Das EF-S-Bajonett ist ein Objektivanschluss von Canon, der ausschliesslich für Kameras mit APS-C-Sensor (Crop-Faktor 1,6×) entwickelt wurde. EF-S-Objektive können nicht an Canon-Vollformatkameras (EF-Bajonett) montiert werden, weil der Hinterlinsenabstand kürzer ist und den Spiegel der Vollformatkamera treffen würde. Im Gegenzug sind EF-S-Objektive kompakter und kostengünstiger als ihre EF-Pendants.
| Hersteller | Canon (eingeführt 2003, EOS 300D) |
|---|---|
| Kompatibilität | nur Canon APS-C-Kameras (Crop-Faktor 1,6×) |
| Flanschabstand | 44,0 mm (EF) / 38,0 mm (EF-S – kürzer wegen Spiegelclearance) |
| Bildkreis | optimiert für APS-C (ca. 26,7 × 17,8 mm) |
| Montagesperre | weisser Punkt (EF = roter Punkt; EF-S = weisser Punkt) |
| Anzahl EF-S-Objektive | ~15 Canon-Originale (Stand 2026); viele Drittanbieter |
| Nachfolger | RF-S-Bajonett (ab EOS R-System, 2020) |
Canon führte das EF-S-Bajonett 2003 mit der EOS 300D ein – der ersten Consumer-DSLR von Canon. Das «S» steht für «Small image circle» (kleiner Bildkreis). Weil der Sensor kleiner ist, muss das Objektiv nur einen kleineren Bildkreis ausleuchten. Das erlaubt einen kürzeren Hinterlinsenabstand, was Gewicht und Bautiefe reduziert – praktisch für Reise- und Alltags-Objektive.
EF vs. EF-S: Die Unterschiede
Bildkreis und Sensor
EF-Objektive beleuchten einen Bildkreis von 43,2 mm Durchmesser (Diagonale Kleinbild). EF-S-Objektive beleuchten nur den APS-C-Sensor (ca. 28 mm). Montierst du ein EF-S-Objektiv an einer Vollformatkamera (sofern mechanisch möglich), entstehen starke Vignettierungen an den Bildrändern, weil der Bildkreis zu klein ist.
Montagepunkte und Erkennungszeichen
Canon kennzeichnet EF-Objektive mit einem roten Punkt und EF-S-Objektive mit einem weissen Punkt. Die Kerbe am Gehäuse zeigt an, an welchem Punkt du das Objektiv aufsetzt. Ein EF-S-Objektiv lässt sich mechanisch nicht auf eine Vollformatkamera schrauben – Canon hat eine physische Sperre eingebaut.
| Merkmal | EF | EF-S |
|---|---|---|
| Bildkreis | 43,2 mm (Vollformat) | ~28 mm (APS-C) |
| Flanschabstand | 44,0 mm | 38,0 mm |
| Kennung am Objektiv | roter Punkt | weisser Punkt |
| Kompatible Kameras | EF + EF-S-Gehäuse | nur EF-S-Gehäuse (APS-C) |
| Gewicht (typisch) | schwerer | leichter |
| Preis (typisch) | höher | günstiger |
Wichtige EF-S-Objektive im Überblick
Weitwinkel
Das EF-S 10–18 mm f/4,5–5,6 IS STM ist das kompakteste Ultraweitwinkel im Canon-APS-C-Sortiment. Es entspricht einem Kleinbild-Äquivalent von 16–29 mm und eignet sich für Architektur, Landschaft und enge Innenräume. Preis-Leistungs-Verhältnis sehr gut.
Standardzoom
Das EF-S 18–55 mm f/3,5–5,6 IS II / IS STM liegt vielen Einsteiger-Kits bei. Es deckt den klassischen Bereich vom Weitwinkel bis leichtem Tele ab (29–88 mm äquivalent). STM-Version fokussiert leiser und eignet sich für Video.
Telezoom
Das EF-S 55–250 mm f/4–5,6 IS STM ist das meistverkaufte APS-C-Teleobjektiv von Canon. Äquivalent 88–400 mm; ideal für Sport, Tiere und Portraits mit viel Freistellung.
