Lab (CIE L*a*b* oder CIELAB) ist ein geräteunabhängiges Farbmodell, das alle vom menschlichen Auge wahrnehmbaren Farben in drei Achsen beschreibt: L* für Helligkeit, a* für Grün-Rot-Achse und b* für Blau-Gelb-Achse. Im Gegensatz zu RGB und CMYK ist Lab nicht an einen bestimmten Ausgabe-Kanal gebunden – es beschreibt Farbe so, wie das Auge sie sieht, und ist deshalb der Standard für Farbmanagement und Farbprofilberechnungen.
| Vollständig | CIE L*a*b* (CIELAB), definiert 1976 durch die CIE |
|---|---|
| Achsen | L* = Helligkeit (0 Schwarz – 100 Weiss); a* = Grün (–) / Rot (+); b* = Blau (–) / Gelb (+) |
| Vorteil | geräteunabhängig; deckt den gesamten sichtbaren Farbraum ab |
| Einsatz | Farbmanagement, ICC-Profile, Delta-E Farbabstandsmessung, Druckvorstufe |
| In Photoshop | Bild → Modus → Lab-Farbe; Kanäle L, a, b separat bearbeitbar |
| Delta-E | Farbabstandsmasszahl in Lab – Delta-E < 1: nicht sichtbarer Unterschied |
Warum braucht man ein drittes Farbmodell neben RGB und CMYK? Weil RGB von Displays abhängt und CMYK vom Druck – kein einheitliches Referenzsystem. Lab dagegen ist wie ein Wörterbuch, das zwischen diesen Sprachen übersetzt. Wenn Lightroom ein Bild vom Monitor-RGB in Drucker-CMYK konvertiert, rechnet es intern über Lab, um Farben exakt zu erhalten. Wer Farbmanagement versteht, muss Lab verstehen.
Die drei Lab-Achsen im Detail
L* – Helligkeit
L* läuft von 0 (reines Schwarz) bis 100 (ideales Weiss). Diese Achse ist von den Farbachsen vollständig getrennt – du kannst die Helligkeit ändern, ohne die Farbe zu verändern, und umgekehrt. Das ist ein grosser Vorteil gegenüber RGB, wo Helligkeit und Farbe in den Kanalwerten vermengt sind.
a* – Grün-Rot-Achse
Negative a*-Werte stehen für Grün, positive für Rot-Magenta. 0 ist neutral (kein Grün-Rot-Stich). In Photoshop sieht der a*-Kanal wie ein Grün-zu-Rot-Verlauf aus; Grünstiche einer Lichtquelle (Leuchtstoffröhre) zeigen sich als negative a*-Verschiebung.
b* – Blau-Gelb-Achse
Negative b*-Werte stehen für Blau, positive für Gelb. Kombiniert mit L* und a* kann Lab jeden wahrnehmbaren Farbton beschreiben – und das ohne Gerätekalibrierung.
Lab im Farbmanagement
ICC-Farbprofile verwenden Lab als Verbindungsfarbraum (Profile Connection Space). Wenn du ein Bild von einer Kamera (sRGB) in den Drucker (CMYK) konvertierst, rechnet das Betriebssystem oder Programm in zwei Schritten: sRGB → Lab → CMYK. Lab dient als neutrales Wörterbuch, das beide Systeme versteht, ohne selbst gerätespezifisch zu sein.
Delta-E: Farbabstand messen
Delta-E (ΔE) ist die Distanz zwischen zwei Punkten im Lab-Raum. Ein Delta-E unter 1 ist für das menschliche Auge nicht erkennbar; ab Delta-E 3–5 sind Unterschiede sichtbar; ab Delta-E 10 sind sie deutlich. Monitorkalibrierung zielt auf Delta-E < 2; professionelle Druckproduktion auf < 1.
Lab in Photoshop nutzen
Du kannst ein Bild in Photoshop über Bild → Modus → Lab-Farbe konvertieren. Dann sind im Kanäle-Panel drei Kanäle sichtbar: L, a, b. Das eröffnet spezifische Bearbeitungsmöglichkeiten:
- Nur den L-Kanal schärfen: Im L-Kanal gibt es keine Farbinformation – Schärfen erzeugt keinen Farbstich, nur echte Kontrastschärfung.
- Farbstiche über a/b korrigieren: Ein Grünstich (a*-Verschiebung) lässt sich durch eine Kurve am a*-Kanal exakt neutralisieren, ohne die Helligkeit zu berühren.
- Dynamisch kontrastieren: Kurven am L*-Kanal erhöhen den lokalen Kontrast, ohne Sättigung zu verändern.
Lab vs. RGB vs. CMYK
| Merkmal | sRGB | CMYK | Lab |
|---|---|---|---|
| Geräteabhängig | ja (Displays) | ja (Drucker) | nein |
| Farbumfang | mittel | kleiner als sRGB | vollständig (sichtbar) |
| Kanäle | R, G, B | C, M, Y, K | L*, a*, b* |
| Einsatz | Web, Displays | Offsetdruck | Farbmanagement, Messung |
| Helligkeit getrennt | nein | nein | ja (L*) |
Häufige Fragen
Warum ist Lab geräteunabhängig?
Lab basiert auf der physiologischen Farbwahrnehmung des Menschen, nicht auf Phosphor-Mischfarben von Displays oder Tintenspektren von Druckern. Es ist ein absolutes Referenzsystem für Licht, nicht für Ausgabetechnik.
Soll ich meine Bilder in Lab bearbeiten?
Was bedeutet Delta-E in der Praxis?
Ein Delta-E unter 1 ist nicht wahrnehmbar. Monitor-Kalibrierung mit Delta-E < 2 gilt als gut; professionelle Druckvorstufe strebt Delta-E < 1 an. Delta-E 6–10 entspricht einem sichtbaren, aber noch tolerierbaren Farbunterschied im Drucksatz.
Kann ich in Lab mit Pinseln und Masken arbeiten?
Wann nutzt Lightroom Lab intern?
Gibt es Lab in der analogen Fotografie?
Nicht direkt. Lab ist ein digitales Berechnungsmodell. In der analogen Densitometrie werden ähnliche geräteunabhängige Messungen zur Farbdichte-Kontrolle verwendet, aber nicht das CIE-Lab-Modell.
Fazit
Lab ist der unsichtbare Klebstoff des Farbmanagements: das neutrale Übersetzungssystem zwischen Display-RGB und Drucker-CMYK. Wer Farbprofile, ICC-Konvertierungen und Delta-E-Werte versteht, begreift automatisch Lab. Für die Bildbearbeitung öffnet Lab-Modus in Photoshop spezifische Wege zu rauschfreier Schärfung und präziser Farbkorrektur. Es lohnt sich, diesen Farbraum einmal auszuprobieren – besonders den L-Kanal-Trick beim Schärfen.
Quellen
- CIE 15:2004 – Colorimetry (Commission Internationale de l’Éclairage) – Definition von CIE L*a*b*.
- ICC (International Color Consortium): Specification ICC.1:2022 – Profile Connection Space und Lab als Verbindungsfarbraum.
- Rolf G. Kuehni: Color Space and Its Divisions – Geschichte und Mathematik des CIELAB-Modells.
Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.
