Depth of Field (DOF) – auf Deutsch Schärfentiefe – ist der Bereich vor und hinter der Fokusebene, der im fertigen Bild noch als scharf wahrgenommen wird. DOF ist keine feste physikalische Grösse, sondern eine Wahrnehmungsgrösse: Sie hängt von Blende, Brennweite, Motivabstand, Sensorgrösse – und von der Betrachtungssituation ab.
| Englischer Begriff | Depth of Field (DOF), auch: Depth of Focus (selten, anderer Begriff) |
|---|---|
| Bestimmende Faktoren | Blende · Brennweite · Motivabstand · Sensorgrösse |
| Kleiner DOF | offene Blende, lange Brennweite, kurzer Abstand, grosser Sensor |
| Grosser DOF | kleine Blende, kurze Brennweite, weiter Abstand, kleiner Sensor |
| Zerstreuungskreis | Basis der DOF-Berechnung: Vollformat ≈ 0,03 mm, APS-C ≈ 0,019 mm |
| Hyperfokaldistanz | Fokusabstand, ab dem DOF von der halben Distanz bis ∞ reicht |
| Bokeh | Qualität der unscharfen Bereiche – kreisrunde Blendenöffnung = runde Bokeh-Scheibchen |
DOF ist der vielleicht wichtigste kreative Parameter in der Fotografie. Er entscheidet, ob ein Porträt den Menschen freistellt oder ob eine Landschaft vom Vordergrund bis zum Horizont scharf ist. Wer DOF bewusst steuert, lenkt den Blick des Betrachters – die Unschärfe sagt: «Schau hier, nicht dort.» Wer DOF dem Automatikmodus überlässt, nimmt diese Gestaltungsentscheidung dem Zufall.
Schärfentiefe-Rechner
Stell Sensor, Brennweite, Blende und Abstand ein – und sieh sofort, wie gross der scharfe Bereich wird.
Die vier Einflussfaktoren
Blende
Die Blende ist der direkteste DOF-Hebel. Jede volle Blendenstufe, die du schliesst (grössere f-Zahl), verdoppelt die Schärfentiefe ungefähr. f/1.8 → f/2.8 → f/4 → f/5.6 – jede Stufe mehr DOF. Das erklärt, warum Porträtfotografen f/1.8 lieben und Landschaftsfotografen f/11.
Brennweite
Longer Brennweiten komprimieren die DOF stark: Bei 85 mm und f/1.8 reicht die scharfe Zone an einer Person von den Augen kaum bis zur Nasenspitze. Bei 24 mm und f/1.8 ist schon deutlich mehr scharf. Wichtig: Bei gleichem Bildausschnitt (also wenn du mit dem 24-mm-Objektiv näher an das Motiv herangehst als mit dem 85 mm) ist die DOF ähnlich.
Motivabstand
Je näher du am Motiv bist, desto kleiner ist die DOF. In der Makrofotografie bei 1:1-Abbildung schrumpft sie auf wenige Millimeter – kleinste Kamerabewegungen können das Auge des Insekts aus dem Fokus bringen. Die Lösung: abblenden und/oder Focus Stacking (mehrere Fokuspositionen kombinieren).
Sensorgrösse
Bei gleichem Bildausschnitt (gleiche effektive Brennweite) liefert ein grösserer Sensor eine kleinere DOF. Vollformat stellt stärker frei als APS-C, APS-C stärker als Micro Four Thirds. Das ist einer der praktischen Gründe, warum Porträtfotografen grosse Sensoren bevorzugen.
Bokeh: die Qualität der Unschärfe
Bokeh (jap. boke = Unschärfe) beschreibt, wie der unscharfe Hintergrund aussieht. Kreisrunde Blendenlamellen erzeugen runde Bokeh-Scheibchen (kreisförmiges Bokeh); eckige Lamellen erzeugen eckige Scheibchen. Hochwertige Festbrennweiten mit vielen, gerundeten Lamellen liefern das weichste Bokeh. Umgangssprachlich sagt man «gutes Bokeh» für eine cremige, gleichmässige Hintergrundunschärfe ohne harte Ränder.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen DOF und Bokeh?
DOF beschreibt die Ausdehnung des scharfen Bereichs – eine messbare Grösse in Metern oder Zentimetern. Bokeh beschreibt die ästhetische Qualität des unscharfen Bereichs – rund, cremig, fliessend oder hart, eckig, ablenkend. Wenig DOF erzeugt Bokeh; Bokeh-Qualität hängt aber zusätzlich vom Objektivdesign ab.
Stimmt es, dass die Schärfe vor dem Fokus kleiner ist als dahinter?
Als grobe Faustregel gilt: Ein Drittel der DOF liegt vor der Fokusebene, zwei Drittel dahinter. Das gilt nur im normalen Nahbereich; im Unendlichbereich und bei der Hyperfokaldistanz verteilt sich die DOF symmetrischer.
Was ist die Hyperfokaldistanz und wie nutze ich sie?
Die Hyperfokaldistanz ist der Fokusabstand, bei dem die DOF von der halben Hyperfokaldistanz bis unendlich reicht. Fokussierst du auf diese Distanz, maximierst du die scharfe Zone. Ideal für Landschaften – der Rechner oben zeigt dir die Hyperfokaldistanz für deine aktuelle Einstellung.
Warum benutzen Landschaftsfotografen nicht einfach f/22 für maximale Tiefe?
Kann ich DOF nachträglich in der Bildbearbeitung erzeugen?
Fazit
DOF ist das primäre kreative Mittel, mit dem du Aufmerksamkeit im Bild steuerst. Verstehe die vier Einflussgrössen – Blende, Brennweite, Abstand, Sensor – und du kannst jede Freistellungssituation vorhersagen, bevor du den Auslöser drückst. Nutze den Rechner oben, um ein Gefühl für die Zahlenwerte zu bekommen, und überprüfe kritische Aufnahmen mit der Lupenfunktion deiner Kamera.
Quellen
- H. M. Merklinger: The Ins and Outs of Focus – Grundlagen zu Zerstreuungskreis, Hyperfokaldistanz und DOF-Verteilung.
- Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics, 3. Aufl. – Technische Herleitung der Schärfentiefe-Formeln.
- ISO 12233 – Photography: Electronic Still Picture Imaging – Norm zur Auflösungs- und Schärfenmessung.
Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026. Rechnerwerte sind Richtwerte für die Bildplanung.
