, weil der Vokal «ee» die Zähne sichtbar macht und ein Grinsen erzwingt.
Varianten weltweit
| Land/Sprache | Auslöseruf | Bedeutung |
|---|---|---|
| Englisch (USA/UK) | Cheese! | Käse |
| Deutsch | Käse! / Bitte lächeln! | Käse / Bitte lächeln |
| Französisch | Ouistiti! | Marmosaffe |
| Spanisch | Patata! / Whisky! | Kartoffel / Whisky |
| Japanisch | Hai, chīzu! | Ja, Käse! |
| Koreanisch | Kimchi! | Kimchi |
«Cheese!» und authentische Portraits
Das Problem mit «Cheese!» ist bekannt: Das erzwungene Lächeln aktiviert nur die Mundmuskeln, nicht die Augenmuskeln. Ein echtes Duchenne-Lächeln kräuselt die äusseren Augenwinkel («Lachfältchen»). Erfahrene Portraitfotografen nutzen deshalb verschiedene Techniken für authentische Reaktionen:
- Gespräch führen: Über etwas reden, das die Person interessiert oder zum Lachen bringt. Die Kamera löst im besten Moment aus.
- Falschauslösen: «Jetzt noch nicht…» – und dann im Moment der Überraschung tatsächlich auslösen.
- Countdown-Trick: «Eins, zwei, drei – Cheese!» und auf «drei» auslösen, bevor das Cheese-Lächeln einsetzt.
- Kurz nach dem Auslösen fotografieren: Das Entspannen nach dem Cheese-Lächeln kann natürlicher wirken als das Cheese-Lächeln selbst.
«Cheese!» als Lernhilfe für Einsteiger
Für Familienfotografie, Gruppenbilder und unkomplizierte Schnappschüsse bleibt «Cheese!» ein nützliches Werkzeug. Es synchronisiert die Gruppe, sorgt für Aufmerksamkeit und gibt dem Fotografen Zeit zum Fokussieren. Die Schwäche – das unechte Lächeln – fällt auf lockeren Familienfotos oft weniger auf als bei Bewerbungsfotos oder ernsthafter Portraitarbeit.
Häufige Fragen
Warum sagt man beim Fotografieren «Cheese»?
Das Sprechen des Wortes «Cheese» – oder genauer: das «ii»-Vokalphonem – spannt die Lippenmuskeln seitlich und hebt die Mundwinkel. Das erzeugt ein Grundlächeln. Es ist ein phonetischer Trick, kein logischer.
Gibt es bessere Alternativen zu «Cheese»?
Ja. Für natürlichere Resultate sind spontane Gespräche, Witze oder überraschende Fragen effektiver als jeder Auslöseruf. «Whisky!» produziert ein breites Grinsen; «Sauerkraut!» führt zu lustiger Verwirrung. Letztlich zählt, was die Stimmung auflockert.
Wie unterscheide ich ein echtes von einem gestellten Lächeln?
Schau die Augen an. Ein echtes Duchenne-Lächeln (benannt nach dem Neurologen Guillaume-Benjamin Duchenne) kräuselt die Augenwinkel und hebt die Wangen leicht an. Nur der Mund lächelt? Das Lächeln ist gestellt.
Kommt «Cheese!» auch beim Selbstportrait vor?
Beim Selbstauslöser oder in der Foto-App sagst du dir selbst «Cheese!» – es funktioniert genauso. Viele Smartphone-Kameras erkennen Lächeln und lösen automatisch aus (Lächelerkennung), was «Cheese!» als Selbsthilfe manchmal überflüssig macht.
Warum klingt «Cheese» auf alten Fotos so steif?
Frühere Portraitkonventionen verlangten Würde, keine Zahnlächeln. Das «Cheese!» entstand erst, als Schnellbelichtung das Einfrieren von Lächeln erlaubte und die Populärkultur breite Zähne als Ausdruck von Optimismus und Freundlichkeit etablierte – ein US-amerikanischer Kulturexport.
Fazit
«Cheese!» ist viel mehr als ein Auslöseruf: Es ist ein Fenster in Fotogeschichte, Kulturtransfer und Portraitpsychologie. Für unkomplizierte Gruppenfotos bleibt es nützlich. Wer tiefere, authentischere Portraits sucht, geht einen Schritt weiter und lässt den Auslöseruf weg – und fängt stattdessen echte Momente ein.
Quellen
- Angus Trumble: A Brief History of the Smile – Kulturgeschichte des Lächelns und seine Rolle in der Portraitfotografie.
- Guillaume-Benjamin Duchenne de Boulogne: The Mechanism of Human Facial Expression (1862) – wissenschaftliche Grundlage zum echten vs. gestellten Lächeln.
- The Big Spring Daily Herald (Texas, 1943) – erste dokumentierte Erwähnung von «cheese» als Fotografie-Auslöseruf.
Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.
