Vergrößerer

Kurze Antwort

Ein Vergrösserer ist ein optisches Gerät der Dunkelkammer, das ein Negativ mit Licht durchleuchtet und das Bild über ein Objektiv vergrössert auf Fotopapier projiziert. Er ist das Herzstück der analogen Schwarz-Weiss- und Farb-Laborfotografie und bestimmt zusammen mit Belichtungszeit und Blende die Qualität des Abzugs.

Vergrösserer auf einen Blick
Funktion Negativ auf Fotopapier projizieren und vergrössern
Lichtquelle Glühlampe, Halogen oder LED; Kondensor- oder Diffusor-Typ
Objektiv Speziell gerechnetes Vergrösserungsobjektiv (z. B. Rodagon, El-Nikkor)
Formate 35 mm, Mittelformat (6×6 bis 6×9), Grossformat (4×5 Zoll)
Vergrösserungsfaktor Verhältnis Bildgrösse zu Negativgrösse; beeinflusst Belichtungszeit
Genauigkeit Schärfe über Fokustrieb oder Mikroeinstellung am Laufboden

Wer analoge Abzüge selbst herstellt, kommt am Vergrösserer nicht vorbei. Das Gerät besteht aus drei Hauptbaugruppen: dem Lampenhaus mit Lichtquelle und Kondensor oder Diffusor, dem Negativhalter und dem Laufboden, auf dem das Vergrösserungsobjektiv sitzt. Der Abstand zwischen Objektiv und Basisbrett bestimmt den Massstab – je grösser der Abstand, desto grösser das projizierte Bild.

Kondensor- oder Diffusor-Vergrösserer?

Die Wahl der Beleuchtungsart prägt den Charakter des Abzugs entscheidend.

Kondensor-Vergrösserer

Linsen bündeln das Licht gerichtet auf das Negativ. Das Ergebnis ist ein kontrastreicher, knackiger Abzug – ideal für Silber-Gelatine-Prints mit ausgeprägten Tiefen. Staub und Kratzer auf dem Negativ zeichnen sich allerdings stärker ab.

Diffusor-Vergrösserer

Eine Mattscheibe oder ein Opalkolben streut das Licht gleichmässig. Kratzer und Körnung treten weicher auf, die Kontraste sind etwas niedriger. Colour-Vergrösserer mit Filterschubladen arbeiten fast immer nach dem Diffusor-Prinzip.

Das Vergrösserungsobjektiv

Normale Foto-Objektive sind für Motive im Unendlichen berechnet – ein Vergrösserungsobjektiv ist dagegen für kurze Abstände optimiert. Es liefert gleichmässige Schärfe über die gesamte Bildfläche und minimiert Abbildungsfehler. Die Brennweite richtet sich nach dem Negativformat: Für 35-mm-Negative genügen 50 mm; für Mittelformat empfehlen sich 80–105 mm.

Belichtung am Vergrösserer berechnen

Beim Vergrössern gilt das umgekehrte Abstandsgesetz: Verdoppelst du den Vergrösserungsmassstab, brauchst du die vierfache Lichtmenge – also entweder eine vier Mal längere Belichtungszeit oder zwei Stufen offenere Blende. Praktisch rechnet man so:

  • Ausgangsbelichtung bei kleinem Massstab ermitteln (Teststreifen).
  • Neuen Vergrösserungsfaktor messen und den Belichtungsfaktor aus einer Tabelle oder App ablesen.
  • Zeit entsprechend anpassen – oder ein Vergrösserungs-Densitometer nutzen.

Bei Farbnegativfilm kommen noch Filterwerte für Farbbalance hinzu, die je nach Papier variieren.

Ablauf eines analogen Abzugs

  1. Negativ einlegen und staubfrei pusten.
  2. Fokussieren bei offener Blende über die Lupe am Easel.
  3. Blende abblenden (oft f/8–f/11 für optimale Schärfe).
  4. Teststreifen belichten und entwickeln, Zeitreihe ablesen.
  5. Gesamtbild belichten, dann in Entwickler, Stoppbad und Fixierbad tauchen.
  6. Wässern und Trocknen.
LampenhausNegativObjektivFotopapier / EaselLichtAbstand = Massstab
Prinzip des Kondensor-Vergrösserers: Licht → Negativ → Objektiv → Projektion auf Fotopapier. Der Abstand zwischen Objektiv und Papier bestimmt den Vergrösserungsmassstab.

Häufige Fragen

Welche Brennweite brauche ich für 35-mm-Negative?

Standard sind 50 mm; mit 50 mm erzielst du bei typischen Abzugsgrössen (18×24 bis 24×30 cm) angenehme Arbeitshöhen. Für kleinere Negative (z. B. Halbformat) genügen auch 40-mm-Objektive.

Wie erkenne ich, ob das Negativ scharf fokussiert ist?

Benutze eine Scharfstell-Lupe (Grain-Fokuser), die das Filmkorn direkt auf dem Easel zeigt. Ist das Korn scharf, stimmt der Fokus – auch wenn das Bild mit blossem Auge scharf wirkt, schleichen sich sonst Fehler ein.

Warum wird das Bild bei grösserem Massstab dunkler?

Das Licht verteilt sich auf eine grössere Fläche – die Intensität sinkt mit dem Quadrat des Massstabs. Bei doppelter Bildgrösse braucht das Papier die vierfache Belichtung.

Kann ich mit einem Vergrösserer auch Farbnegative abziehen?

Ja, mit einem Colour-Head (variable CMY-Filter im Lampenhaus) oder einer Filterbox unter dem Objektiv. Die Farbbalance erfordert etwas Erfahrung und Teststreifen, da jede Papiercharge eigene Filterwerte hat.

Was tun bei Staub auf dem Abzug?

Negativ und Negativhalter vor dem Einlegen mit Druckluft reinigen. Ein Anti-Statik-Pinsel hilft bei hartnäckigem Staub. In der Dunkelkammer arbeitet man am besten ohne synthetische Kleidung, die Staub anzieht.

Fazit

Der Vergrösserer macht aus dem Negativ ein greifbares Bild – und gibt dir dabei volle Kontrolle über Grösse, Kontrast und Tonwerte. Wer die Grundlagen von Belichtungszeit, Blende und Massstab versteht, produziert von Hand Abzüge, die kein Tintenstrahl-Drucker reproduzieren kann. Kombiniere Teststreifen, eine gute Fokus-Lupe und saubere Negative, und du hast alles, was du brauchst.

Quellen

  1. Steve Anchell: The Darkroom Cookbook, 3. Aufl. – Grundlagen der Dunkelkammerchemie und Vergrösserungstechnik.
  2. Leslie Stroebel, Richard Zakia (Hrsg.): The Focal Encyclopedia of Photography – Vergrösserer, Beleuchtungstypen und Optik.
  3. Ilford Photo: Ilford Technical InformationBelichtungskorrektur bei Massstabsänderungen (online, abgerufen 2026).

Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.

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