Makro
Das EF-S 60 mm f/2,8 Makro USM bietet 1:1-Abbildungsmassstab – für Nahaufnahmen von Insekten, Blumen und Kleinteilen. Äquivalent 96 mm; angenehmer Arbeitsabstand bei Makroaufnahmen.
EF-S-Adapter und Systemwechsel
EF-S an Vollformatkameras
Canon sperrt EF-S-Objektive mechanisch von EF-Vollformatkameras. Es gibt zwar Drittanbieter-Adapter, die diese Sperre umgehen, aber das Ergebnis sind ausgeprägte Vignettierungen an den Bildrändern – nicht praxistauglich. Empfehlung: EF-S nur an APS-C-Kameras einsetzen.
EF-S an RF-Kameras
Mit dem Canon EF-RF-Adapter können EF-S-Objektive an Canon EOS R-Kameras mit APS-C-Sensor (R50, R10, R100) montiert werden. An Vollformat-R-Kameras (R6, R5) ist das Ergebnis identisch wie bei EF: Vignettierung, weil der Bildkreis zu klein ist.
EF-S und das RF-S-Bajonett
2022 führte Canon das RF-S-Bajonett ein – die EF-S-Entsprechung für das spiegellose RF-System. RF-S-Objektive sind native für APS-C-R-Kameras gedacht. EF-S-Objektive bleiben im DSLR-Bereich relevant, solange Canon die EOS-850D-Linie weiterführt.
Häufige Fragen
Kann ich EF-Objektive (Vollformat) an meiner APS-C-Kamera nutzen?
Ja, problemlos. EF-Objektive beleuchten einen grösseren Bildkreis als nötig – das macht nichts. Du gewinnst die Bildqualität des EF-Objektivs, aber mit dem 1,6×-Crop: ein EF 50 mm f/1,8 verhält sich an APS-C wie ein 80-mm-Portrait-Teleobjektiv.
Wie erkenne ich, ob ein Objektiv EF oder EF-S ist?
EF-Objektive haben einen roten Punkt, EF-S-Objektive einen weissen Punkt zur Ausrichtung beim Aufsetzen. Steht «EF-S» auf dem Objektivring, handelt es sich um ein APS-C-Objektiv. EF-Objektive tragen nur «EF».
Sind EF-S-Objektive qualitativ schlechter?
Lohnt sich ein Wechsel zu RF-S, wenn ich von EF-S komme?
Wenn du auf eine spiegellose Canon EOS R-Kamera wechselst: Mit EF-RF-Adapter funktionieren EF-S-Objektive weiter. Neue RF-S-Objektive (z. B. RF-S 18–150 mm) sind nativ und nutzen das kürzere Auflagemass von RF besser aus.
Kann ich ein EF-S-Objektiv zerlegen und als EF-Objektiv nutzen?
Nein. Die interne Konstruktion und der Bildkreis sind fest auf APS-C ausgelegt. Das Modifizieren des Bajonetts würde den Flanschabstand nicht ändern; an Vollformatkameras blieben Vignettierung und Rücklinsen-Risiko bestehen.
Fazit
Das EF-S-Bajonett ist eine durchdachte Antwort auf die APS-C-Realität: leichter, günstiger, kompakt – und vollständig auf den kleineren Sensor optimiert. Wer mit Canon-APS-C-Kameras fotografiert, nutzt EF-S-Objektive ohne Einschränkungen. Wer auf Vollformat aufsteigen will, kann EF-Objektive mitnehmen; EF-S-Objektive bleiben dann im Schrank. Für Spiegellose ist das RF-S-Bajonett der Nachfolger, der die gleiche Philosophie ins digitale Zeitalter trägt.
Quellen
- Canon Inc.: EF Lens Work III – The Eyes of EOS (3. Aufl.) – Bajonett-Geometrie und Bildkreis-Dokumentation.
- Canon Europe: EF-S-Objektiv-Spezifikationen, offizielle Produktseiten (2024).
- H. Zapp, M. Zucker: Das grosse Objektivhandbuch, dpunkt.verlag – Anschluss-Kompendium DSLR/DSLM.
Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026. Angaben ohne Gewähr.
